Munich Contempo
Schwankendes Niveau

Die Munich Contempo komplettiert die Riege der Antiquitätenmessen mit junger Kunst. Um sich als fester Termin im Kalender der Sammler zu etablieren, muss sie noch an ihrem Profil feilen.
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München.Mit einem schelmischen Lächeln im Gesicht präsentiert Franz West auf einem Katalogfoto seine „Haus- und Gästeschurz“. 2004 entwarf der Wiener Künstler die bunt lackierte Schürze aus Pappmaché, die – so steht es auch im Zertifikat – nur für den privaten Hausgebrauch des Käufers gedacht ist. Ausgestellt wurde sie gerade „öffentlich“ – auf der „Munich Contempo – International Contemporary Art Fair“; und für einen Preis von 110.000 Euro ist sie auch käuflich zu erwerben. Mitgebracht hatte das außergewöhnliche Stück die Wiener Galerie Konzett, die neben weiteren Werken von Franz West auch Arbeiten von Otto Muehl und Joseph Beuys offerierte.

An der zweiten Ausgabe der Münchner Messe, die vom 20. bis 23. Oktober in diesem Jahr zeitlich mit der 56. Kunst-Messe München zusammenfiel, nahmen rund 50 Galerien teil. Nach Angaben der Messeorganisation, der Kieler Expo Management GmbH, die auch die 56. Kunst-Messe veranstaltet, kamen in diesem Jahr mit 11.000 Besuchern mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Einer der Gründe dafür ist sicherlich die zeitliche Abstimmung aller in München stattfindenden Kunstmessen.

Aus New York gekommen

Neben zahlreichen Galerien aus Deutschland und den europäischen Nachbarländern zog es auch etliche asiatische Galerien an die Isar. Neuteilnehmer Leo Koenig aus New York, der gemeinsam mit seinen Berliner Kollegen Springer & Winckler ausstellte kam, wie er sagt, „ohne Erwartungen“ nach München.  Er verkaufte zu Messebeginn ein dreiteiliges „Mirror Painting“ des Amerikaners Tony Matelli für 75.000 Dollar an einen Berliner Sammler.

Matelli war im Frühjahr des Jahres mit dem Falkenrot Preis des Berliner Künstlerhauses Bethanien ausgezeichnet worden. Springer & Winckler zeigten neben Fotos von Bernd und Hilla Becher ein abstraktes Gemälde von Gerhard Richter. Dieses stieß auf großes Interesse; momentan laufen noch Verkaufsverhandlungen wie die Galerie verlauten ließ (Abstraktes Bild 889-3, 2004, 65 x 50 cm, 680.000 Euro).

Michael Schultz, Berliner Galerist mit Dependancen in Peking und Seoul, stellte ein Ensemble aus Porzellanvasen mit Deckeln von der koreanischen Künstlerin SEO vor. SEO schuf die bemalten Gefäße auf Einladung der Manufaktur Meißen: insgesamt 6 Unikat-Ensembles in unterschiedlichen Farben. Schultz verkaufte die Arbeit am Vernissagetag für 22.000 Euro. Ein Münchner Sammler griff tiefer in die Tasche und erwarb von Michael Schultz, der auch im Messebeirat sitzt, das abstrakte, kleinformatige Gerhard Richter-Gemälde „Fuji (839-100)“ von 1996 für 350.000 Euro.

Kein durchgehend hohes Niveau

„Die Messesektion „Promising Land“ versammelte junge Künstler und Galerien und eine kuratierte Schau von Streetart-Künstlern. Hier zeigte die Galerie Antimuseo Project Gallery aus Madrid die in Deutschland kaum bekannte mexikanische Fotografin Maria Maria Acha. Die Geschichte der Frauenbewegung ist Thema ihrer opulenten Fotografien, die sich durch vielschichtige historische Bezüge auszeichnen.

Jiri Svestkas Stand zog viel Aufmerksamkeit auf sich. Der Galerist mit Sitz in Prag und Berlin nahm zum zweiten Mal an der Messe teil. Er präsentierte neben einem 45.000 Euro-Modell von Dan Graham für einen Pavillon („Triangle with a cylinder“, 2008) auch die poetischen Traumlandschaften der tschechischen Künstlerin Veronika Holcova („Dream of two Nuns“, Acryl und Öl auf Leinwand, 2010, 135 x 110 cm, 10.000 Euro).

Nachdem die Rotunde des Postpalastes in diesem Jahr von der 56. Kunst-Messe besetzt wurde, ist die Munich Contempo in die sogenannte Säulenhalle umgezogen, ein passender Ort für zeitgenössische Kunst. Auch wenn viele Stände mit ihren Präsentationen überzeugten, war nicht alles, was in der großzügigen Halle gezeigt wurde, auf höchstem Niveau. Um die Messe erfolgreich in die Zukunft zu führen, muss ein strengeres Auswahlverfahren stattfinden. Nur dann kann es der Munich Contempo gelingen, ein fester Bestandteil im Kalender der Sammler zu werden.

Kommentare zu " Munich Contempo: Schwankendes Niveau"

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  • Knapp und gut gezeichneten Messeüberblick. Was fehlt ist leider die andere Seite! Die derzeit lähmende Eurokrise hat bestimmt auch in München ihren Niederschlag gefunden und nicht nur in LONDON an der FRIEZE Art Fair. Sowas darf man auch schreiben. Es hebt die Qualität des Schreibers. Jean Kaempf, Berlin

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