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Muse und Mythos: Vor 125 Jahren wurde Alma Mahler-Werfel geboren

Der Dichter Franz Werfel war ihr verfallen, der Architekt Walter Gropius vergötterte sie, der Maler Oskar Kokoschka ließ sich eine Puppe nach ihrem Bild anfertigen, und der Komponist Gustav Mahler notierte heiße Liebesschwüre auf seine Partitur: Alma Mahler-Werfel, die Muse, Salondame und Musikerin, war eine Zentralfigur der Wiener Moderne. Ihre Affären und Ehen, aber auch ihre Schönheit und ihre schillernden Tagebücher machten sie zu einem Mythos. Am 31. August vor 125 Jahren wurde Mahler-Werfel geboren.

dpa WIEN. Der Dichter Franz Werfel war ihr verfallen, der Architekt Walter Gropius vergötterte sie, der Maler Oskar Kokoschka ließ sich eine Puppe nach ihrem Bild anfertigen, und der Komponist Gustav Mahler notierte heiße Liebesschwüre auf seine Partitur: Alma Mahler-Werfel, die Muse, Salondame und Musikerin, war eine Zentralfigur der Wiener Moderne. Ihre Affären und Ehen, aber auch ihre Schönheit und ihre schillernden Tagebücher machten sie zu einem Mythos. Am 31. August vor 125 Jahren wurde Mahler-Werfel geboren.

Im Hause der Eltern, des bürgerlichen Landschaftsmalers Emil Jakob Schindler und seiner Frau, gingen die Intellektuellen und Künstler der Zeit ein und aus. Früh wurde Alma mit dem Kunst- und Geistesleben ihrer Heimatstadt vertraut und wuchs in den inneren Kreis des kulturellen Großbürgertums der Jahrhundertwende hinein. Den Tod des Vaters, der 1892 starb, überwand sie nur schwer. Das Verhältnis zur Mutter, die in zweiter Ehe ihren langjährigen Liebhaber, den Maler Carl Moll heiratete, blieb konfliktträchtig.

In ihrer Jugend galt Alma Schindler als schönstes Mädchen Wiens. Ihre schillernde, exaltierte Persönlichkeit, ihr Hang zu auffälliger Kleidung und ihre Lust an der Selbstdarstellung faszinierten und provozierten die Gesellschaft, was sie in ihren „Tagebuch-Suiten“ amüsiert kommentierte. So notierte sie 1898 nach einer Vernissage in der neu gegründeten Künstlervereinigung Secession: „Mit neuen, feinen Hüten und Jacken bewaffnet, giengen rpt giengen wir heute auf den Kampfplatz.... Gretl und ich machten Honneurs... Zum Schluss waren alle Secessionisten bei uns, und wir trieben den gröbsten Ulk, den man sich denken kann. Wir tranken fest Champagner.“

Als großes Kommunikationstalent scharte sie Künstler und Gesellschafts- wie Geistesgrößen um sich. Musisch hoch gebildet und begabt, erhielt sie Unterricht bei Alexander von Zemlinsky und begann, selbst zu komponieren. Als sie 22 Jahre alt war, lernte sie den um 19 Jahre älteren Komponisten Gustav Mahler kennen, damals bereits Hofoperndirektor. 1902 heirateten die beiden - für Alma das Ende ihrer Musikerkarriere, da Mahler keine Konkurrenz im eigenen Haus duldete.

Ihre Ehe mit Mahler verlief unglücklich; die ältere der beiden Töchter des Paares starb noch als Kind. Während eines Kuraufenthaltes begann Alma eine Affäre mit dem Bauhaus-Architekten Walter Gropius, die ihre Ehe schwer gefährdete. Nach dem Tod ihres Mannes 1911 hatte sie ein leidenschaftliches Verhältnis mit dem Maler Oskar Kokoschka, heiratete 1915 aber Gropius. Von ihm ließ sie sich 1929 scheiden und ging eine Ehe mit dem jüdischen Dichter Franz Werfel ein. 1938 floh sie mit ihm vor den Nationalsozialisten nach Frankreich und 1940 in die USA. Am 11. Dezember 1964 starb Alma Mahler-Werfel in New York und wurde auf einem Friedhof im Wiener Heurigen-Vorort Grinzing begraben.

Die große Faszination, die von Alma als Muse und femme fatale ausging, erklärt die Historikerin Brigitte Hamann mit der rebellischen Komponente ihres erotischen Lebens: „Die Frau als Hure war das Ideal der Wiener Moderne. Dass eine Frau den Spieß umdreht und das Heft in die Hand nimmt, war die Provokation“.

Doch das schillernde Bild hat in letzter Zeit an Glanz verloren. So rüttelt der Biograf Oliver Hilmers am Bild der entsagenden Künstlerin, die vom Ehemann gezwungen wurde, das eigene Talent zu unterdrücken. Der Historiker hält in seiner Alma-Biografie „Witwe im Wahn“ mit Nachdruck fest, dass Alma Gustav Mahler um 53 Jahre überlebte - aber auch nach seinem Tod keinen Ton mehr komponierte. Auch ihre unverhohlen antisemitischen Äußerungen gegen Werfel, dem sie vorwirft, er könne kein Deutsch schreiben, weil er Jude sei, beschönigt Hilmers nicht.

Das Leben der exzentrischen Muse und Salonlöwin bietet bis heute reichlich Stoff für Analysen, Spekulationen, immer neue Biografien und Dramen. So hat der Wiener Schauspieler und Regisseur Paulus Manker mit dem Autor Joshua Sobol 1996 das Theaterstück „Alma - A Show Biz ans Ende“ entwickelt, das seitdem erfolgreich gezeigt wird. Zur Zeit macht die Produktion an Almas vorletztem Wohnort Los Angeles Station.

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