Museum Küppersmühle
Zweiter Anlauf für einen Erweiterungsbau

Vor sieben Jahren scheiterte der Erweiterungsbau für das Museum Küppersmühle in Duisburg. Jetzt wird es Zeit für Plan B. Den Entwurf lieferte das Architekturbüro Herzog & de Meuron. 2018 soll das privat finanzierte Vorhaben fertig sein.
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DuisburgBodenständigkeit charakterisiert den neuen Entwurf für einen Erweiterungsbau des Museum Küppersmühle Moderne Kunst (MKM) am Duisburger Innenhafen. Er soll sich „in seiner Maßstäblichkeit und Materialisierung in die Kette der eindrucksvollen, historischen Backsteinbauten entlang des Hafenbeckens“ einreihen, heißt es in der jüngsten Pressemeldung des Museums.

Seit 1999 präsentieren Sylvia und Ulrich Ströher in der Küppersmühle eine der größten deutschen Privatsammlungen von Nachkriegs- und Gegenwartskunst. Aber moderne Kunstwerke sind Raumpiraten. Schon 2008 plante das Ehepaar mit dem Land NRW und dem Chemieunternehmen Evonik Industries deswegen einen spektakulären Leuchtkubus auf dem Dach des Stammhauses. Das bereits begonnene Projekt scheiterte an mangelhafter Ausführung und der Insolvenz der Baufirma Gebert. Im zweiten Anlauf soll ein viergeschossiger, ebenerdiger Anbau entstehen. Die radikal veränderten Entwürfe stammen wiederum vom Schweizer Architektenduo Herzog & de Meuron.

2.500 Quadratmeter mehr Ausstellungsfläche

Die Sammlung Ströher zeichnet sich vor allem dadurch aus, die Entwicklung der deutschen Kunst seit den 1950er-Jahren in ihren verschiedenen Strömungen und Richtungen nachvollziehbar zu machen. Schwerpunkt ist die informelle Malerei. In der Sammlung sind jedoch auch wichtige Maler und Bildhauer wie Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Stephan Balkenhol und Rosemarie Trockel vertreten. Bislang stehen dem Museum insgesamt 4.000 Quadratmeter für permanente und temporäre Ausstellungen zur Verfügung. Nur etwa 25 Prozent der Sammlung könne dort permanent ausgestellt werden, schätzt Museumsdirektor Walter Smerling im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Mit dem Zugewinn von 2.500 Quadratmetern durch den Anbau wird sich die Fläche der ständigen Ausstellung verdoppeln. Smerling sieht darin einen enormen Zugewinn für das Museum, aber auch für die Stadt Duisburg: „Die kunsthistorischen Vergleichsmöglichkeiten sind dann einzigartig. Wir sind glücklich, dass wir ab 2018 auch Bereiche der Sammlung zeigen können, die bislang nur in Sonderausstellungen erfahrbar waren.“ Das betrifft beispielsweise Werke von Sigmar Polke, Karl Otto Götz, Walter Störer oder Blinky Palermo.

Finanzierung ohne Steuergelder

Auch wichtige Werkkomplexe von Georg Baselitz oder Markus Lüpertz werden den Besuchern nicht länger vorenthalten. Die heutige Sammlung geht auf die Fusion der Sammlungen Ströher und Hans Grothe im Jahr 2005 zurück. Grothe sammelte schwerpunktmäßig Kunst der 1970er- bis 1990er-Jahre. Der Bestand von 1.500 Werken, den die Website des Museums kommuniziert, dürfte heute jedoch bereits höher sein. Erst kürzlich erwarb das Sammlerpaar Ströher Fotografien von Candida Höfer und Hans-Christian Schink. Seit der Eröffnung des Museums 1999 fanden 72 Sonderausstellungen statt.

Die Museumserweiterung wird ausschließlich durch die kürzlich vom Sammlerehepaar gegründete private MKM-Stiftung finanziert. „Es werden keine Steuergelder verwendet.“, betonte Walter Smerling zur finanziellen Absicherung des Vorhabens. Für das gestoppte Kubus-Projekt waren 30 Millionen Euro veranschlagt. Als Geldgeber saßen 2008 noch das Land NRW und Evonik Industries im Boot. Die Chemiefirma Evonik unterstütze das Museum Küppersmühle heute noch als Sponsor, aber nicht als Finanzier des Erweiterungsbaus, so Walter Smerling. Über das Budget wird momentan noch der Mantel des Schweigens gelegt.

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