Museum Ludwig, Köln
Spuren einer zwölfjährigen Amtszeit

Vor zwölf Jahren formulierte Kasper König seine Ankaufswünsche für das Museum Ludwig in Köln. Heute, wenige Monate vor seiner Verabschiedung, zieht der Museumsdirektor Bilanz. Nicht zuletzt dank der Freunde des Museums gelangten 2.000 Neuerwerbungen in sein Haus. Unsere Korrespondentin Sigrid Nebelung hat sich einige von ihnen genau angesehen.
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KölnAls Kasper König vor zwölf Jahren seinen Direktorenposten im Kölner Museum Ludwig antrat, überraschte er mit einer Ausstellung, die bis heute ihre Spuren hinterlassen hat. Er wollte das Sammlungs-Konzept von Peter und Irene Ludwig, die mit der Pop Art, Picasso und den Russischen Konstruktivisten starke Akzente gesetzt hatten, durch eine „intelligente, zeitgenössische Variante“ ergänzen. Das gelang ihm 2001 mit dem „Museum unserer Wünsche“. Unter den Desideraten klebten silberne Schildchen, die gegen goldene ausgetauscht wurden, sobald sich Mäzene gefunden hatten.

König konnte von Anfang an auf die Unterstützung der Bürger zählen. Es halfen die Peter und Irene Ludwig Stiftung in Aachen ebenso wie die Gesellschaft für moderne Kunst am Museum Ludwig, die den Wolfgang-Hahn-Preis vergibt. Sie ist auf zahlreichen goldenen Plaketten verewigt. Auch die Freunde der Art Cologne und das Kuratorium des Wallraf-Richartz-Museums ermöglichten Ankäufe; spendabel zeigten sich auch die „Jungen Mitglieder“ der Gesellschaft für Moderne Kunst.

Insgesamt konnte König in seiner Amtszeit 2.000 Neuerwerbungen verbuchen. Aus diesem Schatz filterte er nun zum Abschied eine sehr persönliche Schau mit 80 Werken unter dem Motto „Ein Wunsch bleibt immer übrig“.

Vor zwölf Jahren noch ein Geheimtipp

Der Besucher steigt die Treppen hinauf ins Obergeschoss. Er fühlt sich beobachtet von einem Fremden mit Kamera oben an der Brüstung. Die Verunsicherung dauert nur sekundenlang, denn der „Kameramann“ (1995) ist ein alter Bekannter aus dem „Museum unserer Wünsche“ Vor zwölf Jahren war Pavel Althamer aus Polen noch ein Geheimtipp. Sein Hauptthema: Beobachten, Beobachtet werden und mediale Vermittlung von Realität hat ihn längst zu einem Star der internationalen Kunstszene gemacht.

An der Wand ein rares Atelier-Interieur von Philip Guston, „Complications“ (1973), das Königs damaliger Mitstreiter Ulrich Wilmes auf der Art Basel entdeckt hatte. Mit Hilfe der Peter und Irene Ludwig Stiftung konnte es 2002 für das „Museum unserer Wünsche“ erworben werden. Es ist ein Bild wie eine Bühne, das Gustons autobiographisch geprägtes Spätwerk einläutet. Dominierend ist ein Gemälde auf einer verbogenen Staffelei. Obwohl der Künstler selbst nicht auftritt, deuten Guston-Kenner das Bild als kritisches Selbstporträt.

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Kasper König als Netzwerker

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