Museum Ritter – Sammlung Marli Hoppe-Ritter: Die Rundungen des Quadrats

Museum Ritter – Sammlung Marli Hoppe-Ritter
Die Rundungen des Quadrats

Ritter Sport steht für quadratische Schokolade. Wie sehr diese geometrische Form immer wieder nicht nur Produktdesigner, sondern auch Künstler inspiriert hat, zeigt das Museum Ritter mit einer großartigen Sammlung.

WaldenbuchDas Quadrat in der Kunstgeschichte der vergangenen 100 Jahre – so ließe sich verkürzt das Programm des 2005 eröffneten Museum Ritter umschreiben. Über 1000 geometrisch-abstrakte Kunstwerke haben Marli Hoppe-Ritter und ihr Mann Hilmar Hoppe seit den frühen 1990er-Jahren zusammengetragen. Untergebracht sind sie im württembergischen Waldenbuch in einem eleganten, kubusförmigen Bau direkt am Stammsitz des Unternehmens.

Werke von Künstlern aller Tendenzen der abstrakten und der konkreten Kunst sind hier zuhause. Und alle kreisen sie spielerisch, analytisch, spirituell und witzig um das Viereck und seine vier rechten Winkel. Statt Inhalt stehen Form und Farbe im Mittelpunkt. Es beginnt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den Künstlern, die mit bildnerischen Mitteln die Kunst revolutionieren wollten, und führt über die Konstruktivisten der russischen Avantgarde, die Vertreter der De Stijl-Gruppe und des Bauhauses zu den Zürcher Konkreten.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert kommt das Quadrat wieder groß heraus, nun in Verbindung mit den Stilrichtungen von Op Art und Minimal Art. Tot zu kriegen ist die geometrische Kunst auch im 21. Jahrhundert nicht, wie die zahlreichen Beispiele aus der Gegenwartskunst.

Das älteste Werk der Sammlung ist eine kleine, vergilbte Bleistiftzeichnung von Kasimir Malewitsch. Mit ihr bereitete der Künstler 1915 die Komposition seines berühmten Gemäldes „Schwarzes Quadrat auf weißem Grund“ vor. Obwohl so unscheinbar, markiert die Studie eine kunsthistorische Revolution. Malewitsch entwickelte damals seine Idee von einer „suprematistischen“ Kunst, die weg wollte von der Illusion. Nur noch die reine Form sollte Geltung haben.

Eines von wenigen Werken aus dem Museum Ritter, auf denen es nicht geordnet zugeht, ist eine Animation von David Shrigley. Im Zeichentrickfilm „New Friends“ fällt ein Quadrat in die Hände einer ganzen Horde von runden Wesen. Nach einem scheinbar freundlichen Empfang folgt das böse Ende. Das Quadrat wird rund gemacht – mit Hilfe einer Kreissäge. David Shrigley ist bekannt für seinen skurrilen Humor und reduzierte, skizzenhafte Zeichnungen.

Einen anderen Ansatz verfolgt Marcello Morandini. Mit farblich auf Schwarz und Weiß reduzierten Strukturen lenkt der italienische Künstler den Blick auf die Formen und deren ästhetische Werte. Dabei folgt er einem Grundgedanken der Konkreten Kunst, visuelle Strukturen aus einer mathematischen Logik heraus zu entwickeln. Mit der Op Art verbindet Morandini die streng serielle Ausgestaltung einfacher geometrischer Gebilde und das Interesse an dynamischen Wirkungen.

Mit einem Selbstreinigungsprozess verglich Imi Knoebel seinen Durchbruch zu einer streng abstrakten Kunst. Dabei orientierte er sich an den radikalen Ideen Kasimir Malewitschs. „Zum wahren, befreiten Nichts, zur Gegenstandslosigkeit“ wollte der Russe zu Beginn des 20. Jahrhunderts vordringen. Ausgangspunkt von „Revolver III“ ist eine Quadratform, die Knoebel zu einem Raster aus zwölf Paneelen zusammensetzt.

Alle Folgen der Serie „Corporate Collection“ finden Sie in einem Handelsblatt-Dossier.

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