Museum Schloss Moyland
Beuys neu verstehen

Es ist ein Quantensprung. Die übervolle, alles nivellierende „Moyländer Hängung“ ist Geschichte. Klar und klassisch präsentiert sich die Beuys-Ausstellung im Schloss Moyland nach einer Renovierungsphase.
  • 0

Bedburg-Hau„Ich halte diese Zeichnungen immer noch für die wichtigsten Sachen, die ich überhaupt gemacht habe“, bekennt der sechzigjährige Joseph Beuys 1981, fünf Jahre vor seinem Tod. Von den frühen, gegenständlichen, dem Lehrer Ewald Mataré verpflichteten Tierzeichnungen über Notizen zu wilden Transformationsprozessen und Utopien - Beuys entwickelt sein gesamtes Werk aus Zeichnungen mit Bleistift, Öl und Kreide. Schon 1956 skizziert er eine „Filzwohnung“ - lange vor den Objekten mit dem wärmenden Material. „Im Fettraum“ heißt eine Zeichnung von 1961, in der Beuys einen Werkstoff umkreist, der in seinem späteren Werk zentral werden sollte.

Solche Kostbarkeiten hält die vollkommen neu gestaltete Dauerausstellung im Museum Schloss Moyland bereit. Die 2,4 Millionen Euro Umbaumittel tun dem Haus an der deutsch-holländischen Grenze sichtbar gut, die Räume wirken ruhiger und klarer. Aus dem überquellenden Sammlermuseum der Brüder van der Grinten mit 4000 vierreihig gehängten Kunstwerken (bedeutenden und weniger bedeutenden) sei „ein Museum über eine Kunstsammlung und deren kunsthistorische Betrachtung geworden“, erläutert Museumsdirektorin Bettina Paust.

Sie stellt nur mehr 400 Exponate in drei Stockwerken so aus, dass die Schätze der reichen, weit verzweigten Sammlung van der Grinten besser zur Geltung kommen. Wohlgeordnet und so, dass der Betrachter das einzelne Objekt noch aufnehmen kann, weil er einem roten Faden folgt. Der besondere Clou der Neueinrichtung besteht in einer flexiblen Beleuchtungstechnik, die es ermöglicht, lange nicht mehr gezeigte Meisterwerke auf Papier hervorzuholen und bei geringer Luxzahl auszustellen.

Will der Besucher der Chronologie folgen, beginnt er seinen Rundgang im Untergeschoss. Hier führt je ein Raum in die 700-jährige Historie des Wasserschlosses ein und in die Geschichte der mit Joseph Beuys eng verbundenen Sammlung van der Grinten. Es folgen Skulpturen aus dem 19. Jahrhundert, die die leidenschaftlich Kunst sammelnden Bauernsöhne Hans und Franz Joseph van der Grinten seit den 1950er-Jahren für kleines Geld erstehen konnten. Im Erdgeschoss kommen neben frühen Holzschnitten aus Japan, die der europäisch-expressionistischen Druckgraphik als Vorbild dienten, auch die Weggefährten von Joseph Beuys zu Ehren. "Wir präsentieren nicht nur Beuys-Ausstellungen, sondern weisen mit anderen Schauen auf seine kunsthistorische Bedeutung als Impulsgeber hin. Mit einer Einschränkung: Jeder, den wir hier zeigen, muss neben Beuys bestehen können", so Bettina Paust. Zurzeit sind dies die Künstlerfreunde Erwin Heerich, der als Architekt die Museumsinsel Hombroich entwarf, der Maler Rudolf Schoofs, der Installationskünstler André Thomkins und James Lee Byars.

Seite 1:

Beuys neu verstehen

Seite 2:

Filme erklären die Kunst

Kommentare zu " Museum Schloss Moyland: Beuys neu verstehen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%