Musikalische Sammlerobjekte auf Vinyl kommen wieder in Mode
Die große Schwarze ist wieder da

Nicht alle sind Überzeugungstäter wie Eins-Live-Moderator Piet Blank: Über 10 000 Vinylplatten hat er schon, und jeden Monat kommen für 150 Euro neue hinzu, bekennt der Radiomoderator freimütig. Doch wen der Charme der großen Schwarzen einmal gepackt hat, der ist verloren.

Was Blank und andere fasziniert, ist die nostalgische Stimmung, die aufkommt, wenn sich abends bei einem guten Glas Rotwein hypnotisierend ruhig das Vinyl auf dem schweren Teller des Designer-Plattenspielers dreht. Der unnachahmlich warme Sound der Analogaufnahme sucht halt seinesgleichen.

Und damit Blank und der Gruppe der „trendunabhängigen Enthusiasten mit dem nötigen Kleingeld“, wie es Warner-Music-Manager Dietmar Bunn ausdrückt, der Nachschub nicht ausgeht, legen Labels wie Warner ihre Klassiker neu in Vinyl auf. Schließlich wollen sie solche Zielgruppen seit langem wieder in die Plattenläden holen.

Ende September sollen Legenden wie The Eagles („Hotel California“), The Doors („L.A. Woman“), Eric Clapton, Miles Davis, Frank Sinatra oder Madonna („Ray of Light“) als LP wieder auferstehen. Auf jedes Detail wird geachtet: „Wenn früher kein Barcode auf der Hülle war, dann ist heute auch keiner drauf“, verspricht Bunn. Gepresst wird in schwerer 180-Gramm-Qualität. Digitales Aufmotzen der alten Bänder? Gott bewahre! Analog bleibt analog.

Für den DJ Blank ist die Vinyl auch noch Werkzeug: „Die Vinyl-Platte ist längst zu einem Instrument geworden.“ Er meint „Scratching“, das manuelle Hin- und Herbewegen der Scheibe auf dem „Turntable“, das in Hip-Hop, Techno oder Dance zu Hause ist.

Etwas, was dem Musiker und Analog-Puristen Leslie Mandoki Tränen in die Augen treibt. Er hat das Album „Soulmates“ mit Künstlern wie Ian Anderson, Randy Brecker oder Al Di Meola auch als Sammler-Edition mit CD und LP im Doppelpack herausgebracht. Ein „Testballon“ mit unerwartetem Erfolg: „Wir haben davon knapp 4 000 Stück verkauft“, sagt er. So etwas hört auch Warner-Manager Bunn gerne.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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