Musikrechte-Verwertung: 2,37 Euro Tantiemen

Musikrechte-Verwertung
Die fragwürdigen Methoden der Gema

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2,37 Euro Tantiemen

Wesentlich unübersichtlicher wird das Prozedere jedoch, wenn die Gema ihre Einnahmen keinem Urheber zuordnen kann. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Rockband auftritt und der Veranstalter keine sogenannte Musikfolge angemeldet hat. Diese gibt an, welche Songs die Band zum Besten gab, also für wen die Gema konkret Urheberrechte geltend machen kann. Typisch für den Konzertalltag in Deutschland ist, dass die dargebotenen Stücke nicht gemeldet werden. Dadurch hat die Gema nach eigenen Angaben bei zwei von drei Konzerten keine Ahnung, welche Stücke gespielt wurden. 

Die Erklärung für die Unwissenheit ist einfach. "Dem Veranstalter ist das Prozedere zu umständlich, und Künstlernaturen wie Musikern ist es oftmals nicht hinreichend bekannt", sagt Wieland Harms, Musiker und Mitinhaber einer Schule für Musik, Theater und Tanz in Sindelfingen bei Stuttgart. Zudem hätten "einige der Musiker resigniert, weil sie eh nur mickrige Tantiemen ausgezahlt bekommen". 

Zum Stein des Anstoßes wird diese Praxis für viele Künstler dadurch, wie die Gema in all diesen Fällen die Einnahmen auf ihre Mitglieder verteilt. Denn dazu verwendete sie ein hoch komplexes statistisches Berechnungsmodell namens Pro-Verfahren, das ganz offenkundig unbeteiligte Großverdiener unter den Gema-Mitgliedern bevorzugt. "Weil keiner mehr durchblickt, nutzt die Gema das für eine massive Vermögensumverteilung zugunsten der eh schon gut verdienenden Großkünstler", kritisiert Ole Seelenmeyer, Vorstand des Deutschen Rock & Pop Musikerverbandes. Das Nachsehen hätten Bands und Künstler, die in dem

riesigen Topf unterrepräsentiert seien. 

Der Vorstandsvorsitzende der Gema, Harald Heker, verteidigt die Methode. Sie solle "Ungerechtigkeiten ausgleichen, die durch die mangelnde Einreichung von Titellisten entstehen". Auch der Bundesgerichtshof habe das Verfahren nicht beanstandet.

Wie der angebliche Ausgleich von "Ungerechtigkeiten" aussieht, hat Bruno Kramm, Frontman der Gothic-Band "Das Ich", für seine Gruppe überschlagen. Die Bayreuther Formation absolvierte in den vergangenen Jahren rund 200 Konzerte in Clubs und auf Festivals. Dafür hätten die Veranstalter jeweils etwa 300 Euro pro Auftritt an die Gema überwiesen, insgesamt also 60.000 Euro, schätzt Musiker Kramm. "Uns ausgezahlt wurden von der Gema jedoch lächerliche 2,37 Euro." Im Grunde spiele seine Band damit "quasi für Dieter Bohlen und Konsorten" - und das, obwohl seine Band nur das eigene Repertoire darbiete. 

Zwar können Bands, die mindestens zu 80 Prozent aus dem eigenen Repertoire schöpfen und für deren Konzerte mehr als 750 Euro an die Gema gehen, die ihnen zustehenden Tantiemen direkt einfordern. Doch funktioniert diese Methode nicht für Bands wie "Das Ich". "Wir spielen immer mit Vorgruppe oder haben einen DJ dabei", sagt Musiker Kramm, "deshalb akzeptiert die Gema keine direkte Verrechnung." Ebenfalls zugunsten der Großverdiener läuft die Rechteverwertung mit den TV- und Rundfunksendern. Denn die tatsächlich gesendeten Musikstücke werden von der Gema nur bei den öffentlich-rechtlichen und den großen privaten Sendern erfasst und persönlich abgegolten. 

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  • Ich danke dem Handesblatt für diese Aufklärung.
    Die meisten Komponisten wie ich es bin leiden unter der GEMA schon ewig lang.Ich hoffe endlich auf Gerechtigkeit und das der Staat mit der 3 Affen-mentalität nichts hören, nichts sehen, nichts sagen , aufhört.

    MfG
    Detlef Lauster

  • Ich bin immer etwas besorgt, wenn Wirtschaftzeitschriften sich einem kompliziertem und komplexen Thema wie Urheberrechte oder Verwertungsgesellschaften nähern. Zu oft habe ich es erlebt, dass Halb- und Unwahrheiten verbreitet wurden. Das trifft auf diesen Artikel nicht zu. Vollständig ist der Artikel natürlich nicht. Es gäbe noch vieles, dass man beschreiben müsste. Aber er ist sachlich-fachlich fehlerfrei! Dafür danke ich ..

  • @Erika: Na ja...selbst wenn diese Randnotizen einer Korrektur bedürfen bleibt doch die Kritik im Kern immer noch dieselbe. Die Artikel-Überschrift "fragwürdige Methoden" auf die Sie anspielen, beschreibt schließlich das GEMA-System im Ganzen mit seiner fragwürdigen internen Geschäftspolitik, dem 2-Klassen-Modell, und nicht zuletzt der in höchstem Maße unkreativen Bürokratie. Um irgendwann als "zeitgemäß" durchgehen zu können, muss dieses System von Grund auf komplett saniert werden.

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