Musikrechte-Verwertung
Die fragwürdigen Methoden der Gema

Ob Künstler, Weihnachtsmarkt- oder Konzertveranstalter: Der Widerstand gegen den undurchsichtigen Musikrechte-Verwerter Gema und sein krass einseitiges Geschäftsgebaren wächst. Die Liste der Klagen ist lang.
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DüsseldorfDas Convention Center auf dem Gelände der Hannover Messe war voll besetzt. Das Computermagazin "Chip" hatte geladen, um die "Bremse des Jahres" zu verleihen. Das Publikum lachte und feixte. Auf der Bühne hielt der stellvertretende Chefredakteur Josef Reitberger eine Bremsscheibe in die Luft. Empfänger des verächtlichen Lorbeers: die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte - besser bekannt unter dem Kürzel Gema. 

Die Spotttirade vom März bildet nur einen von vielen Tiefpunkten des in München ansässigen Musikrechte-Verwerters. Die nächste Watsche droht, wenn sich noch in diesem Jahr der Bundestag mit einer Petition befassen wird, die den Totalumbau der Organisation fordert. 

Die Bittschrift, die vor zwei Jahren die Kulturveranstalterin Monika Bestle im bayrischen Sonthofen verfasste, wird inzwischen von 110.000 Musikschaffenden unterstützt. Anstelle fragwürdiger Gebühren und überbordender Bürokratie, so die Forderung, solle sich die Gema endlich durchschaubarer Geschäfts- und Inkassobedingungen befleißigen. Vor allem aber solle es ein Ende mit der krassen Bevorzugung der Großverdiener des hiesigen Musikbetriebs haben. 

Die Liste der Klagen über die Gema ließe sich beliebig verlängern. Musiker, die live ihre eigenen Werke aufführen, beschweren sich, finanziell zu kurz kommen. Konzertveranstalter laufen Sturm gegen hohe Gebühren. Und wegen Streits mit der Internet-Plattform YouTube können deutsche Fans keine Musikvideos ihrer Lieblingsidole verfolgen. 

1903 von dem Komponisten Richard Strauss mitbegründet, hat es der Apparat mit seinen 1100 Mitarbeitern inzwischen in den Augen vieler zur Inkarnation des rückwärtsgewandten Pfründenverwalters gebracht. Das Mitgliedermagazin "Virtuos" gleicht nicht selten einer Hochglanz-Ahnengalerie. In der März-Ausgabe huldigte das Blatt - neben anderen gereiften Geburtstagskindern - zum Beispiel dem kölschen Gassenhauer-Komponisten Gerhard Jussenhoven ("Darum trinkt Rheinwein, Männer seid schlau, dann seid am Ende auch ihr kornblumenblau"). 

Unstrittig sind lediglich das Anliegen und das Geschäftsprinzip der Traditionsorganisation. Der eingetragene Verein, der vom Staat überwacht wird, hütet als Vereinigung von 65.000 überwiegend deutschen Komponisten, Textautoren und Verlegern etwa 30 Millionen geschützte musikalische Werke: von "Schöne Maid, hast Du heut’ für mich Zeit" über "Flugzeuge im Bauch" bis "Haus am See". Sobald jemand eines dieser Werke nutzt, kassiert die Gema im Namen ihrer Mitglieder dafür eine bestimmte Gebühr. Zahlen muss jeder, egal, ob Radio- oder Fernsehsender, Kneipier, Künstler, Konzertveranstalter, Musikgruppe, Friseur, Großparty-Gastgeber oder Drehorgelspieler. Damit sichert die Gema so manchem Komponisten und Texter den Lebensunterhalt. 

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  • Ich danke dem Handesblatt für diese Aufklärung.
    Die meisten Komponisten wie ich es bin leiden unter der GEMA schon ewig lang.Ich hoffe endlich auf Gerechtigkeit und das der Staat mit der 3 Affen-mentalität nichts hören, nichts sehen, nichts sagen , aufhört.

    MfG
    Detlef Lauster

  • Ich bin immer etwas besorgt, wenn Wirtschaftzeitschriften sich einem kompliziertem und komplexen Thema wie Urheberrechte oder Verwertungsgesellschaften nähern. Zu oft habe ich es erlebt, dass Halb- und Unwahrheiten verbreitet wurden. Das trifft auf diesen Artikel nicht zu. Vollständig ist der Artikel natürlich nicht. Es gäbe noch vieles, dass man beschreiben müsste. Aber er ist sachlich-fachlich fehlerfrei! Dafür danke ich ..

  • @Erika: Na ja...selbst wenn diese Randnotizen einer Korrektur bedürfen bleibt doch die Kritik im Kern immer noch dieselbe. Die Artikel-Überschrift "fragwürdige Methoden" auf die Sie anspielen, beschreibt schließlich das GEMA-System im Ganzen mit seiner fragwürdigen internen Geschäftspolitik, dem 2-Klassen-Modell, und nicht zuletzt der in höchstem Maße unkreativen Bürokratie. Um irgendwann als "zeitgemäß" durchgehen zu können, muss dieses System von Grund auf komplett saniert werden.

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