Nach schwerem Krebsleiden

Schriftsteller Walter Kempowski gestorben

Der Schriftsteller Walter Kempowski ist tot. Er erlag in der Nacht zum Freitag im Alter von 78 Jahren in einem Krankenhaus im niedersächsischen Rotenburg seinem Darmkrebsleiden. Er war unter anderem für sein Mammutwerk „Echolot“ bekannt.
Walter Kempowski während seiner Lesung beim 23. Poetenfest in Erlangen im August 2003. Foto: dpa Quelle: dpa

Walter Kempowski während seiner Lesung beim 23. Poetenfest in Erlangen im August 2003. Foto: dpa

(Foto: dpa)

HB NARTUM. In der Todesstunde gegen 3.00 Uhr sei seine Familie bei ihm gewesen, teilte der Knaus Verlag in München mit. Kempowski zählt mit seinen Werken wie „Tadellöser & Wolff“, „Deutsche Chronik“ und „Echolot“ zu den großen deutschen Schriftstellern der Gegenwart. Bis zuletzt hatte er sich von der schweren Krankheit nicht unterkriegen lassen und weiter an seinem Tagebuch 1991, dem Jahr des Golf-Krieges, geschrieben.

Vor einem Jahr war Kempowski an Darmkrebs operiert worden. Seitdem hatte seine Ehefrau Hildegard ihren Mann, mit dem sie seit 1960 verheiratet war, liebevoll umsorgt und unterstützt. Denn Kempowski hielt trotz seiner schweren Krankheit an seinen Lesungen in seinem Haus in dem niedersächsischen Dorf Nartum bei Bremen fest. „Und wenn es nicht geht, liest meine Frau weiter“, sagte der Autor noch im Frühjahr. Bis zuletzt hatte er ein Mal im Monat zum Literaturnachmittag eingeladen, wegen seiner Krankheit aber nicht mehr selbst gelesen.

Kempowski wurde am 29. April 1929 in Rostock als Sohn eines Reeders geboren. Drei Jahre nach Kriegsende wurde er wegen angeblicher Wirtschaftsspionage verhaftet und saß acht Jahre lang im DDR-Zuchthaus in Bautzen ein. Nach seiner Freilassung studierte er in Göttingen Pädagogik und arbeitete 20 Jahre lang als Dorfschullehrer in Nartum.

„Archiv“ wolle er werden, soll der kleine Walter Kempowski auf die Frage nach seinem Berufswunsch geantwortet haben. Archivar wurde er nicht - sondern eine Art Chronist der deutschen Geschichte. Seine eigene Biografie war Auslöser und Inspirationsquelle für viele seiner Bücher. So ist seine „Deutsche Chronik“ die mehrbändige Familiensaga um die Rostocker Reederfamilie Kempowski. „Tadellöser & Wolff“ (1975) und „Ein Kapitel für sich“ (1979) wurden fürs ZDF verfilmt.

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