Nachlass-Auktion bei Christie's
Margaret Thatcher for Sale

Die eiserne Lady unter dem Hammer: Das Auktionshaus Christie's versteigert Handtaschen, Schmuck und Kleider aus dem Nachlass Margaret Thatchers. Die Stück haben historischen Wert – und sorgen für allerlei Wirbel.

LondonNicht weniger als 18 Handtaschen oder Greifbeutel, jede Menge Kleider. Accessoires und andere „Power Suits“, sogar Manuskripte und Redeentwürfe von Margaret Thatcher werden am Dienstag bei Christie’s in London versteigert. Und wie immer, wenn es um die „Eiserne Lady“ geht, herrscht an Kontroversen kein Mangel. Letztes Kapitel der Thatcher-Saga: Der Streit um die Auktion hat laut der „Daily Mail“ zu einer Entzweiung von Thatchers Zwillingen, Carol und Mark, geführt. Der Kehraus des Thatcher Nachlass', der bis zu einer Million Pfund oder mehr bringen könnte, wird von Tochter Carol veranstaltet, die auch alleinige Nutznießerin des Erlöses ist. Einwände ihres Zwillingsbruders Mark, der sonst eher als der missratene Sohn galt, und nun mit Argumenten der Pietät aufwartete, wurden den Berichten zufolge in den Wind geschlagen. Die beiden Thatcher-Kinder könnten es „nicht ertragen zusammen in einem Zimmer zu sein“.

Als einer der ersten Politiker mit eigenem „Imageberater“ war Thatcher immer eine Modeikone. Ihre Kleider sind von historischem Wert, schon weil es nur wenig in dieser Auktion gibt, das nicht von einem Foto begleitet ist, das seinen historischen Einsatz dokumentiert. Teurer als Thatchers prosaisch-blaues „Heiratskostüm“ von 1951 (10.000 bis 15.000 Pfund) ist beispielsweise der „Panzermantel“, ein sandfarbener Gabardinemantel, den Thatcher 1986 bei einem Besuch von Nato-Truppen in Fallingbostel trug, wo sie gemeinsam mit Helmut Kohl an Schießübungen teilnahm.

Nun soll der Mantel 15.000 bis 20.000 Pfund kosten. Was würde wohl Kohls Mantel bringen, käme der je zum Verkauf? Der „Moskau Coat“, ein pelzbesetzter Mantel, den sie 1987 für einen Besuch bei Michail Gorbatschow in Moskau trug, ist da mit 3000 bis 5000 Pfund billiger eingeschätzt. Aber die Preise könnten steigen: Vor zwei Jahren wurde das Kostüm, das Thatcher bei ihrer Wahl zur Tory-Parteichefin trug, für 25.000 Pfund versteigert.

Thatchers Nachlass wurde nach ihrem Tod 2013 unter den Kindern aufgeteilt und Carol scheint sich vor allem für Kleider, Schmuck und Accessoires interessiert zu haben. Die Kinder hatten auch Gelegenheit, Geschenke von Staatsbesuchen, die im öffentlichen Besitz sind, nach ihrem Tod zum „Sachwert“ zurückzukaufen und hier scheint die geschäftstüchtige Carol eifrig davon Gebrauch gemacht zu haben. So kommt etwa die 66 Zentimeter große Adler-Statue für 5000 bis 6000 Pfund in die Auktion, die Ronald Reagan einst in die Downing Street schicken ließ. Wie die Plakette ausweist, als „Anerkennung für unerschrockene und mutige Unterstützung der Prinzipien der Marktwirtschaft“.

Und erst die Handtaschen! Es ist offensichtlich Thatcher zuzuschreiben, dass das berühmte „OED“ (Oxford English Dictionary), der englische Duden, das Wort „handbagging“ in die englische Sprache aufnahm. Erfinder des Wortes war Julian Critchley, der sagte: „Sie kann keine Institution sehen, ohne sie mit ihrer Handtasche zu schlagen“. Daraus wurde verkürzt das Verb „handbagging“.

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Margaret Thatcher for Sale

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Kostüme wie eine Rüstung

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