Nagel Auktionen
Frühwerk aus dem Verborgenen

Neues Futter für Expressionistensammler: Nagel versteigert ein unbekanntes Frühwerk von Karl Schmidt-Rottluff. Die Design-Offerte lockt mit 25 Entwürfen und Prototypen von Bořek Šipek.
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StuttgartEs gibt Sammler, die halten ihre Schätze lieber im Verborgenen. Zu dieser Kategorie gehörte wohl ein süddeutscher Unternehmer, aus dessen Besitz das Stuttgarter Auktionshaus Nagel nun ein frühes Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff zum Aufruf bringt. 700.000 Euro werden am 4. Dezember 2013 für das unbekannte, im Stil noch an Vincent van Gogh erinnernde Bild „Kantine“ erwartet. Vor fast 40 Jahren in der Galerie Roman Norbert Ketterer erworben, hatte der stille Kunstliebhaber das Bild nie öffentlich gezeigt und publiziert.

Das marktfrische Bild, zu dem eine brandneue Fotoexpertise des Expressionismussammlers Herman Gerlinger aus Würzburg vorliegt, ist laut Katalog kein weißer Fleck im Oeuvre des Expressionisten. Es ist im Archiv der Schmitt-Rottluff-Stiftung dokumentiert. Weitere Vorbesitzer sind eine Stockholmer Sammlung und 1942 der Berliner Buchhändler Kemsys. Wer es vorher besaß, ist ungewiss.

Frau mit aufgelöstem Haar

Insgesamt will Nagel mehr als 800 Lose versteigern. Christian Rohlfs ist mit einer Gouache von 1920 vertreten. 20.000 Euro soll seine warmtonige, rhythmische Komposition „Berglandschaft mit Bäumen“ kosten. Für das farbexplosive, stürmische Aquarell „Bewegte See mit zwei Dampfern“ von Emil Nolde aus den Jahren um 1945 ist ein Einsatz von mindestens 90.000 Euro gefragt. Mit dem Vermerk „I. Probedruck“ und „1. Zustand“ nimmt die Radierung „Dame“ von Otto Dix (1922) eine Sonderstellung im graphischen Werk ein. Das veristische Blatt ist auf 8.000 Euro geschätzt. Bei 12.000 Euro hingegen liegt die Taxe für Schmidt-Rottluffs schroff linearer und doch sinnlicher Holzschnitt „Frau mit aufgelöstem Haar“. Er entstand in der Glanzzeit des Expressionismus.

Mit Werken von Keith Haring und einer Feuergouache von Otto Piene zu Taxen von 12.000 und 7.000 Euro werden die Sammler zeitgenössischer Kunst angesprochen. Zwischen Abstraktion und Figuration bewegt sich das Werk des 2000 verstorbenen Künstlers Walter Stöhrer. 1977 übermalte er acht Exemplare seiner 15-teiligen Graphikfolge „Die- Bewegung – der -Zähne“. Die nun für 50.000 Euro angebotene Mappe ist wahrscheinlich das einzige vollständig erhaltene Exemplar.

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Vater des Neobarock

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