Nagel Auktionen
Guter Saisonauftakt

Wo gute Preise oder gar kräftige Steigerungen erreicht wurden, hat das Ausland mitgemischt: Beim Auktionshaus Nagel dominieren kräftige, ausländische Gebote.
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MünchenDeutsche Auktionshäuser können sich nur mit einem Angebot von internationaler Anziehungskraft behaupten. Das ist die Quintessenz der jüngsten Nagel-Auktion "Kunst & Antiquitäten" am 20./21. Februar 2013. Nur 60 Prozent der 740 Lose fanden Käufer. Wo aber gute Preise oder gar kräftige Steigerungen erreicht wurden, hat das Ausland mitgemischt. Franz Roubauds "Tscherkessenreiter"-Gemälde war mit einem Erlös von 113 000 Euro (inklusive Aufgeld) der teuerste Verkauf der Auktion. Dass das heroische Motiv für mehr als das Doppelte der Taxe einem russischen Sammler zugeschlagen wurde, mag nicht verwundern.

Russlands Kunstliebhaber zeigten jedoch auch bei Einrichtungen Einsatz. Etwa bei den bronzenen Nachbildungen der berühmten Medici- und Borghese-Vasen. Die stattlichen Kratere aus dem 19. Jahrhundert kletterten auf 21 300 Euro. Für 40 000 Euro ging ein Satz von sechs Biedermeierstühlen ebenfalls in Richtung Osten. Nicht zum Zug kam ein Russe im Falle eines Pariser Empire-Tagesbettes; das Möbel ging für 9 300 Euro in die Schweiz.

"Wir führen das starke ausländische Interesse auf die stringente und international attraktive Auswahl unseres Angebots zurück", kommentierte Rudolf Pressler von der Nagel-Geschäftsführung gegenüber dem Handelsblatt die hohe Beteiligung englischer, russischer und US-amerikanischer Bieter. Ein Schweizer Sammler erwarb für mehr als das Sechsfache der Taxe, zu einem allerdings international gängigen Preis von 25 300 Euro Franz von Stucks Bronze "Reitende Amazone". Selektiv wurde das Angebot an gotischen und barocken Skulpturen angenommen. Nur einmal gingen die Zuschläge über den vierstelligen Euro-Bereich hinaus mit nicht ganz 19 000 Euro brutto für eine karge Christus-Figur (Taxe 1 500 Euro) des 16. Jahrhunderts. Für eine Überraschung sorgten die allegorischen Marmorfiguren "Der Tag" und "Die Nacht" nach Modellen Mathurin Moreaus. Gegen Telefonbieter aus England, Russland, Schweden und den USA setzte sich erst bei brutto 82 500 Euro der italienische Handel durch, der seit der Wirtschaftskrise ein seltener Mitbewerber geworden ist.

Aus einer alten italienischen Sammlung stammte eine Suite von elf Altmeister-Gemälden mit einer Gesamttaxe von 380 000 Euro. Mit ihr hatte Nagel wenig Fortune. Das Auktionshaus habe erst im Nachhinein erfahren, dass die Kollektion bereits auf dem italienischen Markt präsent war und sieht darin die Ursache für die Abstinenz. Branchenkenner hingegen beobachten schon seit einiger Zeit, dass nur noch herausragende Werke zu hohen Investitionen reizen und selbst Museumsqualität links liegen bleibt.

Dennoch sieht Nagel den Gesamtumsatz von brutto 2,3 Millionen Euro als guten Saisonauftakt. Möglicherweise erhöht sich der Umsatz um weitere 200 000 Euro, wenn das zweite Gutachten über den vielbeachteten Wiener Empire-Sekretär (HB 22.2.13) erstellt ist. Aufgrund von Zweifeln an der Authentizität war das Möbel nur unter Vorbehalt zugeschlagen.

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