Nagel Auktionen
Versteigerung auf Sparflamme

Die Zurückhaltung deutscher Sammler auf dem Antiquitätenmarkt schlägt sich in den Quoten des Auktionshauses Nagel nieder. Nur etwa die Hälfte der Lose konnte bei der Auktion „Kunst & Antiquitäten“ letzte Woche zugeschlagen werden. Mehr Ware führte zu einem dennoch ordentlichen Gesamtergebnis.
  • 0

StuttgartDie Erwartungen waren hoch, das Angebot ansprechend. Mit einem italienischen Pietra-Dura-Kabinett zum Schätzwert von 110.000 Euro und mit einem Reliquienschrein (Taxe 70.000 Euro) aus der Zeit um 1700 kamen im Auktionshaus Nagel in Stuttgart am 10. und 11. Oktober 2012 zwei Objekte zum Aufruf, die normalerweise Sammlerherzen höher schlagen lassen. Die Ernüchterung folgte in der Auktion. Die zwei Toplose und andere Zugnummern der Möbel- und Kunsthandwerksofferte fanden keine Käufer, ebenso wie die Spitzenlose unter den Gemälden, etwa ein Paar barocke Architektur-Capricci von Michele Marieschi (Taxe 180.000 Euro). Die Versteigerung fand auf Sparflamme statt. 50.000 Euro für ein italienisches Barock-Kabinett aus dem 17. Jahrhundert war der höchste Erlös (inkl. Aufgeld), den Nagel bei seiner Herbstauktion mit mehr als 2000 Losen erzielte. Das reich dekorierte Kleinmöbel, das bei 8.000 Euro aufgerufen wurde, ging in den Schweizer Handel.

„Der deutsche Handel ist momentan extrem vorsichtig und der deutsche Sammler auf dem Gebiet Kunst und Antiquitäten verunsichert und zögerlich“, analysierte Rudolf Pressler von der Nagel-Geschäftsführung das enttäuschende Resultat gegenüber dem Handelsblatt. Nur etwa 50 Prozent der Lose konnten veräußert werden. Die Höchstgebote bewegten sich meist im Bereich der Taxen. Für hochpreisige Zuschläge sorgen vor allem Käufer aus Russland, Frankreich und China.

Asiaten kaufen deutsches Silber

Auch in Deutschland interessieren sich chinesische Sammler  längst nicht mehr nur für ihre eigene Kultur. Für 40.000 Euro ging ein silberner Moskauer Cloisonné-Humpen von 1894 ins Land der aufgehenden Sonne. Und auch deutsches Silber, so eine Schlussfolgerung Rudolf Presslers aus dieser Auktion, scheint bei Sammlern aus dem Fernen Osten momentan höher im Kurs zu stehen als hierzulande.

Was deutsche Sammler in Zeiten drohender Inflation wirklich zu Investitionen anregt, ist nach dieser Auktion nur schwer auszumachen. Seit Jahren sinkt die Preiskurve für Biedermeiermöbel. Doch gerade diesmal war es ein Tisch aus dieser Stil-Epoche, der einen fast hundertprozentigen Satz machte. Mit 6.000 Euro taxiert, wurde der elegante Wiener Tisch mit den drei säbelartig geschwungenen Beinen erst beim Gebot von 11.000 Euro einem deutschen Möbelsammler zugeschlagen. Mit Aufgeld sind das 14.600 Euro, eine Summe, die schon lange nicht mehr für ein Biedermeiermöbel auf einer deutschen Auktion gezahlt wurde. Der gleiche Sammler übrigens überbot mit einem Bruttoeinsatz von 18.500 Euro seinen Mitbewerber auch bei einem gotischen Stollenschrank. Der deutsche Handel engagierte sich bei einer KPM-Vase (Taxe: 20.000 Euro) von 1825 mit umlaufenden Berlin-Panorama. Sie brachte einen Erlös mit Aufgeld von annähernd 44.000 Euro.

Seite 1:

Versteigerung auf Sparflamme

Seite 2:

Russe erwirbt reizvolle Bachantin

Kommentare zu " Nagel Auktionen: Versteigerung auf Sparflamme"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%