Nagel
Chinas unersättliche Kauflust

Der Millionenzuschlag für einen kaiserlichen Tisch war nur ein Traumpreis von vielen. Nagel setzte 20 Millionen Euro mit Asiatika um.
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MünchenDie Kauflust und finanzielle Potenz der Chinesen ist schier unerschöpflich. Im zurückliegenden Halbjahr hat sich das Auktionshaus Nagel in Stuttgart zu einer der starken Plattformen für asiatische Kunst in Europa entwickelt. Mit dem Rekordumsatz von 20 Millionen Euro (inklusive Aufgeld) für chinesische Kunst erzielte Nagel das bislang höchste Resultat einer Asiatika-Spezialauktion in Deutschland. Es übersteigt selbst den Halbjahresumsatz von Sotheby’s Paris, das im selben Zeitraum für asiatische Kunst 18 Millionen Euro bilanziert.

Für Aufsehen sorgte ein reich geschnitzter Tisch der Qianlong-Periode (18. Jh.) aus Zitan-Holz, das der kaiserlichen Familie vorbehalten war und schon deswegen einen goldwerten Provenienznachweis darstellt. Nicht nur, dass chinesische Möbel bislang den siebenstelligen Bereich auf Auktionen kaum erreichten. Die 1,3 Millionen Euro, die ein privater Sammler aus Hongkong investierte, sind zugleich der höchste Preis, der je für ein asiatisches Objekt in einem deutschen Auktionshaus gezahlt wurde.

Dieser schlicht anmutende Tisch und sechs weitere Möbel aus dem Besitz Edmund Dippers, Leibarzt des letzten chinesischen Kaisers Puyi, standen 1950 schon einmal im Auktionshaus Hartmann zum Schätzpreis von jeweils 10 bis 50 Mark zum Verkauf. Nicht ein Teil wurde damals versteigert. Jetzt lag die Taxe bei vorsichtigen 20 000 bis 30 000 Euro. Alle sieben Lose zusammen erzielten jetzt rund 2,6 Millionen Euro. „Das Kaufverhalten der Chinesen ist sehr stark auf Trends ausgerichtet“, kommentiert Michael Trautmann, Asiatika-Experte bei Nagel, die brillanten Ergebnisse der Möbel-Offerte. Seit der Versteigerung der Sammlung Sackler 2009 bei Sotheby’s in New York, zu der Möbel aus kaiserlichem Besitz gehörten, ist die einstige Zurückhaltung auf diesem Sammelgebiet vorüber.

Ein kaiserliches, durch Bronzebänder verbundenes Paar Cloisonné-Vasen aus dem 18. Jahrhundert ließ sich für etwas mehr als 533 000 Euro verkaufen. Diese Email-Arbeit ging in eine Schanghaier Privatsammlung. Jahrzehntelange Geschäftsverbindungen zu Sammlern in ganz Deutschland sind Nagels Quelle für marktfrische Ware mit hervorragender Provenienz. Nagels Strategie hat neben den Dependancen in Peking und Hongkong auch mit schwäbischem Fleiß zu tun. „Unser Erfolg“, so Michael Trautmann, „beruht auch darauf, dass man sich der gesamten Breite des Marktes und allen Preiskategorien öffnet.“

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