Nagel
Weltliche Anmut

Nach mehr als 100 Jahren sind gotische Skulpturen aus der Sammlung Amann wieder auf dem Markt. Sie werden am 5. und 6. Oktober in der 673. Auktion  mit Kunst und Antiquitäten von Nagel in Stuttgart versteigert.
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StuttgartDer heilige Oswald ist eine imposante Erscheinung. Der König  aus dem nordenglischen Raum des 7. Jahrhunderts steht lebensgroß mit langem, gewellten Haar und in ritterlichem Wams da, in seiner linken Hand eine Kugel mit einem keck draufhockenden Raben. Die weltliche Anmut dieser um 1510 entstandenen Skulpturen besticht. Sie ist mit einem Schätzpreis von 18.000 Euro das Toplos eines Konvoluts von gotischen und barocken Skulpturen aus der Sammlung Josef Albert Amann. Der kunstsinnige Gynäkologe und Professor hatte sie um 1900 zusammengetragen, seitdem war die Skulpturensammlung in Familienbesitz verblieben. Dreizehn Skulpturen aus dieser Privatsammlung versteigert das Stuttgarter Auktionshaus  Nagel www.auction.de am 5. und 5. Oktober.

Neue Meisternamen

Nahezu ein Jahrhundert unberührte Sammlungen haben bekanntlich einen ganz besonderen Reiz. Da kommt nicht nur Marktfrisches in den Kunsthandel. Da hat sich auch der Blick auf das eine oder andere Objekt verändert. Amanns Figuren, die zum Teil in einer Fachpublikation von 1914 über süddeutsche gotische Skulpturen abgebildet sind, galten Anfang des 20. Jahrhunderts meist als anonyme Arbeiten. Nach neuestem wissenschaftlichem Stand wird der Heilige Oswald heute dem Memminger Meister Christoph Scheller zugeschrieben. Eine Neuzuschreibung erfuhr auch eine heilige Katharina, die nun dem um 1460/70 in Ulm tätigen Jörg Stein zugeordnet wird und für die man 12.000 Euro erwartet. Umgekehrt wurde die Autorenschaft des Stefan Rottaler für die Figur eines als Ritter dargestellten heiligen Florians revidiert. Die Arbeit gilt heute als niederbayerisch um 1520 und wurde auf 2.500 Euro taxiert. Dass man für den lebensgroßen, mit expressivem Faltenwurf ausgestatteten mitteldeutschen oder fränkischen Heiligen Nikolaus aus der Zeit um 1500 bislang keinen Meister ausmachen konnte, kann seine Attraktivität und künstlerische Qualität jedoch nicht schmälern. Die Taxe liegt bei 15.000 Euro.

Verlockender Orient

Im Bereich Antiquitäten und Gemälde dominiert hingegen Solidität. Internationales Interesse dürfte Tadeusz Ajdukiewicz großformatiges „Beduinenlager in der Wüste bei Abendlicht“ hervorrufen. Der polnische Maler, der 1877 Ägypten und Kleinasien bereiste, gehörte in den 80er- und 90er-Jahren des 19. Jahrhunderts in Wien zu den gefragtesten Künstlern des Kaiserhauses und des österreichischen Kriegsministeriums. Bei Christie’s hat eine „Wüstenkarawane“ von Ajdukiewicz unlängst 157.000 Euro realisiert. Die Experten von Nagel haben die eingelieferte Version wie üblich zurückhaltend auf 25.000 Euro geschätzt.

Vorbesichtigung: 30.09. bis 03.10.2011

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