Nam June Paik
Die Tücken der Technik

Der koreanische Komponist Nam June Paik hat seine Weltkarriere als „Vater der Videokunst“ von Deutschland aus gestartet. Doch auf dem Kunstmarkt figurieren seine Installationen mit Bildschirmen erst seit den späten achtziger Jahren.
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DÜSSELDORF. Nam June Paik war offensichtlich kein guter Geschäftsmann. Sonst hätte er es dem Markt etwas leichter gemacht. Selbst Hans Mayer, einer der Begründer des Kölner Kunstmarkts und der Galerist, der Andy Warhol nach Deutschland gebracht hat, vertritt ihn erst seit 1988. Dabei hatte er Paik schon 1965 kennengelernt. „Ein enger Freund von mir war damals sein erster Sammler“, erinnert sich der Galerist. Der Freund war der Berliner Sammler Dieter Rosenkranz. „Paik hat aber erst ab 1986/87 handelbare Objekte gemacht.“ Vorher sei auch die Technik noch nicht soweit gewesen. So sei es vorher nicht möglich gewesen, Videobänder in Endlosschleife laufen zu lassen. An solchen Kleinigkeiten können Kunstmarkt-Karrieren scheitern. 1990 folgte dann die erste Ausstellung in der Galerie.

Medienkunst ist nicht so teuer

Erstaunlich ist es trotzdem, dass erst 2006 die Auktionszuschläge die 100 000 Euro-Marke überstiegen. Der Sekundärmarkt für Medienkunst ist ohnehin wenig entwickelt, beim Pionier Paik waren die Sammler zudem wegen möglicher Probleme bei Konservierung und Restaurierung verunsichert. Die Angst der Sammler vor dem Material sei allerdings unbegründet, meint Mayer: „Ich kenne etliche Arbeiten, die immer noch Tag und Nacht laufen.“ Genau diese Türme, Pyramiden und roboterförmigen Gebilde sind es auch, für die die höchsten Preise gezahlt werden – oft von den koreanischen Landsleuten Paiks.

Die Auktionszuschläge schwanken stark

Hier gab es einen enormen Schub nach dem Tod des Künstlers. Die besten Ergebnisse werden dabei in Hongkong erzielt. Auch der Auktionsrekord für den Künstler wurde dort aufgestellt. 5 031 500 Hongkong-Dollar inklusive Aufgeld kostete das bizarre Flugzeug aus Monitoren mit dem Titel „Wright Brothers“ von 1995 bei Christie's im November 2007. Andererseits war eine garagentorgroße Collage aus Toastern, Radios und Fernsehern aus dem Jahr 1990 im Juni 2009 bei Sotheby's in London im Day Sale schon für 27 500 Pfund inklusive Aufgeld zu haben.

Man sollte also nicht bedenkenlos alles kaufen sollte. Vor allem Graphiken und Fotos lassen sich nur schwer wieder verkaufen. Bei den Installationen spielen Originalität und optische Gefälligkeit ebenso eine Rolle für die Chancen auf Wertsteigerung wie das Timing.

Top und Flop

Die durchaus attraktive Roboterkellnerin „Miss Rheingold“ (Hinweis an die Ausbucher: sie ist in Hugo print) etwa, die ihm Frühjahr 2007 bei Lempertz als eines der ersten großen Werke nach dem Tod Paiks den damaligen Rekordpreis von 210 000 Euro netto brachte, fiel im Frühjahr dieses Jahres bei K Auctions in Korea mit einer vergleichbaren Taxe durch, wohl nicht nur wegen des Wortspiels mit den Bierdosen der Marke „Rheingold“ auf dem Tablett der Skulptur. Denn in der Zwischenzeit war eine ganze Reihe attraktiver Werke auf den Markt gekommen. Die kleine und auf Anhieb verständliche Editionsskulptur „TV Rodin (Le penseur)“ hatte hingegen mehr Marktglück.

Nach 34 000 Euro netto bei Irene Lehr in Berlin im Frühjahr 2006, wechselte dasselbe Exemplar bei Christie's in London für 55 250 Pfund inklusive Aufgeld dieses Frühjahr den Besitzer. Es ist eine der frühesten Arbeiten mit Monitor. Die Edition entstand 1976 bis 1978 und kommt ohne Videoband aus. Eine Kopie des Denkers von Rodin wird dabei gefilmt, wie er sinnierend auf einen Bildschirm schaut, auf dem seine eigene Aufnahme zu sehen ist.

Wer eine solche Sternstunde augenzwinkernder Medienkunst ergattern will, muss sich allerdings in Geduld üben. „Wenn Sie jetzt versuchen, etwas aufzutreiben, werden Sie feststellen, dass der Markt leergefegt ist“, meint Mayer. Er selbst hat die letzte größere Arbeit vor zwei Jahren auf der Messe in Schanghai verkauft. „Aber wenn Sie etwas suchen, rufen Sie mich an.“

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