Neuanfang nach Drogen- und Spielsucht
Australischer Autor mit Booker-Preis geehrt

Mit dem wichtigsten britischen Literaturpreis, dem Booker-Preis, ist dieses Jahr ein ehemaliger Drogenabhängiger ausgezeichnet worden: der Australier DBC Pierre für sein Buch "Vernon God Little".

HB LONDON. Der bislang kaum bekannte 42-jährige australische Schriftsteller und Karikaturist DBC wurde am Dienstagabend in London für sein Erstlingswerk geehrt.

Pierre, der mit richtigen Namen Peter Finlay heißt, erhielt die mit umgerechnet 72 000 Euro dotierte Auszeichnung für „Vernon God Little“. Mit dem Preisgeld will er seine riesigen Schulden nach neun Jahren Spiel- und Drogensucht tilgen. Das Buch soll unter dem Titel „Jesus von Texas“ Ende Februar 2004 im Aufbau- Verlag erscheinen.

Die Buchstaben DBC stehen unter Anspielung auf Finlays Kampf gegen die Drogensucht für „Dirty But Clean“ (beschmutzt, aber drogenfrei). Freunde hatten dem 1961 in Australien geborenen Schriftsteller den Spitznamen DBC Pierre gegeben, der zu seinem Pseudonym wurde. In dem satirischen Roman beschreibt Pierre am Beispiel eines Schulmassakers in Texas die „Kultur der Gewalt“ in den USA.

Mit dem Buch erzähle er auch über sich selbst, sagte Pierre bei der Verleihung am Dienstagabend in London. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit kommen würde“, sagte Pierre. Er habe seine Jugend vergeudet, Freunde um Geld geprellt und zahllose Frauenherzen gebrochen. Ihm sei keine andere Wahl geblieben, als mit dem Schreiben „alles wieder gut zu machen“.

Der Roman handelt von dem Schüler Vernon Little, dessen Freund Jesus 16 Klassenkameraden bei einem Massaker an einer texanischen Highschool tötet und sich anschließend selbst erschießt. Auf Vernon, Jesus einzigen Freund, konzentrieren sich nun Rachegelüste und die Sensationsgier der Medien.

Die fünf Mitglieder der Booker-Jury betonten, dass bei ihrem Urteil der Roman und nicht die persönliche Entwicklung des Autors im Vordergrund gestanden habe. Die „Times“ kritisierte dagegen am Mittwoch, dass Pierre für die „derbe Sprache seiner dumpfen Satire“ den Preis mitnichten verdient habe.

Pierre war im Alter von zwei Jahren mit seiner Familie nach Mexiko umgezogen. Auf beiden Seiten der Grenze zwischen den USA und Mexiko konnte der junge Mann Immigranten-Schicksale beobachten. Später zog er unter anderem nach New York und London. Mittlerweile lebt er seiner australischen Partnerin in Irland.

Der Booker-Preis wurde in diesem Jahr zum 35. Mal vergeben. Um die Auszeichnung können sich Schriftsteller aus dem Commonwealth und aus Irland bewerben. Seit zwei Jahren wird der Preis von der Börsenmakler-Gesellschaft Man Group gesponsert. Seither heißt er offiziell „Man Booker Prize.“

Vom kommenden Jahr an soll der Kreis der Kandidaten auf amerikanische Autoren ausgeweitet werden. Die Kanadierin Margaret Atwood, die bereits 2001 den Preis erhalten hat, kam in diesem Jahr mit ihrem neuen Buch „Oryx and Crake“ wieder in die Endauswahl.

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