Kultur + Kunstmarkt
Neue Philharmonie Luxemburg soll kulturelles Image fördern

Luxemburg, die Stadt der Banken und europäischen Institutionen, hat kulturell lange den Ruf als Brachland hinnehmen müssen. Doch mehr als je zuvor versucht sich die 80 000-Einwohner- Metropole nun als Kulturstadt zu profilieren. Jüngstes Prestigeobjekt ist ein 78 Mill. € teurer Konzertsaal mitten auf dem mit europäischen Verwaltungsbauten gesäumten Place de l'Europe. Der Europaplatz wird nun mit einem muschelförmigen Neubau aufgelockert - dem der Luxemburger Philharmonie. Hier entsteht ein mit 823 schlanken Stahlsäulen umstellter Rundbau des Pariser Stararchitekten Christian de Portzamparc.

dpa LUXEMBURG. Luxemburg, die Stadt der Banken und europäischen Institutionen, hat kulturell lange den Ruf als Brachland hinnehmen müssen. Doch mehr als je zuvor versucht sich die 80 000-Einwohner- Metropole nun als Kulturstadt zu profilieren. Jüngstes Prestigeobjekt ist ein 78 Mill. € teurer Konzertsaal mitten auf dem mit europäischen Verwaltungsbauten gesäumten Place de l'Europe. Der Europaplatz wird nun mit einem muschelförmigen Neubau aufgelockert - dem der Luxemburger Philharmonie. Hier entsteht ein mit 823 schlanken Stahlsäulen umstellter Rundbau des Pariser Stararchitekten Christian de Portzamparc.

„Luxemburg hat bis zum dritten Jahrtausend gewartet, sich eines der modernsten Konzerthäuser der Welt zu leisten“, sagt der Generaldirektor der Philharmonie, Matthias Naske. Drei Konzertsäle beherbergt das Gebäude, im Innenfoyer umschlingt eine Balustrade den Großen Saal mit 1500 Sitzen. Statt Rängen und Logen stehen in dem Saal links und rechts des Parketts jeweils vier Zuschauer-Türme. Eine Zwischendecke zur besseren Akustik schwebt im Raum, es gibt eine Orgel und eine Filmleinwand. Ein Saal für Kammermusik (300 Plätze) und eine elektro-akustische Halle (120 Plätze) für Experimentalmusik runden das Raumangebot ab.

Trotz vieler kultureller Angebote, die oft ehrenamtlich organisiert werden, fehlte es aus Sicht einiger Kulturexperten bislang an einer professionellen Kultur-Infrastruktur. „Wir verstehen uns als Dienstleistungszentrum, das für alle ansprechbar ist“, betont Naske daher. Neben Klassik wird es Weltmusik, Jazz, Chansons, Filmvorführungen mit Live-Musik und Konzertserien für Kinder geben. Um dies alles zu organisieren, soll das Verwaltungsteam von derzeit acht Leuten auf künftig knapp 30 Angestellte erweitert werden.

Im Großherzogtum, wo das Pro-Kopf-Einkommen höher ist als irgendwo sonst in der Europäischen Union, öffnete bereits im vorigen Jahr das Grand Théâtre als Gastspielhaus für ausländische Produktionen. Und neben der Philharmonie entsteht ein Kunst-Museum des Star-Architekten Ieoh Ming Pei. Es soll nach Bauverzögerungen spätestens 2007 fertig sein, wenn Luxemburg mit Beteiligung seiner Nachbarn im deutschen, französischen und belgischen Grenzraum europäische Kulturhauptstadt sein wird. Das Land besinnt sich inzwischen auf den Standortfaktor Kultur - abseits von vorteilhaften Geldanlagen und Steuern.

„Viele Leute setzen Luxemburg mit einer Sparbüchse gleich“, meinte der neue Kulturminister des Landes, Francois Biltgen, bei seinem Amtsantritt vor kurzem in einem Zeitungsinterview. Das Land habe viel kreatives Potenzial, das es zur Schau stellen müsse. Genau hier will Naske, zuletzt Generalsekretär der Jugendkulturorganisation „Jeunesses Musicales“ in Österreich, ansetzen.

„Wussten Sie, das Luxemburg mit 207 Blasmusikkapellen die größte Fanfarendichte Europas hat?“, fragt er gern. Sie sollen in der Eröffnungssaison 2005 gemeinsam in der Philharmonie aufspielen. Naske plant ein Festival für Neue Musik. Zudem will er in musikalischen Experimenten luxemburgische Künstler mit Weltstars zusammenbringen.

Als Hauptnutzer des Hauses wird das Philharmonische Orchester Luxemburgs unter Leitung von Bramwell Tovey am 26. Juni 2005 das neue Konzerthaus eröffnen: mit der Uraufführung eines Auftragswerks von Krzysztof Penderecki. Für die Zeit danach will Naske die bedeutendsten Orchester der Welt etwa aus New York, London und Cleveland in das Großherzogtum holen. Die Tenöre Thomas Hampson und Thomas Quasthoff seien für die erste Saison bereits engagiert.

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