Neue Polit-Show: Nur öder Politquatsch bei Stefan Raab

Neue Polit-Show
Nur öder Politquatsch bei Stefan Raab

In der neuen Pro Sieben-Sendung „Absolute Mehrheit“ versanden frische Ansätze zwischen unsinnigen Spielregeln, langen Werbepausen und Politiker-Plattitüden. Die meisten Stimmen gewannen zwei Vertreter kleiner Parteien.
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Erst beschwerte sich der Grüne Volker Beck über eine Ausladung, dann sagte Bundesminister Peter Altmaier spektakulär ab, schließlich nannte Bundestagspräsident Norbert Lammert die Sendung gar auf Verdacht "absoluter Unfug" - so viel Vorab-Trubel wie um Stefan Raabs "Absolute Mehrheit" gab es schon lange nicht mehr um eine Polit-Talkshow.

Nach der ersten Ausgabe am späten Sonntagabend lässt sich sagen: Unfug war es wirklich, wenngleich nicht unbedingt aus den Gründen, die Lammert anführte. Das für den „Sieger" der Show unter bestimmten Umständen ausgesetzte Preisgeld von 100.000 Euro spielte in der zähen Sendung kaum eine Rolle. Die Einschaltquoten indes waren hervorragend: 2,23 Millionen Fernsehzuschauer (11,6 Prozent) schalteten ein. Aus der für ProSieben entscheidenden, werberelevanten Zielgruppe waren es 1,28 Millionen (18,3 Prozent). Die ARD und das ZDF lagen zeitgleich jedoch etwas besser: Die ARD-„Tagesthemen“ kamen um 22.45 Uhr auf 3,06 Millionen Zuschauer (14,7 Prozent) und der ZDF-Krimi „Arne Dahl: Böses Blut“ auf 2,94 Millionen (13,8 Prozent). Günther Jauchs Polittalk um 21.45 Uhr verbuchte sogar deutlich mehr Publikum als Raab: 5,54 Millionen Zuschauer (18,9 Prozent) schalteten zum Thema „Was verdient Deutschland? Der Streit um einen gerechten Lohn“ ein - beim jüngeren Publikum betrug der Marktanteil jedoch 8,9 Prozent. Da hatte Raab deutlich die Nase vorn.

Das Konzept des Pro Sieben-Tausendsassas Stefan Raab, der immerhin vor den beiden letzten Bundestagswahlen respektable Polit-Diskussionen geleiet hatte, mixt drei aktuelle TV-Genres: erstens Shows, deren Teilnehmer absurd hohe Summen gewinnen können; zweitens das Prinzip des „Votings", bei dem Zuschauer anrufen, um so den Sieger zu bestimmen (und dem Sender Zusatzeinnahmen zu bescheren - gestern kostete jeder Anruf und jede SMS mindestens 50 Cent). Und drittens den Polittalk, der in den großen Privatsendern bislang kaum auftaucht.
Die neue Raab-Show geht auch auf eine Initiative des ProSiebenSat.1-Beiratsvorsitzenden Edmund Stoiber zurück, jungen Zielgruppen Politik näher zu bringen. Unter fünf Gästen waren also vier Politiker; während sie über drei Themenfelder diskutierten, sollten anrufende Zuschauer einen Sieger bestimmen.

Mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Michael Fuchs, forsch als "Mr. Marktwirtschaft" angekündigt, vertrat ein weniger bekannter CDU-Politiker Umweltminister Altmaier. Für die SPD trat der parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Thomas Oppermannm an, für die FDP der Kieler Haudegen Wolfgang Kubicki, für die Linke einer der stellvertretenden Parteivorsitzenden, Jan von Aken. Fünfter Gast und einzige Frau in der Runde war die Berliner Unternehmerin Verena Delius ("Goodbeans").

Kommentare zu " Neue Polit-Show: Nur öder Politquatsch bei Stefan Raab"

Alle Kommentare
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  • Drei Themen sind zu viel. Dies führte dazu, dass jeder ein kleines, populistisches Statement zum Thema reinschmeißen durfte, ohne eine Auseinandersetzung hierzu befürchten zu müssen.

    Besser:

    EIN Thema, dieses dann nachhaltig auszudiskutieren. Sonst bleibts populistisch und oberflächlich.

  • Er kann Anrufe managen. Das hat er schon beim Song-Contest bewiesen. Aber muss er deshalb gleich nach jedem Statement die Hitliste präsentieren? Die Anrufer hatten ja überhaupt keine Zeit, sich eine Meinung zu bilden!

  • ich bleib bei Bill Maher. Fox News und religiöse Leute bashing ist interessanter!!

    wie sieht das noch mal mit der Trennung von Kirche und Staat in Deutschland aus? Schmeißt endlich die Kirchenvertreter aus Rundfunkräten und dem deutschen Steuersystem raus. Diese Ideologen haben immer noch zuviel "hidden power"!!

  • Solch ein Konzept hätte ich mir aufgrund der Seriosität und der Unabhängigkeit von Werbung (zumindest offiziell) in den Öffentlich Rechtlichen Anstalten gwünscht.
    Raab ansich hat seine Sache, finde ich, recht gut gemacht. Vor allem vor dem Hintergrund das es auch für ihn ein Pilot war.
    Über das Konzept lässt sich trefflich streiten und es gibt genügend für und wieder. Aber die Art und Weise, so politische Themen zu präsentieren, hätte das Potential auch wieder jüngere und politisch uninteressierte Menschen anzusprechen.
    Zudem hat es gezeigt, dass dem Moderator eine bedeutende Aufgabe zukommt und er solch ein politisches Format wirklich besonders und interessant machen kann (ähnlich wie Plasberg zu Beginn von Hart aber Fair).
    Ob es dann genau Raab sein muss weiß ich nicht (wobei er aufgrund seinder Bekanntheit ein enormes Zugpferd sein könnte). Aber gerade wenn ich mir ZDFneo, ZDFkultur oder ähnliche Spartensender ansehe, sehe ich viel Potential an jungen Moderatoren, welche alle vielleicht nur ein größeres Forum bräuchten.

  • Drei Themen auf die Sendezeit sind einfach zu viel, um auch nur annährend Tiefgang zu erzeugen. So blieb es vorwiegend bei den üblichen Plattheiten, die man schon kennt.

    Und wenn man schon "interessierte Bürger" in die Gesprächsrunde einbezieht, sollte man vielleicht jemand einladen, der auch einen Standpunkt bzw. eine Meinung zu einem oder zwei der Themen hat und nicht nur damit glänzt, den Gewinner abzubusserln.

  • Auch wenn der Rahmen der Show keinen Standards entspricht finde ich es sehr fraglich ob es notwendig ist einen so negativ, hetzenden Artikel zu schreiben der nur Hohn und Spott verlauten lässt.

    Das geht auch objektiver.


  • Öde war gestern bei Stefan Raab mal gar nichts, das war erfrischend. Raab stellt einfach die richtigen Fragen und spitzt dadurch die Diskussion zu. Und er bereitet sich sehr gut für die Show vor, was man an seiner Fragestellung sehen konnte. Ausgelutschter bzw.Weichspüler Polittalk aller Will war gestern, nun kommt Stefan Raab. Für mich war das für ihn ein gelungener Einstand im Politgeschäft und er wird seine Politsendung schon noch verfeinern - weiter so Herr Raab.

  • Ich hatte mir mehr davon vorgestellt ,und habe nach 20 Minuten umgeschaltet

  • Als Pilotsendung kann man einiges durchgehen lasse. Anstelle von politfreien Gästen könnte man eine Bühne für Newcomer schaffen, damit die kleinen , unbekannten Parteien auch die Chance geboten wird, aufzutreten und einen Bekanntheitsgrad zu erlangen ( was die Nomenklaturasender ARD/ZDF verwehren ).

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