Neue Wege im Kunsthandel
Alte Kunst im Jungbrunnen

Der Wiener Kunsthändler Anton Hofstätter geht neue Wege, um die alte mit der jungen Kunst zu vermählen. Er lässt zeitgenössische Künstler mit seinem Lagerbestand arbeiten. Den Anfang macht der italienische Wort-Künstler Mauricio Nannucci.
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WienDie Idee ist keineswegs neu: Um die Präsentation alter Kunst aufzupeppen, lädt man zeitgenössische Künstler zu Interventionen ein. Was bisher vor allem in Museen stattfand, adaptierte kürzlich der Wiener Anton Hofstätter auch für den Kunstmarkt. Der Sohn des 2013 verstorbenen Kunsthändlers Reinhold Hofstätter eröffnete vor kurzem einen neuen Raum, Hofstätter Projekte, den er zusätzlich zum nach wie vor bestehenden, von seinem Vater aufgebauten Geschäft betreibt.

Als der 1984 geborene Hofstätter junior seine ersten Gehversuche im Kunsthandel machte, wurde ihm bald bewusst, dass dieser grob in zwei Lager gespalten war: „Es gibt Leute, die alte Kunst lieben; und andere, die Gegenwartskunst lieben. Diese stehen einander skeptisch gegenüber. Nun wollte ich beide Seiten einander näher bringen“, erzählt er in seinem Geschäftslokal. Er engagierte den ehemaligen Chef des Wiener Museums moderner Kunst, Edelbert Köb, um Künstler für seine Idee zu gewinnen. Diese können in der Kunsthandlung und in den unüberschaubaren Lagerbeständen, die Hofstätter senior hinterließ, Objekte auswählen, um sie für ihre Arbeit zu nutzen.

Die erste Ausstellung gestaltete der auf Neon-Schriftobjekte spezialisierte Künstler Maurizio Nannucci aus Florenz. Demnächst folgt der in Wien lebende Klaus Mosettig.

Zum Wegwerfen zu schade

Die Bestände der Sammlung erstrecken sich über sechs Jahrzehnte, vom 14. bis ins 20. Jahrhundert. „Nicht jede Skulptur ist ein Riemenschneider oder ein Pacher“, relativiert Hofstätter jr. freilich: „Zu meinem Vater kamen Händler mit großen Lastwägen, die ihn vor die Wahl stellten: Entweder solle er alles nehmen – oder nichts. Dann kaufte er eben oft den gesamten Inhalt und hatte dementsprechend viel Beifangware.“ Auf einem Bildschirm erscheint ein Foto von Lagerbeständen; darauf sind einige Türen zu sehen: „Was mache ich mit einer Türe ohne Türstock? Das ist keine gotische oder barocke Türe, sie stammt wahrscheinlich aus dem 19. Jahrhundert. Zum Wegschmeißen ist sie zu schade, und vielleicht kann ein Künstler damit etwas anfangen.“

Sophie Tappeiner – sie hat einen MA in „History and Business of Art and Collecting“ und leitet Hofstätter Projekte – setzt nach: „Teilweise dürfen Künstler in die Kunstwerke selbst eingreifen. Das wäre in einem Museum undenkbar.“ So kann es durchaus geschehen, dass ein poröses Stück Holz von einer Rummelplatzfigur eines Tages als Teil einer Skulptur oder einer Installation Auferstehung feiert.

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Alte Kunst im Jungbrunnen

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Es gibt keine „unschuldigen“ Objekte

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