Kultur + Kunstmarkt
Neuer Bregenz-Intendant gut gestartet

Das Konzept des neuen Intendanten der Bregenzer Festspiele, David Pountney, mit einer Mischung aus Kontinuität und Innovation an den Start zu gehen, scheint aufgegangen zu sein.

dpa BREGENZ. Das Konzept des neuen Intendanten der Bregenzer Festspiele, David Pountney, mit einer Mischung aus Kontinuität und Innovation an den Start zu gehen, scheint aufgegangen zu sein.

Wenn am Sonntagabend die letzte Vorstellung der „West Side Story“, über die Seebühne gegangen ist, dürften knapp über 200 000 Gäste Leonhard Bernsteins Sozial- und Liebesdrama gesehen haben. Insgesamt hat das gut vierwöchige Festival in der Vorarlberger Landeshauptstadt am Bodensee rund 226 000 Besucher angelockt.

Die Bernstein-Wiederaufnahme aus dem Vorjahr wurde 28 Mal gespielt - eine Rekordzahl in einer zweiten Saison. Das Musical dürfte mit zusammen 56 Aufführungen als erfolgreichstes „Spiel auf dem See“ in die Festivalgeschichte eingehen. Das Wetter spielte auch in dieser Saison bis auf einen verregneten Abend hervorragend mit.

Der 1947 in Oxford geborene Pountney will die Bregenzer Tradition fortführen, Kultur auf hohem Niveau für ein großes Publikum zu bieten. Doch er machte von Anfang an deutlich, dass er neue Töne anzuschlagen gedenkt. Schon bei der Eröffnungsfeier wehte frischer Wind.

Anstelle des üblichen Pomps machte das Darstellerteam mit Spiel- und Showeinlagen Appetit aufs Programm, das mit 86 Veranstaltungen so umfangreich wie nie zuvor war. In Videoeinspielungen kamen alle Mitwirkenden vom Dirigenten bis zur Putzfrau zu Wort. „Einen offenen Geist“ wünschte sich Pountney auch von den Zuschauern und versprach eine „demokratische Einstellung zu Kunst und Kultur, die alle willkommen heißt und niemanden ausschließt“.

Auch seine Idee, mit dem deutschen Komponisten Kurt Weill erstmals einen Themenschwerpunkt zu setzen, kam beim Publikum gut an. Umjubelt wurde Weills skurrile Operette „Der Kuhhandel“, die Pountney selbst schwungvoll und bissig im stets ausverkauften Kornmarkttheater in Szene setzte. Das oft als seicht und bieder verschriene Genre soll auch künftig fester Programmbestandteil sein. In bester Erinnerung der Besucher dürften auch Weills Einakter „Der Protagonist“ und „Royal Palace“ bleiben, die im Festspielhaus erstmals gemeinsam über die Bühne gingen. Selten gespieltes Musiktheater vor dem Vergessen zu bewahren, das hat auch Pountney sich auf die Fahnen geschrieben.

Auch wenn die Seebühnenaufführungen weiterhin das Herzstück des Festivals bilden, wächst das Gewicht des übrigen Programms. Dazu gehören eine Fülle von Konzerten, Theateraufführungen unter freiem Himmel und avantgardistische Stücke auf der Werkstattbühne. Die zeitgenössische Festivalsparte „Kunst aus der Zeit“, durch die sich der Schwerpunkt Kurt Weill ebenfalls wie ein roter Faden zog, wartete mit einer Rekordzahl von 20 Veranstaltungen auf und war zu 93 % ausgelastet. „Das ist ein Zeichen dafür, dass auch moderne, teils unbequeme Kunst beim Publikum gut ankommt“, sagt Festivalsprecher Axel Renner.

Bregenz-Fans können sich schon auf die nächste Saison freuen. Auf dem See wird Giuseppe Verdis „Der Troubadour“ in der Regie des Kanadiers Robert Carsen zu sehen sein. Das Bühnenbild baut der New Yorker Paul Steinberg. Im Festspielhaus steht die Opernrarität „Maskerade“ des dänischen Komponisten Carl Nielsen (1865-1931) in der Regie Pountneys auf dem Programm.

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