Neuer Eklat
Buchmesse feuert China-Projektleiter

Nach einem neuerlichen Zusammenstoß mit chinesischen Dissidenten hat die Frankfurter Buchmesse am Montag die Zusammenarbeit mit ihrem Projektleiter Peter Ripken beendet. Die Buchmesse begründete den sofort wirksamen Schritt mit „anhaltenden Abstimmungsschwierigkeiten“ beim diesjährigen Ehrengast China.
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HB FRANKFURT/MAIN. Ripken hatte auf dem Abschiedsempfang des Auswärtigen Amtes (AA) am Sonntagnachmittag auf der Messe eine Rede der chinesischen Umweltaktivistin Dai Qing verhindert.

Kurz vor der Veranstaltung habe Ripken ihr gesagt, sie dürfe nicht sprechen, sagte Dai Qing der „Frankfurter Rundschau“ (FR). Ripken sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa, dass das Auswärtige Amt Dai Qing als Rednerin nicht gewünscht habe. „Es (der Empfang) hatte mit China überhaupt nichts zu tun“, verteidigte sich der 67-Jährige, der bei der Buchmesse einen Honorarvertrag hatte. Auch der exil- chinesische Lyriker Bei Ling wollte ursprünglich beim Abschied sprechen, wie er der dpa am Montag bestätigte.

Ripken war bereits vier Wochen vor der Messe in die Kritik geraten, weil er Dai Qing und Bei Ling bei einem China-Symposium in Frankfurt unter dem Druck chinesischer Offizieller ausgeladen hatte. Beide durften dann nach heftiger öffentlicher Kritik doch teilnehmen. Sie wurden dann auch von der Buchmesse zur Messe selbst eingeladen.

Beim Abschiedsempfang habe sie sich bei der Buchmesse bedanken wollen, „dass sie die Plattform dafür geboten hat, dass sich offizielle und inoffizielle Stimmen aus China zur Wort melden konnten“, sagte Dai Qing der „FR“. Dass sie bei der Veranstaltung reden dürfe, sei ihr von den Organisatoren bereits im September in Aussicht gestellt worden. Dai Qing gehört zu den schärfsten Kritikern des Drei-Schluchten-Staudamms in China.

Das Auswärtige Amt habe als Gastgeber „ausdrücklich“ gewünscht, dass es keine Veranstaltung zu China werde, sagte Ripken. „Ich wollte auch nicht“, räumte er ein. Der Schriftsteller Bei Ling sagte, sowohl Ripken als auch eine andere Vertreterin der Buchmesse hätten ihm gesagt, dass das Auswärtige Amt (AA) gegen den Auftritt der beiden Kritiker sei. „Ich würde gerne den Grund dafür wissen“, verlangte der in den USA lebende Lyriker. Vermutlich habe das AA mit Rücksicht auf den Ehrengast gehandelt. Ursprünglich sollte Bei Ling nach seinen Worten auf Vorschlag Ripkens beim Abschiedsempfang Gedichte lesen.

Das Internationale Zentrum wird gemeinsam vom Auswärtigen Amt und der Buchmesse organisiert. Während der fünftägigen Messe war es dort auch um das Thema Meinungsfreiheit im China gegangen. Beim Abschiedsempfang sprach ein Vertreter des Auswärtigen Amtes sowie eine Verlegerin aus Indien. Die Buchmesse wollte am Montag keine weitere Stellungnahme abgeben.

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