Neuer Thriller von T. C. Boyle
Enttäuscht ist die Hoffnung

Bestsellerautor T. C. Boyle weiß, was er seinen Fans schuldig ist. Zuverlässig liefert er Buch um Buch im Zwei-Jahres-Takt, zuletzt sogar schneller. Das gibt Anlass zu zwei Bemerkungen. Erstens: Der suchtgefährdete Fan konsumiert die Droge und ist unabhängig von der Qualität des Stoffs high. Zweitens: Der nicht ganz so eingefleischte Fan ist enttäuscht oder ärgert sich.

DÜSSELDORF. Tatsächlich ist der Anspruch an Bestsellerautoren, sie könnten von Story zu Story zulegen, zweifelhaft. Und dennoch: Boyle dürfte die Erwartungshaltungen selten so enttäuscht haben wie mit seinem soeben auf Deutsch erschienenen Buch "Talk Talk".

Die Geschichte ist simpel. Cops verwechseln die gehörlose Dana Halter bei einer Verkehrskontrolle mit einem Straftäter. Anstatt ein Bußgeld zu bekommen, wandert sie in den Bau. Zwar klärt sich der Irrtum auf. Doch die entwürdigende Ungerechtigkeit will sie nicht auf sich sitzen lassen. Mit ihrem Freund Bridger, einem Hörenden, nimmt sie die Verfolgung jenes Mannes auf, der sich via Kreditkarten ihrer Identität bedient und so Menschen und Institutionen schädigt.

Betrüger Peck Wilson wiederum ist ein typischer Emporkömmling. Er hält sich für unwiderstehlich und ist doch auf Statussymbole wie dicke Autos und lasziv-naive Weibchen angewiesen, um sein klitzekleines Ego aufzumöbeln. Neureich bis in die Haarspitzen, zerfließt er in Selbstmitleid und fühlt sich von seiner Umwelt ausgenutzt. Warum Boyle ihn als "sympathischen Bösewicht" bezeichnet, bleibt sein Geheimnis.

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