Neues Album „3121“
Prince lädt musikalisch in seine Villa ein

Treu geblieben sind sich nur wenige der Pop-Ikonen der achtziger Jahre – Prince gehört zu dieser Kategorie: Regelmäßig wechselt er seine Muse und lässt sich dadurch zu einem neuen Album inspirieren. Am Freitag erscheint „3121“ – der neueste Longplayer des kurzgewachsenen Musikers aus Minneapolis.

HB HAMBURG. Wer die Veröffentlichungen eines Künstlers zählt, will seine Bedeutung und seine Beständigkeit messen. Bei Prince, der zahlreiche Instrumente beherrscht und auch auf „3121“ wieder viele Parts persönlich eingespielt hat, ist das eigentlich überflüssig. Für die Statistik: Der mit bürgerlichem Namen Roger Nelson heißende Musiker kann auf mehr als 20 Alben zurückblicken. Verkauft hat er Schätzungen zufolge mehr als 100 Millionen Platten und CDs. Zu den wichtigsten gehören „Purple Rain“, „1999“, „Around The World In A Day“, „Sign „O' The Times“ und „Graffiti Bridge“.

Und nun noch ein Album: „3121“ – was soll das heißen? Gar nichts, es handelt sich um die Hausnummer der Prince-Villa in Beverly Hills. Und dorthin lädt der Pate des Funkpop seine Hörer ein, symbolisch mit dem Einsteiger „3121“. Eine Zeile daraus lautet: „Drink champagne from a glass with chocolate handles“. So ist auch die Musik – spritzig und manchmal süß. Letzteres gilt für die bereits veröffentlichte Single, das beschwingte „Te Amo Corazón“. Aber der vor 20 Jahren als Genie gefeierte Prince vergisst auch das Tanzen nicht. „This groove will make you sweat“, verspricht er im lupenreinen Funkstück „Black Sweat“.

Auf „3121“ heißt Princes Muse Tamar. Ihre Stimme ist in fünf Stücken zu hören. Prince hat aber auch ein Herz für ältere Favoritinnen: Sheila E. hat schon in den achtziger Jahren für ihn getrommelt – in „Get On The Boat“ kommt sie an den Percussions zum Einsatz. Prince-Fans dürften beim Hören des neuen Album auch beim Saxofon ein Déjà vu haben - Candy Dulfer und Maceo Parker sind alte Bekannte in den Paisley Park Studios.

Davon zu sprechen, dass Prince mit „3121“ zurückkehrt, wird ihm nicht gerecht. Schon das letzte Album „Musicology“ und die anschließende US-Tour waren ein großer Erfolg. Spätestens da hatte Prince zu seiner Kernkompetenz, der Musik, zurückgefunden. Zuvor gab es einen jahrelangen Streit mit der Plattenfirma.

In diesem Zusammenhang wechselte Prince zwischenzeitlich seinen Künstlernamen und trat als „The Artist Formerly Known As Prince“, kurz „TAFKAP“ oder als „Symbol“ in Erscheinung. Um seinen Vertrag zu erfüllen, lieferte er in den neunziger Jahren - gelinde gesagt – auch Mittelmaß ab. Doch die Querelen scheinen vergessen. Das Album „3121“ wirkt wieder konzentrierter, zielt direkter auf den Bauch seiner Hörer und lässt die Glieder rhythmisch zucken.

„Love“ spiegelt die klassische Prince-Schule wieder und gibt den Bässen reichlich Arbeit. In „Fury“ kreischen die Gitarren, als hätte Jimmy Hendrix persönlich noch einmal sein Wah-Wah ausgepackt. Und beim Rausschmeißer „The Dance“ greift Prince noch mal ganz melancholisch in die Tasten. So ist der Albumtitel „3121“ vielleicht doch nicht nur eine launische Wahl. Er könnte auch die Rückkehr zu den Wurzeln andeuten: Die 82er LP „1999“ lädt im gleichnamigen Titelsong schließlich auch zur Party ein.

Aber so ganz treu geblieben ist sich Prince dann doch wieder nicht: In den achtziger Jahren war sein Glamour noch stilvoll oder einfach nur zeitgemäß. Die Fotos seines Anwesens in Los Angeles, die jetzt das CD-Booklet zu „3121“ schmücken, zeigen jedoch eine Architektur zwischen Disney-Land und Hardrock-Hotel. Dieser Hang zum Kitsch ist dann aber auch das einzige, was Prince mit Michael Jackson gemeinsam hat.

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