Neues Buch von Sarrazin
Warum Europa den Euro nicht braucht

Ein Provokateur bleibt sich treu: Thilo Sarrazin legt nach seinem umstrittenen Buch über Migranten nach - und nimmt den Euro ins Visier. Sein Verlag reibt sich die Hände, Sarrazin ist wieder für einen Bestseller gut.
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DüsseldorfDas Timing könnte nicht besser sein. Die Krise in Griechenland spitzt sich zu, Szenarien von Euro-Austritten machen die Runde, und die Bundesbank schürt unbeabsichtigt die Angst vor der Inflation. Die Gegner der Merkel'schen Rettungspolitik formieren sich. Und nun bekommen sie eine Verstärkung, die sich als entscheidend erweisen könnte: Thilo Sarrazin, der erfolgreichste Provokateur dieses Jahrzehnts, kehrt mit einem Buch über die Fehler der Währungsunion in das Zentrum der öffentlichen Debatte zurück. "Europa braucht den Euro nicht", heißt es und spricht damit zumindest einer großen Minderheit der Deutschen aus der Seele.

Anders als beim Thema Migration, bei dem sich Sarrazin mit seinem Mega-Bestseller "Deutschland schafft sich ab" von 2010 auf angelesenes Wissen und zweifelhafte Statistiken stützte und auf Erzählungen seiner Frau, einer ehemaligen Berliner Lehrerin, berief, ist der ehemalige Bundesbank-Vorstand beim Thema Euro auf seit Jahrzehnten vertrautem Terrain unterwegs. Schließlich hat der in Bonn promovierte Ökonom 1989/90 für den damaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel und seinen Staatssekretär Horst Köhler, den späteren Bundespräsidenten, die deutsch-deutsche Währungsunion vorbereitet, war Finanzsenator in Berlin und saß eineinhalb Jahre lang im Vorstand der Bundesbank.

Sarrazin hat sogar schon einmal ein Buch über den Euro geschrieben. 1997 war das, und es trug den ergebnisoffenen Titel "Der Euro. Chance oder Abenteuer?". Glaubt man den damaligen Rezensionen, so kam es zu einer positiven Prognose für den Euro. Es warnte sogar vor einer allzu strikten Auslegung der Konvergenzkriterien, wie die "FAZ" damals bemängelte.
Doch damals für den Euro gewesen zu sein muss ja nicht heißen, dass man heute nicht dagegen sein darf. Schließlich hat auch Hans-Olaf Henkel in den neunziger Jahren als BDI-Präsident vehement für die Gemeinschaftswährung geworben, die er heute lieber jetzt als morgen in einen Nord- und einen Süd-Euro zerlegen würde.

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Warum Europa den Euro nicht braucht

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Verlag hofft auf Sarrazin-Effekt

Kommentare zu " Neues Buch von Sarrazin: Warum Europa den Euro nicht braucht"

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  • Sarazin hat recht mit der genetischen Veranlagungen. Bei Peer Steinbrück kommt es sichtbar zum Vorschein, das besondere etwas von einem Mitbegründer der Deutschen Bank. Urgroßonkel war Adelbert Delbrück Mitbegründer der Deutschen Bank. Die Sturmabteilung die Steinbrück mitbrachte, ein Bild von Jusos herrlich vor dem Jauch Gaskessel, es könnte von 1934 sein, es muss nur noch auf Arbeiter geschossen werden.

    Und ein bekannter Politiker den ich verachte, schrieb aber richtig.
    „Die schlimmsten Hemmungen liegen aber innerhalb der einzelnen Staaten selbst. Die bisherige Erfahrung zeigt jedenfalls, daß die größten Wirtschaftskonferenzen einfach darum gescheitert sind, daß die einzelnen Staaten ihre Binnenwirtschaft nicht in Ordnung halten konnten. Oder daß sie durch Währungsmanipulationen die Unsicherheit in den internationalen Kapitalmarkt trugen, und vor allem die Bewertung der Währungen untereinander fortgesetzten Schwankungen unterwarfen. Ebenso ist es eine unerträgliche Belastung wirtschaftlicher Beziehungen, wenn es in Ländern möglich ist, aus irgendwelchen ideologischen Gründen über andere Völker und ihre Waren eine wilde Boykotthetze loszulassen und diese damit praktisch vom Markte auszuschließen“.

    Es ist Zeit nach 1000 Jahren etwas zu ändern.

  • Herrlich!

    Wenn der Thilo Sarrazin mit der ungeschönten Wahrheit kommt, wird es immer lustig!

    Zeigt doch wieder einmal die Hysterie unter den Politikern, dass Thilo Sarrazin ins Wespennest gestochen hat, und wieder einen Volltreffer gelandet hat!

    Am liebsten würden die politischen Hirne im Land den Thilo Sarrazin unter Hausarrest stellen …
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    Politiker kritisieren Auftritt des Ex-Bundesbankvorstands bei Günther Jauch „Mit Sarrazin sollte sich niemand mehr in eine Talkshow setzen“

    Seine Anti-Euro-Haltung diskutiert der Ex-Bundesbankvorstand heute Abend (Sonntag 20.5.2012) in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“ mit dem ehemaligen Finanzminister und möglichen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.

    Die grüne Bundestagsfraktionschefin Renate Künast urteilt: „Nationalistischer Unsinn von Sarrazin passt nicht zum Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders.“

    Und FDP-Generalsekretär Patrick Döring beklagt: „Sarrazin verknüpft die Frage der historischen Verantwortung Deutschlands unzulässig mit der aktuellen währungspolitischen Debatte. Das hat im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen.“

    Der grüne Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin stört sich weniger am TV-Auftritt als an der SPD-Mitgliedschaft Sarrazins und fordert die Sozialdemokratie indirekt auf, ihn auszuschließen: „Man kann den Holocaust leugnen oder ihn wie Thilo Sarrazin zur Verbreitung antieuropäischer Rechtspopulismen instrumentalisieren. Beides ist gleich unerträglich. Man wundert sich nur, dass Sarrazin mit dieser offen rechten Ideologie immer noch in der SPD sein kann.“

    Unbeeindruckt von der Kritik zeigte sich Günther Jauch gestern gegenüber BILD am SONNTAG.

    http://www.bild.de/politik/inland/politiker-deutschland/mit-sarrazin-sollte-sich-niemand-mehr-in-eine-talkshow-setzen-24227970.bild.html
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    Bravo Herr Sarrazin!

  • Die Argumente gegen die Thesen des Herrn Sarrazin sind stets unsachlich, ideologisch und diffamierend.

    Kommen da bitte auch einmal sachliche Argumente?
    Oder bleibt es dabei, dass sich bezahlte Diffamierer und Partei-Gänger "empören" und "entsetzen"?

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