Neues Theaterstück
Neuer Botho Strauß in München uraufgeführt

Das ewig Weibliche, die Frau vom Dummchen bis zur Karrierefrau, dazu der Mann, mal Macho, mal verklemmt - und beide, wie sie einfach nicht zusammenfinden: Dieses unverwüstliche Thema wählte Botho Strauß für sein neues Stück „Leichtes Spiel“, das am Donnerstagabend am Bayerischen Staatsschauspiel in München eine viel beklatschte Uraufführung feierte.

HB MÜNCHEN. Regisseur Dieter Dorn erweckt den Text, der zunächst wie eine Aneinanderreihung von zusammenhanglosen Szenen erscheint, mit seinen hochkarätigen Schauspielern zum Leben. „Neun Personen einer Frau“, so der Untertitel, zeigt in lockerer Folge über dreieinhalb Stunden Episoden aus dem Leben von neun Frauen - oder wahrscheinlich ein und derselben. Denn Frauen sind ja bekanntlich mal so, mal so und mal so.

Sie heißen Kathie, Kattrin, Kathinka, Kätchen, Kitty und Käthe - alles Ableitungen des Namens Katharina. In den Szenen treffen die durchweg blonden und mit Fortschreiten des Stücks alternden Katharinen auf Männer. Assoziativ, surreal und nicht ohne Witz sind die ideenreich inszenierten Zusammenkünfte. Das junge Blondchen verführt den älteren Mann, der eigentlich ihre Mutter besucht. Die aufstrebende Expertin für Prothesentechnologie versucht vergeblich, den „umständlichen“ verklemmten Kollegen aus der Reserve zu locken. Die erfolgreiche Künstlerin lässt den geldgierigen Gigolo abblitzen, um ihm dann doch auf den Leim zu gehen, die exaltierte 50-Jährige gängelt ihren geduldigen Ehemann.

In einer Art Kaleidoskop weiblicher Identitäten - das Bild wählte auch Dorn - wirft Botho Strauß als scharfsinniger Beobachter Schlaglichter auf Persönlichkeiten von Frauen und ihre Beziehungen, ein stetes Suchen, Werben und Sich-Verfehlen. Die Katharinen und die Männer nähern sich an, umschwirren einander - und reden aneinander vorbei. „Antworten einer Puppe“, kommentiert der ältere Mann die Aussagen von Katja, Frau aus Szene zwei. Und Katja mahnt - ganz aus weiblicher Warte - an: „Erzähl das noch mal mit dem Herzen.“ Orientierungslosigkeit, Entwurzelung und ein scheinbar hoffnungsloses Beziehungswirrwarr sind für Strauß auch in seinem neuen Stück Thema.

Zweimal treten alle Neune zusammen auf: Am Anfang ganz in Rot, dann noch einmal in Weiß - Schneeweißchen und Rosenrot. „Ich kann doch nicht mit allen auf einmal schlafen“, ruft der Mann, verzweifelt angesichts der vielen Frauen in weißen Morgenmänteln, die alle zugleich seine geliebte Katharina sind. Und im Chor der Neun schallt es vorwurfsvoll zurück: „Du magst nicht alles an mir?“

Dorn gilt als einer der profiliertesten Strauß-Interpreten. Er hat mit „Neun Personen einer Frau“ bereits das zehnte Stück des Berliner Dramatikers binnen 30 Jahren auf die Bühne gebracht, es ist die fünfte Uraufführung. Wie in den meisten Stücken schuf Jürgen Rose Bühne und Kostüme, er sorgt mit klaren Linien und Reduktion auf Wesentliches für ausdrucksstarke und eindrückliche Bilder. Besonderen Applaus erhielt die Musik von Claus Reichstaller.

Viele der Darsteller standen schon in Dorns Strauß-Stücken auf der Bühne, ein eingespieltes Team. Wie in der allerersten Dorn- Inszenierung von Botho Strauß 1979 spielt Cornelia Froboess mit. Sie ist es auch, die „Leichtes Spiel“ mit einer opulenten Lebensbilanz - Memoiren in acht Bänden - zum Finale bringt. Als „spätes Mädchen“ blickt sie zurück aus der Perspektive des Alters, das „kein Zurück“ kennt - und in dem das Ding mit den Beziehungen doch ungelöst bleibt. „Die Sache zwischen Mann und Frau, ich, für meine Verhältnisse, steh da wieder ganz am Anfang“, sagt das nicht mehr junge Mädchen, verkörpert von einer nicht mehr jungen und dennoch ungeheuer geschmeidig gebliebenen Froboess. „Irgendetwas hatte ich noch vor in dieser Sache. Nichts Spezielles, aber ein Tüpfchen obendrauf, das fehlte noch, mir.“ Etwas fehlt am Ende, das stimmt schon. Man kramt herum, was ist es nur - der Geist, der all das nun zusammenführt, eben: das Tüpfchen obendrauf.

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