Neumeister
Chinas Abstrakte überraschen

Gehaltvolle Einlieferungen machen Neumeisters Moderneauktion spannend. Mit dabei sind Blätter von Emil Nolde, Hannah Höch und eine Sammlung chinesischer Künstler aus den 80er-Jahren.
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MünchenMit einem spannenden Angebot wartet das Auktionshaus Neumeister in München am 26. Mai auf. Aus dem Nachlass eines deutschen Sammlers stammen 19 Werke chinesischer Kunst aus den 1980er-Jahren (Taxen ab 1 200) - eine absolute Seltenheit auf dem deutschen Kunstmarkt.

Der Sammler, der Mandarin sprach und oft in China war, setzte sich intensiv mit dieser wichtigen Zeit für die chinesische Kunst auseinander. Das, was heute als "Contemporary Chinese Art" für heftige Bietgefechte bei den Auktionen sorgt, wäre ohne die Künstler der 80er-Jahre nicht denkbar.

Das Highlight ist ein fast quadratisches Gemälde von Sun Liang, der China 1993 auf der Biennale vertrat. Sein "Albtraum 1" von 1987 entfaltet ein surreales Szenario von Gewalt, Tod und Angst. 130.000 bis 150.000 Euro werden für die kraftvolle Arbeit erwartet. Long Liyou, der heute an der Pekinger Akademie Professor ist, zeigt 1989 Melkerinnen bei der Arbeit. Obwohl das Motiv sehr konservativ ist, zeigt die Umsetzung Anklänge an die westliche Pop-Art (20.000 bis 25.000).

Unter den 53 Losen der "Ausgewählten Werke" findet sich ein außergewöhnliches Aquarell der Dadaistin Hannah Höch. In strahlenden Farbtönen hält die Berlinerin 1921 Eindrücke ihrer Romreise fest: In sich ruhende Priester stehen neben mediterranen Palmen, antiken Säulen und in helles Sonnenlicht getauchte Häuserlandschaften. Höch hatte die Fotocollage 1918 mit ihrem Lebensgefährten Raoul Hausman erfunden. Hier hat sie die Schnitt- und Splitter-Technik in das Medium Zeichnung übertragen. Für das große Blatt werden 125.000 bis 150.000 Euro erwartet.

Gut bestückt ist die Expressionistenofferte. Seit mehr als 50 Jahren befand sich Kirchners Aquarell "Wildboden mit Kirchners Haus" von 1925 in Privatbesitz. Einst gehörte es Kirchners Davoser Arzt und Mäzen Dr. Frédéric Bauer, bevor es über das Stuttgarter Kunstkabinett in die Familie des Vorbesitzers gelangte. Kräftige Grün- und Blautöne, gehalten von schwarzen Kreideumrissen definieren das vitale, farbfrische Blatt, das Kirchners Faszination von der Natur widerspiegelt (130.000 bis 150.000 Euro).
Von Emil Nolde stammt ein Aquarell von 1930, das eine Gewitterstimmung über der Marschlandschaft mit Bauernhof zeigt. Trotz der fast schwarzen Wolken reißt der Himmel wieder hell auf, ein intensives Naturschauspiel in sattem Kolorit (125.000 bis 150.000 Euro).

Neumeister offeriert eine nächtliche Stadtansicht von 1917, die Topp in seine kubistischen Formen zersplittert. Das kleine Ölbild des Expressionisten, dessen Werk größtenteils zerstört ist, ist kein Neuling auf dem Markt. Es wurde laut Artnet am 17. Oktober 2009 bei Nagel in Stuttgart für 30.000 Euro Zuschlag verkauft (Taxe damals 10 000 Euro). Nun werden 45.000 bis 48.000 Euro dafür erwartet.

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