Neumeister
Glück für einen buckligen Kater

Die Jubiläumsauktion von Neumeister brachte ordentliche Ergebnisse für die deutschen Expressionisten. Sie zeigte aber auch, dass für marktbekannte Werke die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Zurückhaltend aufgenommen wurde das umfangreiche Skulpturenangebot.
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MünchenDas Toplos der Auktion, eine frühe, herbstliche Parklandschaft von Wassily Kandinsky wurde für 160.000 Euro (ohne Aufschlag) einem süddeutschen Sammler zugeschlagen (Taxe 160.000 – 180.000 Euro). Der Preis bestätigt zwar die Stabilität des Marktes. Doch er zeigt auch, dass für marktbekannte Werke oder Arbeiten, die nicht aus den bedeutendsten Werkperioden stammen, die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Denn bei Ketterer Kunst, München, blieb das Ölgemälde im Dezember 2009 zum Schätzpreis von 190.000 bis 220.000 Euro unverkauft. Neun Monate zuvor erzielte es laut Datenbank Artnet bei Christie’s in London rund 138.000 Euro inklusive Aufgeld.

Ein ausdauernder Telefonbieter ersteigerte Hermann Max Pechsteins Aquarell „Häuser und Schloss am See“ von 1925 für 65.000 Euro. Die Taxe lag bei 45.000 bis 50.000 Euro. Erfolgreich schloss auch Erich Heckels Landschaftsaquarell St. André von 1950 ab. Ein US-Bieter bot 17.000 Euro und erwarb das Bild damit knapp über der unteren Taxe. Die „Feuerlilien“ von Christian Rohlfs übersprangen die obere Taxe von 25.000 Euro und kletterten auf 28.000 Euro.

Knapp 60 Prozent der Lose aus dem Hauptkatalog wurden zugeschlagen. Dazu gehörte auch das Angebot an Design und angewandter Kunst. Unter den Rückgängen waren eine typischen Badeszenen von Leo Putz, die auf 100.000 bis 120.000 Euro geschätzt worden war und eine Landschaftsszene seines Künstlerkollegen Edward Cucuel. Auch Picassos frühe Zeichnung eines stehenden Aktes von 1905 blieb für geschätzte 75.000 bis 80.000 Euro unverkauft.

Buckliger Kater auf Erfolgskurs

Bei der ambitionierten Jubiläums-Sonderauktion „Shape“, die eine breit gefächerte Auswahl an Skulpturen und Plastiken vom Jugendstil bis heute offerierte, agierten die Sammler zurückhaltend. Nur rund 55 Prozent der angebotenen Lose wurden verkauft. Vielfach erreichten die Gebote nicht das Limit. Die Lose wurden unter Vorbehalt zugeschlagen, darunter auch einige der teuren Werke internationaler Künstler. Dazu zählte etwa Jannis Kounellis' "Denkmal für den tapferen Bürger" von 1971 (90.000 bis 100.000). Zu Sol LeWitts, „Complex Forms No. 19“ werden gerade abschließende Verkaufsverhandlungen geführt (90.000 bis 120.000 Euro).

Günther Ueckers kleines quadratisches „Feld“ von 2005 spielte 33.000 Euro ein und blieb damit im unteren Rahmen der Taxe. Taxgerechte Zuschläge gab es für Armans Assemblage „Barbeque“ von 1970, die 8.000 Euro brachte, und für Wilhelm Mundts „Trashstone“, der 7.000 Euro einspielte. Mehr Glück hatte eine Figur des viel älteren Tierbildhauers August Gaul (1869-1921). 13.000 Euro wurden für seinen „Buckligen Kater“ bewilligt, der auf 7.000 bis 8.000 Euro geschätzt worden war.

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