Neumeister Sammler mit langem Atem

Bieter mit Kampfgeist prägen die Herbstauktion für Klassische Moderne bei Neumeister. Top-Los wird Per Kirkebys Bildserie aus der Siemens-Zentrale. Großen Erfolg hat das Münchener Auktionshaus auch mit dem regional gefeierten Malerstar Johann Georg Müller.
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Per Kirkeby (1938 Kopenhagen - lebt in Kopenhagen, Frankfurt a.M. und Arnasco/Italien) Ohne Titel. 1997, Folge von zehn Gemälden, Öl auf Leinwand, Jeweils 160 x 100 cm, Alle verso signiert, datiert und nummeriert. Rahmen. Provenienz: Siemens Sammlung, München, Neumeister 2012, Schätzwert: 280000 bis 320000 Euro Quelle: Christian Mitko für Neumeister

Per Kirkeby (1938 Kopenhagen - lebt in Kopenhagen, Frankfurt a.M. und Arnasco/Italien) Ohne Titel. 1997, Folge von zehn Gemälden, Öl auf Leinwand, Jeweils 160 x 100 cm, Alle verso signiert, datiert und nummeriert. Rahmen. Provenienz: Siemens Sammlung, München, Neumeister 2012, Schätzwert: 280000 bis 320000 Euro

(Foto: Christian Mitko für Neumeister)

MünchenMit marktfrischen Werken der klassischen Moderne und einigen Zeitgenossen absolvierte Neumeister am 14.11.2012 eine gelungene Herbstauktion mit einigen heiß umkämpften Losen. Ein deutscher Sammler bot mit langem Atem in einem spannenden Bietgefecht gegen zwei Museen den höchsten Zuschlag der Auktion und bewilligte 530.000 Euro (ohne Aufgeld) für eine Folge von zehn Landschaftsgemälden des Dänen Per Kirkeby. Zu den nachfolgend genannten Hammerpreisen kommen noch das Aufgeld von 22 Prozent zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer und in vielen Fällen noch die Folgerechtsumlage von 1,2 Prozent.

Sieben Meter Pink

Geschätzt wurde die Bild-Folge auf attraktive 280.000 bis 320.000 Euro. Sie stammt aus der Sammlung von Siemens, die in München eine neue Konzernzentrale bauen und keinen Platz mehr für die intensiven, sehr poetischen 1,60 x 1 m großen Werke Kirkebys haben. Ebenfalls von Siemens eingeliefert wurde Rupprecht Geigers über sieben Meter langes Gemälde „ 845/91 (Pink moduliert)“. Ein Saalbieter sicherte sich die in leuchtendem Neon-Pink bemalte Leinwand für 75.000 Euro knapp oberhalb der unteren Taxe.

Das Phänomen Johann Georg Müller

Johann Georg Müller (1913-1986): Von Picasso inspirierte Liegende. (Ausschnitt) Quelle: Neumeister 2012

Johann Georg Müller (1913-1986): Von Picasso inspirierte Liegende. (Ausschnitt)

(Foto: Neumeister 2012)

Die Privatsammler, die sehr engagiert boten, wählten kenntnisreich. Eine helle Meditation von Alexej von Jawlensky aus dem Jahr 1936 wurde für 70.000 Euro zugeschlagen. Ihr Schätzpreis lag bei 30.000 bis 40.000 Euro. Außergewöhnliches fand mühelos neue Besitzer so wie Rainer Fettings Tondo „N.Y. star night“ von 1992. Das Bild, das die Skyline New Yorks mit den Twin Towers bei Nacht zeigt, wurde bei 15.500 weitergegeben (Taxe: 10.000 bis 15.000 Euro).  Mit Leichtigkeit absetzen ließ sich auch Paul Jenkins Gemälde „Phenomena Blue Ascription“ aus den sechziger Jahren. Für das Bild des Amerikaners bewilligte ein Telefonbieter 13.000 Euro, weit mehr als geschätzt wurde (6.000 bis 8.000 Euro).

Ein Phänomen sind die Preise, die für den Pfälzer Künstler Johann Georg Müller bezahlt werden. Neumeister konnte in der Vergangenheit immer wieder sensationelle Preise für den regional gefeierten Malerstar erzielen. Eine von Picasso inspirierte liegende Frau in kräftigem Kolorit kletterte mühelos über die 100.000 Euro-Grenze und wurde für 105.000 Euro einem Telefonbieter zugeschlagen. Die Taxe lag bei 30.000 bis 40.000 Euro.

Uwe Lausens "Schreihals"

Willi Baumeisters Leinwandgemälde „Im Gespräch“ von 1942, auf dem geheimnisvolle Formen wie magische Zeichen stehen, sicherte sich ebenfalls ein Bieter am Telefon zur oberen Schätzung von 100.000 Euro. Uwe Lausens Großformat „Das Stille Glück der Natur (Der Schreihals)“ weckt Assoziationen an Bacon. 70.000 Euro bewilligte ein Saalbieter für das wichtige Werk, das auf 75.000 bis 80.000 Euro geschätzt war. Ein „Hartmannsberger“ Bild von Leo Putz, das zwei nackte Frauen am Ufer zeigt, verdoppelte die Taxe mühelos und spielte 46.000 Euro ein, fast das Doppelte der oberen Taxe.

Insgesamt wurden drei Lose im sechsstelligen Bereich verkauft. Der Nachverkauf scheint verheißungsvoll, gilt es noch Gebote wie auf die kühl realistische Landschaft von Albert Birkle, die für 90.000 Euro unter Vorbehalt verkauft wurde, aufzulösen. Zu hoch gegriffen erscheint die Taxe von 100.000 bis 150.000 Euro für das frühe „Vier Herzen am Abend“ von Konrad Klapheck. Das 1961 gemalte Werk wurde ebenfalls unter Vorbehalt mit 70.000 Euro zugeschlagen.

Skulpturen-Offerte verfehlt ihr Ziel

Schnell durchgeführt war die Sonderauktion „Shape“ mit 25 skulpturalen Werken des 20. und 21. Jahrhunderts. In vielen Fällen erreichten die Gebote die Limite nicht und müssen nachverhandelt werden, darunter die Bronzen von Gerhard Marcks und Jonathan Meese. Eine gerollte Pappelholzskulptur des Holzmagiers Rudolf Wachter, der im vergangenen Jahr verstarb, kam auf 6.000 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 Euro).

Die im Internet veröffentlichte Ergebnisliste am Tag nach der Auktion führt 26 feste Zuschläge für die 47 ausgewählten Werke im ersten Katalogteil auf. Geschäftsinhaberin und Auktionatorin Katrin Stoll hebt die hohe Bereitschaft der Kunden hervor, in Sachwerte zu investieren und gute Preise zu zahlen. „Ungebremst ist die Nachfrage nach hoher Qualität“, sagt Stoll. Das gilt nicht nur für alteingesessene Sammler, sondern auch für viele neue Kunden.

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