New Yorker Herbstauktionen
Contemporary Art zeigt Spitzenwerke

New York wird zum Jagdrevier für Sammler rarer Spitzenwerke. Die Auktionshäuser der US-Metropole wetteifern derzeit mit einem Großaufgebot. Neue Rekordpreise dürften da nicht lange auf sich warten lassen.
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New YorkSteht man bei Christie's vor Warhols Großformat "Statue of Liberty" von 1962, sieht man eine leicht unscharfe, 24-fache Wiederholung einer Postkartenansicht der New Yorker Freiheitsstatue in Kadmiumrot und Grün. Setzt man aber die dazugehörende Farbfilterbrille auf, springt es auf einmal räumlich von der Wand. Nur kurz hatte Andy Warhol in der kleinen Serie "Optical Paintings" mit dem 3-D-Effekt experimentiert. Den nutzten damals Filmproduzenten, um Zuschauer vom Fernsehen zurück ins Kino zu holen. Warhols "Statue of Liberty", mit illustrem Vorbesitz des deutschen Unternehmers und Großsammlers Erich Marx und der Schweizer Daros Collection, steht am 14. November in Christie's Galaauktion von Zeitgenossen zum Verkauf. Der amerikanische Einlieferer hatte sie vor zwei Jahren hier diskret im Privatverkauf erworben und möchte nun 30 bis 40 Millionen Dollar einstreichen.

Warhols uramerikanische Ikone ist in der Auktionswoche vom 13. bis 15. November in bester Gesellschaft. Die Kataloge sind zum Bersten mit Rarem und Teurem gefüllt, 21 Werke sollen an den drei Abenden je über 10 Millionen Dollar einspielen, für vier werden sogar je um 30 Millionen Dollar anvisiert. Einerseits ist das starke Angebot den hervorragenden Mai-Ergebnissen zu verdanken, aber mancher fürchtet auch eine Erhöhung der Kapitalzuwachssteuer. Da durchforsteten aktive Sammler wie Hedge-Fonds-Manager Steve Cohen, Fernsehproduzent Douglas S. Cramer, Immobilienentwickler und Kaufhauserbe Sidney Kohl aus Palm Beach, der New Yorker Geschäftsmann Donald Bryant jr. oder der kalifornische Finanzier George Roberts gerne ihre Bestände.

Es gibt von allem etwas, aber Klassiker der amerikanischen Kunstrichtung des abstrakten Expressionismus der 1950er und 60er, allen voran Mark Rothko und die erst kürzlich ins Blickfeld geratenen Clyfford Still und Franz Kline, setzen die Spitzenpreise. Und natürlich frühe Pop-Art. Der globale Warhol-Markt für Werke aus seiner frühen Periode von 1962 bis 1964 sei weiterhin heiß, darauf setzen Experten. "Er kann sich auf eine sehr starke amerikanische Basis verlassen, geht aber auch gut in Asien, dem Mittleren Osten und vielen Wachstumsmärkten", weiß Brett Gorvy, Christie's Chairman Post-War and Contemporary Art.

Christie's bietet auch "Marlon" Brando (1966) als Rocker auf dem Motorrad an, ein Filmstill aus "The Wild One". Der Inbegriff von Coolness auf ungrundierter brauner Leinwand hing zehn Jahre lang im Wohnzimmer des New Yorker Unternehmers Donald L. Bryant jr. und wurde 2003 zu 5 Millionen Dollar ersteigert. Nun werden mindestens 15 Millionen Dollar erwartet. Bei Sotheby's warten am Abend des 13. allein neun Warhol-Werke. Hier führt der 56-mal vervielfältigte blauäugige blonde "Troy" (1962, Taxe 15 bis 20 Millionen Dollar) im roten Pullover. Noch vor Marilyn und Liz hatte sich Warhol in den Schauspieler und Teenagerschwarm der 50er- und 60er- Jahre, Troy Donahue, verguckt.

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