New Yorker Institution
Der tiefe Fall der Galerie Knoedler

Die Galerie Knoedler schrieb seit Jahren keine schwarzen Zahlen mehr, ein Fälschungsskandal besiegelte das Schicksal der einst wichtigsten Galerie Amerika. Das Misstrauen hält auch bei dem Verkauf des Archivs weiter an.
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New YorkAls Michael Hammer, Besitzer von Knoedler & Company, im letzten Jahr die 165 Jahre alte Galerie schloss, war die Kunstwelt schockiert. Zwar war Knoedler bereits seit einiger Zeit in der Verlustzone, aber zusätzliche Probleme bereitete dem Haus die Klage des Hedge-Fonds-Managers Pierre Lagrange, dass man ihm für 17 Millionen Dollar ein angeblich gefälschtes Pollock-Bild verkauft habe. Wie im deutschen Fall Beltracchi stützte sich Lagrange auf ein naturwissenschaftliches Gutachten, das nachwies, dass die verwendete Farbe erst nach dem Tod Pollocks auf den Markt gekommen sein soll.

Auch wenn Hammer den Fälschungsskandal als ausschlaggebenden Grund der Schließung seiner Galerie bestreitet, einigte er sich im Oktober mit Pierre Lagrange in einem außergerichtlichen Vergleich - über die Einzelheiten haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Ähnliche Klagen von zwei weiteren Kunden um Werke von Rothko und Motherwell sind immer noch anhängig, und weiterhin ermittelt das FBI.

Die Galerie ist nun geschlossen, der prächtige Geschäftssitz auf der 70. Straße verkauft. Diskret werden seitdem aus einem schmucklosen Lagerhaus im äußersten Westen Manhattans die Vermögenswerte liquidiert. Verhältnismäßig schnell ließ sich die umfangreiche, im Laufe von 165 Jahren zusammengetragene Bibliothek der Galerie verkaufen. Gerald Peters Gallery (New York/Santa Fe) zahlte angeblich eine Viertelmillion Dollar für die etwa 50.000 bis 60.000 Bände zur Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Auf zwei Sattelschleppern wurden die kostbaren Bände nach Santa Fe in New Mexico gebracht.

Wesentlich schwieriger gestaltete sich jedoch die Unterbringung des etwa die Ladung von drei Schiffscontainern umfassenden Archivs der Galerie, das Inventarverzeichnisse, Fotos, Schriftverkehr mit Künstlern und wichtigen Sammlern enthält. Die Korrespondenzen mit Größen wie Andrew Mellon, Henry Clay Frick oder Sterling Clark dokumentieren nicht nur eindrucksvoll den steilen Aufstieg einer Firma, die Kunstmarktgeschichte schrieb. Sie sind vielmehr selbst ein Stück Kunstgeschichte.

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Der Fälschungsskandal hat sich festgesetzt

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