Newton hat sich immer als Auftragsfotograf verstanden
"Newton hat der Frau eine ganz neue Rolle zugeschrieben"

Das Handelsblatt Weekend Journal im Gespräch mit Matthias Harder (39), Fotohistoriker und Kurator der Newton-Stiftung.

Was ist so faszinierend an Helmut Newtons Fotografien?

Newton hat in den 70er Jahren die Modefotografie revolutioniert. Mit immer neuen radikalen Bildentwürfen schockierte er die Bildredakteure und Betrachter, faszinierte sie aber auch. Die Bildsprache heutiger Fotografen wie Jürgen Teller oder Terry Richardson ist auch an Helmut Newton geschult. Ohne ihn wäre die Visualisierung von Mode und weiblichem Körper eine ganz andere.

Ihm wurde dafür immer wieder KZ-Ästhetik vorgeworfen ...

Ich persönlich verstehe diesen Vorwurf überhaupt nicht. Newton hat ja schon früh die Lektüre von Marquis de Sade und der Marquise von O als sexuelle Obsessionen visualisiert, das hat aber überhaupt nichts mit "KZ-Ästhetik" zu tun. Und mit seinen Big Nudes hat Newton der Frau eine ganz neue Rolle zugeschrieben, Newtons Nackte sind starke, sinnliche und selbstbewusste Frauen, hinter denen er sich als Fotograf sogar ein wenig versteckt hat.

Newton selbst hat immer betont: Ich bin kein Kunstfotograf. Nun schafft er sich ein eigenes Museum.

Seine Fotografie ist einerseits als Gebrauchsfotografie zu verstehen, in einem erweiterten Fotografieverständnis aber auch als Kunst. Je älter die Dinge werden, desto wertvoller werden sie in der Regel, das gilt gelegentlich auch für das Medium Fotografie. Und je stärker Newton als Klassiker wahrgenommen wird, desto mehr werden seine Arbeiten als Kunst wahrgenommen.

Hat er damit kokettiert, kein Künstler zu sein?

Möglicherweise. Er hat sich immer als Auftragsfotograf verstanden, aber nebenbei entstanden auch freie Projekte so wie sie in der Ausstellung "Sex and Landscapes" aufblitzen. Außerdem, denke ich, ändert sich die Selbsteinschätzung wenn die Wertschätzung von außen steigt.

Fotografie wurde ja lange nicht als Kunst betrachtet.

Ja, im Grunde genommen wird die Fotografie erst in den letzten 15 Jahren als zu museumswürdiges Medium wahrgenommen. Früher waren Fotos im Kontext von Journalismus oder Mode vor allem Verbrauchsmaterial für Zeitschriften. Inzwischen haben auch diese Prints, nicht zuletzt durch die Entwicklung auf dem Kunstmarkt, endlich eine neue Bewertung erfahren.

Das Interview führten Susanne Grieshaber und Kerstin Schneider

Das neue Helmut-Newton-Museum in einem ehemaligen Offizierscasino hinter dem Bahnhof Zoo zeigt ab 5. Juni vor allem zwei Fotozyklen des Fotografen. "Sex und Landscapes" und die Serie, die Newton gemeinsam mit seiner Frau June gestaltet hat, "Us And Them". Die Berliner Newton-Stiftung umfasst 1000 Fotos, die künftig in weiteren Präsentationen des Museums gezeigt werden sollen.

Helmut und June Newton Foundation, Jebenstraße 2, 10623 Berlin-Charlottenburg

Tel.: 030/20905566, www.smb-spk-berlin.de

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