Nichtraucherschutzgesetz
Blauer Dunst und zündende Ideen

Not macht erfinderisch: Ab Juli müssen alle Wirte qualmende Gäste in einen Extra-Raum schicken, vor die Tür verbannen oder einen Club gründen. Wie sich Kneipiers gegen das Rauchverbot wehren.

HAMBURG. So sieht sie also aus, die Welt der Sehnsüchte: pinkfarbene Wände, roter Tresen, lila Barhocker. Tine Wittler, die als Einrichtungsexpertin durch die RTL-Serie "Einsatz in vier Wänden" bekanntwurde, will es gemütlich haben in ihrer Kneipe, der "Parallelwelt".

Wenn Psychologen von solchen Welten sprechen, reden sie über Menschen, die zur Realitätsflucht neigen. Die sich auf eine Fantasiereise begeben, um Sehnsüchte auszuleben und unerträgliche Realitäten zu verdrängen. Als sich Tine Wittler bei der Eröffnung vor vier Jahren für diesen Namen entschied, hatte sie etwas Simples im Sinn: Ihre Kneipe sollte eine Welt sein, in der man dem Alltag entkommen kann, in der man sich bei Bier und Wein amüsieren kann.

Heute scheint das nebensächlich zu sein, heute kommen die meisten Gäste, weil sie einer unerträglichen Realität entkommen wollen: dem Nichtraucherschutzgesetz. Die "Parallelwelt" ist ein Raucher-Verein mit knapp 2 000 Mitgliedern, Tendenz steigend.

Tine Wittler hat sich einen geschickten Winkelzug ausgedacht, um das Rauchverbot zu umgehen. Andere Kneipenbetreiber suchen noch nach Lösungen. Das Gesetz, das in vielen Bundesländern bereits seit dem 1. Januar 2008 in Kraft ist, gilt von morgen an in ganz Deutschland. Dann verbieten Nordrhein-Westfalen und Thüringen als Schlusslichter den Bürgern das Rauchen in Kneipen, die keine getrennten Raucher- und Nichtraucher-Bereiche haben.

Was zum Gesundheitsschutz für Nichtraucher ersonnen wurde, hat sich in den vergangenen Monaten zum Glaubenskampf unter Gastronomen, Medizinern, Politikern, Rauchern und Nichtrauchern entwickelt. Darf der Gesetzgeber Wirten vorschreiben, welche Gäste sie empfangen dürfen? Weil gerade Betreiber kleiner Pinten, die keinen Extra-Raum für Zigarettenfreunde haben, unter dem Verbot leiden, liegt der Fall beim Bundesverfassungsgericht. In den nächsten Wochen wird eine Entscheidung erwartet.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) spricht von Umsatzeinbußen in Höhe von 20 Prozent bei kleinen Bars und Kneipen. Mindestens 60 000 der 250 000 Gaststätten in Deutschland verfügen nur über einen einzigen Raum.

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