Kultur + Kunstmarkt
Nike Wagner: Kunstfest Weimar soll Traditionen spürbar machen

Das Kunstfest Weimar wagt nach 15 Jahren einen Neuanfang. „Ich will weg von Event-Kultur, hin zu einem anspruchsvollen Festival, das Traditionen spürbar macht“, sagte Kunstfest-Intendantin Nike Wagner in einem dpa-Gespräch.

dpa WEIMAR. Das Kunstfest Weimar wagt nach 15 Jahren einen Neuanfang. „Ich will weg von Event-Kultur, hin zu einem anspruchsvollen Festival, das Traditionen spürbar macht“, sagte Kunstfest-Intendantin Nike Wagner in einem dpa-Gespräch.

Die Urenkelin Richard Wagners setzt dabei auch auf große Namen - wie auf den ihres Ururgroßvaters Franz Liszt, der Weimar nach der Goethe- Zeit zu neuem Glanz verhelfen wollte. „Weimar als Musikstadt zu präsentieren, stieß nicht überall auf offene Ohren.“ In Anlehnung an einen Klavierzyklus von Liszt wählte die 59 Jahre alte Literaturwissenschaftlerin als neuen Namen des am 20. August beginnenden Sommerfestes „Pèlerinage“ (auf Wanderschaft). Für das diesjährige Leitthema „Heimweh“ stand ebenfalls ihr Vorfahre Pate.

Die Stadt der deutschen Klassik ist für Nike Wagner sowohl Konfrontation mit der eigenen Geschichte, als auch deutsche Geschichte. „Ich finde es maßlos interessant hier“, sagte sie. In dieser kleinen Stadt komme vieles zusammen: Schiller und Goethe, Liszt, das Bauhaus, das KZ Buchenwald, die DDR. „Weimar muss seinem Kulturanspruch, den es mitschleift aus Vergangenheit und unserem Anspruch der Geschichte, standhalten und nicht unterlaufen durch Populärkultur“, sagte Wagner.

Sie wolle mit ihren Angeboten auch Gewohntes aufbrechen oder in Frage stellen, Kontroversen und Widerspruch erzeugen. „Zu den Tabuthemen in Weimar gehören Aristokratie und Sozialismus. So einfach ist es nicht, über Heimweh nach der Ex-DDR zu reden“, sagte die Kunstfestchefin. „Auf Unverständnis und Granit stößt bei vielen Weimarern das Salongespräch mit Prinz Michael von Sachsen-Weimar und anderen Adligen, die alle ihre Güter verloren haben. Sie sollen keine Stimme haben“, sagt Nike Wagner. Dabei sei Weimar ohne die Aristokraten ebenso undenkbar wie ohne Goethe oder 40 Jahre DDR.

„Ich war nie Festivalveranstalter, da gibt es tausend Fallen", bekannte die Tochter Wieland Wagners, die in Bayreuth aufgewachsen ist. Seit Beginn ihrer Arbeit im Frühjahr 2003 habe sie aber viele Ideen umsetzen können. „Um überregional auszustrahlen, brauchen wir Geld und Zugpferde“, beschrieb Nike Wagner ihr größtes Problem. „Man kommt nicht nach Weimar, um Jugendtheater zu sehen.“ Große Namen aber seien teuer. Sie setze auf mehr Verständnis bei den Geldgebern - Bund, Land Thüringen und Stadt Weimar - und auf Sponsoren.

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