Nobelpreis 2008
Literatur-Nobelpreis geht nach Frankreich

Der französische Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio erhält den diesjährigen Nobelpreis für Literatur. Der vielfach ausgezeichnete Autor gilt seit seinem Debüt im Jahr 1963 als einer der profiliertesten Vertreter der französischen Gegenwartsliteratur.

HB STOCKHOLM. Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an den französischen Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio. Die Schwedische Akademie der Wissenschaften würdigte den 68-Jährigen am Donnerstag als „Verfasser des Aufbruchs, des poetischen Abenteuers und der sinnlichen Ektase“. Le Clézio erforsche in seinen Werken eine „Menschlichkeit außerhalb und unterhalb der herrschenden Zivilisation“.

Le Clézio gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen französischen Schriftsteller und hat mehr als dreißig Bücher veröffentlicht, darunter Erzählungen, Romane, Essays, Novellen und zwei Übersetzungen indischer Mythologie. Einen seiner größten Erfolge erzielte er 1980 mit dem Roman „Désert“ (in Deutschland 1989 unter dem Titel „Wüste“ erschienen).

Das Werk „enthält großartige Bilder einer verlorenen Kultur in der nordafrikanischen Wüste, die im Gegensatz stehen zu einer Schilderung Europas aus der Sicht unterwünschter Einwanderer“, erklärte die Schwedische Akademie in Stockholm. Für den Roman wurde Le Clézio von der Französischen Akademie ausgezeichnet.

Schon früh habe sich der Autor als „ökologisch orientierter Verfasser“ präsentiert, erklärte die Jury weiter. Dies hätten seine Romane „Terra amata“ (1967), „Le livre des fuites“ (1969) „La guerre“ (1970) und „Les géants“ (1973) akzentuiert.

Le Clézio wurde am 13. April 1940 als Sohn einer Französin und eines britischen Mediziners in Nizza geboren. Mehrere Jahre seiner Kindheit verbrachte er in Nigeria, wo sein Vater als Arzt tätig war. Nach dem Studium der Philosophie und Literatur übernahm er Lehrertätigkeiten an Universitäten in Thailand und Mexiko und arbeitete als Lektor in Großbritannien und Frankreich. Schon bald widmete er sich jedoch ausschließlich dem eigenen Schreiben.

Zu seinen jüngsten Werken gehört der im vergangenen Jahr veröffentlichte Roman „Ballaciner“, der Schwedischen Akademie der Wissenschaft zufolge „ein tief persönlicher Essay über die Geschichte der Filmkunst und die Bedeutung des Films“ in Le Clézios Leben. Ein neues Werk, „Rotournelle de la faim“, erscheint in den nächsten Tagen. Le Clézio hat außerdem mehrere Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht. Mit seiner zweiten Frau lebt er abwechselnd in Frankreich und Neumexiko.

Le Clezio ist seit 1985 der erste französische Literatur-Nobelpreisträger. Im vergangenen Jahr ging der mit zehn Mio. Kronen (1,02 Mio. Euro) dotierte Nobelpreis an die britische Autorin Doris Lessing. Verliehen wird der Preis traditionell am 10. Dezember, dem Todestag Nobels.

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