Nobelpreis
Porträt: Harold Pinter

Das wohl größte Geschenk bekam der britische Dramatiker Harold Pinter drei Tage nach seinem 75. Geburtstag: den Literatur-Nobelpreis. Künstlerisch ist es um Pinter inzwischen stiller geworden. Doch politisch hat er sich in den vergangenen Jahren immer wieder zu Wort gemeldet. Denn trotz seines Alters und seiner Krebserkrankung hat der linksliberale Autor, Theaterregisseur und Schauspieler seinen Kampfgeist nicht verloren, was ihm schon zu seinem 70. Geburtstag in Großbritannien die Bezeichnung "zorniger alter Mann" einbrachte.

HB LONDON. So attackierte er die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush und des britischen Premiers Tony Blair, den er als "Kriegsverbrecher" bezeichnete. Außerdem protestierte gegen die NATO-Bombardierung Serbiens, für die Rechte der Kurden, gegen Folter und Todesstrafe. Der Autor reflektiert in seinen Bühnenwerken den alltägliche Menschen, ihre Sprache und Gefühle.

So erzählte er in seinem häufig gespielten Stück "Betrayal/Betrogen" (1978) in einfachen Dialogen über eine - seine eigene längere - Eheaffäre. Kurz zuvor war seine 1956 geschlossene erste Ehe mit der Schauspielerin Vivien Merchant in die Brüche gegangen. Die Scheidung wurde 1980 offiziell. Im gleichen Jahr heiratete er die Historikerin Lady Antonia Fraser und zählt seitdem zur britischen "High Society".

Am Anfang der Karriere Pinters, der als Sohn eines jüdischen Schneiders aus kleinen Verhältnissen im Londoner East End kam, stand der Einakter "Das Zimmer" (1957). Er spielt in einem ärmlichen Wohnzimmer eines Arbeiterehepaares. Weltruhm erlangte er Anfang der 60er Jahre mit "Der Hausmeister". Es folgten rund drei Jahrzehnte, in denen der Autor sein Publikum immer wieder mit verstörenden Werken irritierte, aber zugleich für große Theaterabende sorgte.

In Deutschland wurde auch seine Groteske "Moonlight" (1993) mit Erfolg inszeniert. Mehrfach klagte Pinter über Schreibblockaden. Doch er überwand sie, unter anderem mit dem Schreiben von Drehbüchern und als aktiver Schauspieler. Nach 29 Bühnenstücken erklärte er seinen Rückzug als Theaterautor. Zu seinem Geburtstag am Montag präsentierte der Schriftsteller in der BBC jedoch sein neues Hörspiel "Voices". Eine Arbeit, die ihn viel Energie gekostet hat: "Ich bin erschöpft, ich bin am Ende meiner Kräfte", sagte er dazu der Zeitung "The Independent".

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