Nobelpreisträger Mo Yan
Ein großer chinesischer Geschichtenerzähler

Der Literaturnobelpreisträger Mo Yan ist ein chinesischer Erfolgsautor. Er beschreibt das Schicksal einfacher Menschen. Mit seinem Werk passt Mo Yan schwerlich in politische Klischees.
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PekingMo Yan ist einer der erfolgreichsten chinesischen Schriftsteller der Gegenwart. Sein Name ist ein Pseudonym und lässt sich mit „Schweigen“ oder „Ohne Worte“ übersetzen - für einen Autor ungewöhnlich, doch schwingt für Chinesen dabei das Gefühl mit, dass so jemand in die Tiefe geht: Ein Schriftsteller eben, der Geschichten erzählt und dem Leser aufgibt, die hintergründige Bedeutung selber herauszufinden. „Schweigen ist Gold“ (chen mo shi jin), sagt der Volksmund auch in China.

Mo Yan ist tatsächlich ein großer Geschichtenerzähler - inspiriert von den wilden Erzählungen der Bauern einst in seinem Heimatdorf Gaomi in der Provinz Shandong in Ostchina. Das arme Dorf mit seinen besonderen Charakteren und das harte Schicksal der Menschen bestimmen bis heute sein literarisches Werk, auch wenn Mo Yan seit mehr als zwei Jahrzehnten in Peking lebt. Viele seiner Romane beschreiben das Leben und Leid einfacher Menschen in solchen Orten wie Gaomi.

Mo Yan ist der erste chinesische Literatur-Nobelpreisträger, der in China lebt und arbeitet. Gao Xingjian, der erste Chinese, der 2000 die Frankreich zugeordnete Auszeichnung erhielt, lebt in Paris und schreibt heute auch auf Französisch. Anders als der immer wieder als Kandidat gehandelte Bei Dao, der sich in seinen Exil-Jahren in den USA kritisch mit dem chinesischen Regime auseinandersetzte, ist Mo Yan ein in China etablierter Schriftsteller. Er musste sich mehrfach gegen den Vorwurf wehren, nicht genug Distanz zum System zu wahren.

Am 17. Februar 1955 als Bauernsohn geboren, ist Mo Yan in Armut und der Zeit des Klassenkampfes aufgewachsen. Er konnte nur fünf Jahre zur Schule gehen, musste auf dem Feld und in der Fabrik arbeiten. Mit 20 Jahren trat er der Volksbefreiungsarmee bei. Er arbeitete als Bibliothekar und begann sein schriftstellerisches Werk. Der Fundamentalismus und das Chaos der Kulturrevolution (1966-76) prägten Mo Yan wie viele seiner Generation.

Im Westen bekannt wurde Mo Yan durch sein Buch „Rotes Kornfeld“ (1987): Die Verfilmung durch den berühmten Regisseur Zhang Yimou erhielt 1988 auf der Berlinale den Goldenen Bären. Mit Fantasie und Satire umging Mo Yan immer wieder die engen Grenzen der Zensur. Sein Buch „Die Knoblauchrevolte“ galt 1989 nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung als zu heikel, um verkauft zu werden. Berühmt ist auch sein Buch „Die Schnapsstadt“ (1993).

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„Große Brüste und breite Hüften“ von Sittenwächtern bemängelt

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