Nuhr-Diskussion
„Satire über radikale Islamisten ist viel zu harmlos“

Dieter Nuhr wurde wegen islamkritischer Gags angezeigt. Einer seiner Ex-Autoren, Dirk Roß, findet: Das Kabarett sollte den Islam genauso kritisieren wie die katholische Kirche. Von seinen Kollegen fordert Roß mehr Mut.
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DüsseldorfComedy-Autor Dirk Roß fordert nach der Anzeige gegen den Comedian Dieter Nuhr wegen angeblicher Islamhetze mehr Kritik an radikalen Islamisten in Kabarett und Comedy. „Ich denke tatsächlich, wenn man den gleichen Maßstab anlegt, den das Kabarett an die Katholische Kirche hält, dann ist eigentlich alles, was man über radikale Islamisten sagt und bisher von (den wenigen) Kabarettisten dazu gehört hat, noch viel zu harmlos“, sagte der freie Autor dem Handelsblatt.

So, wie man nicht alle gläubigen Katholiken angreife, wenn man die Katholische Kirche als Institution kritisiere, so müsse man das auch entsprechend der vielen Strömungen im Islam differenzieren, sagte der Autor.

Roß hat mit Nuhr zusammengearbeitet und schreibt derzeit für den Comedian Kaya Yanar. Für die Passagen in Nuhrs Programm, für die Nuhr von einem Muslim aus Osnabrück angezeigt wurde, zeichnet Roß, der auch schon als Kolumnist für das Handelsblatt geschrieben hat, allerdings nicht verantwortlich.

Der Osnabrücker Erhan Toka wirft Nuhr Beschimpfung von Religionsgemeinschaften vor. Der Comedian hatte den Vorwurf zurückgewiesen und zugleich den Großteil seiner Kollegen beschuldigt, sich nicht kritisch mit dem Islam auseinanderzusetzen. „Die ziehen dann halt den Schwanz ein. Sonst wäre man ja ,islamophob'“, sagte Nuhr der „Welt am Sonntag“. Angst habe er nicht. „Ich beleidige ja auch weder die Religion noch den Propheten“, sagte Nuhr.

Auch wenn Roß sich ebenfalls mehr Kritik an radikalen Islamisten wünscht, so hat er auf der anderen Seite auch Verständnis für die Haltung der meisten Comedians und Kabarettisten. Viele, wie etwa sein derzeitiger „Chef“ Kaya Yanar, für den Roß bei „Geht´s noch?! – Kayas Woche“ schreibt, umschifften das Thema.

Yanar möchte laut Roß das Thema Religion insgesamt aus seinen Sendungen heraushalten, und „das schon immer – und nicht erst seit es Salafisten und prassende Bischöfe gibt. Nicht jeder Comedian oder Kabarettist ist mit jedem Thema glaubwürdig“, sagt Roß.

Wie schwer es sei, das Thema Religion als Gagschreiber unterzubringen, versucht Roß mit einem Beispiel zu verdeutlichen: „,Ich verstehe die ablehnende Haltung der Deutschen gegenüber Salafisten nicht, wo doch hierzulande Mittelaltermärkte so beliebt sind.' – So einen Gag könnte ich derzeit nicht verkaufen. Nicht wegen der Salafisten, sondern weil sich die ganzen Mittelalter-Fans vor den Kopf gestoßen fühlen würden.“

Ironisch und nicht ganz ernst gemeint hatte Roß zuerst auf die Anzeige gegen Nuhr reagiert. „Prinzipiell finde ich es unfassbar, dass Dieter Nuhr auf dem Rücken lammfrommer Salafisten versucht, mehr Tour-Tickets zu verkaufen“, sagte er.

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  • Ein Migrationswissenschaftler – was ist das eigentlich für eine Fachdisziplin – möchte bitte eine Differenzierung zwischen Islam und Islamischer Staat – Geschichte und Selbstverständnis des Islam sind dem wohl abhanden gekommen, dann soll er doch erst mal zu Hause suchen und nicht in der Gegend auf Kosten des Steuerzahlers so kontraproduktiv daher quatschen: „Mohamed schuf am Beginn des 7. Jhd. in der Mitte Arabiens eine Bewegung, die, von aggressivem Kampfgeist durchdrungen, weite Gebiete Vorderasiens und Nordafrikas eroberte, ihrem Glauben unterwarf und zu einem Herrschaftsgebilde eigener Art zusammenfügte“, schreibt einer der bekanntesten Islamwissenschaftler, Tilmann Nagel in seinem Buch „Mohammed-Zwanzig Kapitel über den Propheten der Muslime“ – aus jedem Wort springt uns Gewalt und absolute Unterordnung an, die wir auch in der Praxis weltweit verfolgen können: Mehr als 65% der Menschen islamischen Glaubens in Nordafrika sprechen sich in einer jüngsten Umfrage für die Todesstrafe für Konversion in andere Religionen oder ein Verlassen des Islam aus. Da braucht man gar nicht Salman Rushdie, die dänischen Karikaturisten, die ständigen Sprüche der Ayatollahs des Irans , den Steuer schluckenden Haßprediger von Köln, Äußerungen der Islamverbände in diesem Lande und viele, viele andere zum Beweis zu erheben Tilmann Nagel wirft im Interview („Mohammed ist ein Konstrukt“, Kölner Stadtanzeiger, 81.11.2008) insbesondere den Islamverbänden vor, in unserer Gesellschaft nicht angekommen zu sein. Das sollte dieser Staat in Ausübung seines Gewaltmonopols diesen Leuten eindeutig klar machen: Ohne Toleranz gibt es hier keine Integration. Das der Kabarettist Nuhr Angst hat, ist bei der leider legitimierten Praxis dieser Leute nachvollziehbar. Aber da ist dringend dieser Staat gefordert, denn wir haben jetzt schon viel zu viele Grabenkämpfe.

  • @ Fina Fara „....dass ich mehr kritik einstecken kann als Sie.“

    So, dann wundert es mich, daß Sie sich sosehr an den Aussagen von Nuhr verbeißen.

    „isbesondere wenn der Inhalt der Satire völlig falsch ist.“

    Aha, und wer entscheidet das? Ihre Aussagen bis hier lassen nur den Schluß zu, daß Sie, im Gegensatz zu ihrer o.a. Behauptung, keinen Spaß verstehen, wenn es um Ihren Islam geht, dann verfallen Sie in das Argumentationsmuster der meisten Muslime, indem sie behaupten daß derjenige, der sich über den Islam lustig macht, zum Haß gegen diesen aufruft. Wie kommen Sie darauf und was verstehen Sie unter Haß; und was verstehen Sie, im Zusammenhang mit einer Religion, unter Wahrheit? Diesen Anspruch hat jede Religion, nicht nur der Islam und dieser Anspruch ist einfach vermessen.

    „....Christen, Muslime, Buddhisten, Juden, etc...“

    Richtig und mit welcher der von Ihnen angeführten Gruppe gibt es nur Probleme? Übrigens nicht nur in Deutschland, sondern überall dort wo sie auftauchen gibt es Streit unter ihnen und mit ihnen. Könnte es mit der mangelnden Kritikfähigkeit des überwiegenden Teil dieser Glaubensgemeinschaft zusammenhängen, die dann mangels Argumenten in Gewalt ausartet?

    „aber wenn Sie an einer starken und friedlichen Gesellschaft interessiert sind, dann müssen sie ihn respektieren.“

    Das setzt voraus, daß der Muslim auch andere respektiert. Sehen wir in islamische Länder, wie sieht es denn dort mit dem Respekt gegenüber Nichtmuslimen aus? Was verstehen Sie unter Respekt?

    „..als Sie zu konditionieren,...“

    Ich habe reichlich eigene Erfahrungen mit Muslimen sammeln können, dazu brauche ich keinen Dieter Nuhr.



  • Ich angegriffen??? Nö. Ich bin mir sicher, dass ich mehr kritik einstecken kann als Sie. Das weiß ich aus Erfahrung. Jedenfalls anhand Ihrer Argumentation.

    Ich haben nur Quatsch erzählt. Es stimmt gar nicht, was Sie über Islam zu wissen glauben. Es würde auch nicht weiter helfen, wenn ich versuchen würde Ihnen den Islam zu erklären. Das interessiert Sie kein Deut.

    Ich bin auch grundsätzlich für Satire, auch über Religionen. Weil mit Satire kann man Teilnehmer einer Gesellschaft durch Witze zusammenschweißen und dadurch einen Beitrag zu friedlichen Zusammenleben leisten. Allerdings kann man das Gegenteil auch bewirken, isbesondere wenn der Inhalt der Satire völlig falsch ist. Gute Satire basiert auf eine Wahrheit, die man so grob karikiert, dass die eigentliche Witze in dieser Karikierung liegt.
    Herr Nuhr auch nach seinen fruchtbaren Aussagen, hat darauf gepocht, sich aus dem Koran bedient zu haben. Und das ist nicht wahr. Weder seine Aussagen, noch der Koran als Quelle seiner Aussagen. Also er basiert seine Witzen über Unwahrheiten. Ab da ist es keine Satire mehr im guten Sinne.

    Wissen Sie was die Konsequenz ist? Er schadet die Gesellschaft Deutschland. Er bringt nicht nur verschiedene Konfessionen gegeneinander sondern schlimmer noch u.a. europäisch- und arabischstämmige Deutsche gegeneinander.

    Die Gesellschaft das es auch: In Deutschland leben u.a. Christen, Muslime, Buddhisten, Juden, etc und das wird sich auch nicht in der Zukunft ändern. Keine der Religionen aus sich heraus wird die Andere aus Deutschland tilgen können. Und ganz wichtig, Muslime werden nicht weniger Muslime werden um Sie zu gefallen. Ja, da ist leider so. Und wissen Sie, was das Rezept zu einer starken Gesellschaft ist? Frieden und gegenseitiger Respekt. Das bedeutet zum Beispiel, Sie müssen den Muslim nicht zwingend mögen und mit ihm in Urlaub fahren, aber wenn Sie an einer starken und friedlichen Gesellschaft interessiert sind, dann müssen sie ihn respektieren.

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