Nur noch Selbstläufer?

Medienwissenschaftler schreibt „Tatort“ tot

„Immer der gleiche Brei“: Medienwissenschaftler Dennis Gräf demontiert den Mythos „Tatort“. Immer konservativer werde der Sonntagskrimi - und lebe fast nur noch von der mythischen Verklärung im Social Web.
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Der „Tatort“ im Fadenkreuz der Kritik. Quelle: dpa

Der „Tatort“ im Fadenkreuz der Kritik.

(Foto: dpa)

PassauDer Medienwissenschaftler Dennis Gräf hält die ARD-Krimireihe „Tatort“ für veraltet. Der Erfolg des Formats habe nichts mit den Inhalten oder den Darstellungstechniken zu tun, „denn die sind auf dem Stand von vor 40 Jahren. Das ist langweilig“, sagte der Wissenschaftler von der Universität Passau der Nachrichtenagentur dapd.

Vielmehr werde der „Tatort“ vor allem beim jüngeren Publikum dadurch zum Selbstläufer, dass in sozialen Netzwerken behauptet werde, es handele sich um etwas Besonderes. „Aber das ist nicht so“, kritisierte Gräf. Stattdessen werde der „Tatort“ immer konservativer und die Norm- und Wertevermittlung „immer gruseliger“. Täter und Opfer seien meist Randgruppen wie Schwule, Lesben oder Ausländer. Dass der „Tatort“ dennoch sehr hohe Einschaltquoten erziele, sei für ihn „sehr verwunderlich“.

Das ursprüngliche Erfolgsrezept der Sendung, die regionale Anbindung, funktioniere offenbar auch heute noch, räumte Gräf ein, der sich unter anderem in seiner Doktorarbeit mit der Sendung auseinandergesetzt hat. Der „Tatort“ biete den Zuschauern Stoffe aus der Region. Diese könnten sich zudem mit den Geschichten aus der Lebensrealität, die sich meist um Probleme wie Hartz IV oder soziale Ungleichheiten drehten, identifizieren.

Dass der neue Hamburger Kommissar Til Schweiger, der bislang vor allem in Komödien spielte, das Image der Krimireihe beschädigen könnte, glaubt Gräf nicht. „Es ist eigentlich egal, wen man da hinstellt“, sagte er. Der „Tatort“ habe sich so sehr verselbstständigt, dass die Besetzung keine Rolle spiele. Dabei gehe es „immer um den gleichen Brei“.

Widerstand gegen Schweiger-Kritik
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9 Kommentare zu "Nur noch Selbstläufer?: Medienwissenschaftler schreibt „Tatort“ tot"

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  • Super!!! Stimme Ihnen voll zu!

  • Tatort ist die obere Langeweile. Zum gähnen so schwach. Die Reihe kann noch nicht mal im Schatten stehen bei dem was in Skandinavien produziert wird. Schauspielirische Leistung = Schulklassennivo. Die Skripts kommen aus dem Gehirn von geistit Toten. Noch lieber schaue ich die Blumen beim wachsen. Quoten sagen NICHTS über Qualität. Weg mit Gottschalk und jetzt bitte auch Schluss mit Gähnort.

  • Die Einschaltquoten sprechen für sich. Wenn jemand den Tatort nicht sehen möchte, kann er doch auf ein anderes Programm umschalten. Wenn hier ein dubioser "Medienwissenschaftler?" seine Gülle unter das Volk bringen möchte, bitte sehr. Aber dieser dubiose Herr sollte seine Meinung nicht als die einzig glücklichmachende Weisheit verkaufen wollen. Till Schweiger ?, nach meiner Meinung ein Fehlgriff, verursacht durch Vetterwirtschaft (siehe überbezahlte Moderatorin bei "Ein Platz an der Sonne, fragt sich nur für wen?).

  • Die Einschaltquoten sprechen für den Tatort! Dem ist nichts hinzuzufügen.

  • Die meisten beklagen hier den "Einheitsbrei" und haben
    Recht. Hier teilt der Tatort leider ein Problem welches
    auch Pornofilme haben: man kennt die Handlung :-)
    Ein großes Problem der Tatortschreiber ist, das sie zuviel
    wollen. Ein Krimi ist gefordert, mehr nicht !
    Der Zuschauer hat kein Interesse an persönlichen Problemen
    der Kommissare oder an irgendwelchen politischen
    Botschaften, die der Drehbuchautor meint in seine oft
    schmale Handlungen einarbeiten zu müssen.
    Dieses Weltschmerzgehabe nervt nur.
    Oft beschränkt sich die Krimihandlung auf 30 Minuten und
    der Rest ist Sozialkritik und Beziehungsprobleme.

  • Also ich stimme durchaus zu. Der Tatort ist wirklich langweiliger Einheitsbrei. Meine Frau guckt den Quatsch und während ich dann am Laptop arbeite, bekomme ich da immer etwas mit. Ich verstehe garnicht, warum man soviele Tatortkomissare braucht, um immerwieder die gleiche Handlung abzuspulen. Die treue Fangemeinde vom Tatort kann man mit dem Volksmusik-Sendungen-Syndrom vergleichen. Ich dachte vor Jahren schon, dass die Volksmusikfans doch bald mal alle weggestorben sein müssen. Stattdessen kommen immer neue Volksmusiksendungen ins Programm. Genauso ist es beim Tatort. Da im deutschen Fernsehen von Sendungen, die gut laufen immer neue Nachahmer auf den Markt kommen (Siehe Soaps, Telenovellen, Gerichtsshows, Real-Life-Formate) wird eben das sogenannte Erfolgsrezept des Tatorts ebenso überstrapaziert. Bald gibt es einen Tatortkommisar von jeder Kleinstadt z.B. von Uelzen oder von jedem Stadtteil z.B einen von Köln-Porz und einen von Köln-Deutz usw. Der Erfolg gibt den Produzenten ja Recht. Aber bei deutschen Krimis waren die Zuschauer schon immer für Schwachsinn zu haben. Wenn ich nur an Derrick denke. Was für ein langweiliger Mist, der auch noch in viele andere Länder exportiert wurde. Von mir aus können die den Tatort abschaffen.

  • @ r.jonasson:

    Vollkommen richtig.

    "Medienwisssenschaftler" ist auch so ein Beruf, bei dem Leute Geld fürs Nichtstun/heiße Luft erzeugen bekommen.

    Darüber hinaus kann ich gerne auf Herrn Schweiger, dessen bisherige Filme alle nichts besonderes sind, als Tatort-Kommissar verzichten.

  • Sonntag abend ist Tatort-Zeit. Generationenübergreifend hohe Einschaltquoten. Verwunderlich? Nein, weil vielfältig, spannend, sympathisch und sozialkritisch. Der Medienexperte wundert sich vermutlich genauso über die kaum mehr vorhandene Einschaltquote der neuen und "innovativen" Vorabendsendung "G live", deren Ableben wir dankbarerweise grade erleben dürfen. Der Tatort inklusive Vorspann hat Kultstatus und dass die Sendung sich trotzdem weiterentwickelt, haben unlängst hervorragend der letzte Wien-Tatort sowie die Doppelfolge Köln-Leipzig gezeigt.

  • Ich bin mir sehr sicher, dass der Tatort - gerade wegen seiner Vielfalt der Figuren und Spielorte - noch immer sehr erfolgreich sein wird, wenn man den Namen des Wichtigtuers von der "Medienwissenschafts-Fraktion" längst vergessen hat. Wie hieß er noch gleich? Ouups, schon passiert.

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