Kultur + Kunstmarkt
Öffentlicher Aufruf zum Tabubruch

Bob MacDonald ist ein Provokateur. In einer Zeit, da in Amerika zahlreiche Manager wegen Bilanzfälschung und Wertpapierbetrug vor Gericht stehen, ruft der 62-Jährige öffentlich zum Verstoß gegen die Regeln auf. "Cheat to Win" heißt seine provokante Handlungsanleitung - der Titel könnte auf Deutsch etwa "Betrüge, um zu gewinnen" heißen.

Hb NEW YORK."Allianz-Chef Michael Diekmann liebt das Buch, traut sich jedoch damit nicht in die Öffentlichkeit", erzählt MacDonald mit breitem Grinsen im Gesicht. Zwar genießt er das Aufsehen um seinen provokanten Buchtitel, als Falschspieler will er jedoch nicht gelten. Deshalb stellt MacDonald im Untertitel die Sache auch gleich richtig: In seinem Buch geht es um den ehrlichen Weg, alle unehrlichen Regeln im Geschäftsleben zu missachten. Der Leser erfährt also nichts über zwielichtige Bilanztricks, aber viel über Integrität und Unternehmertum.

MacDonald nennt einige Beispiele für den von ihm proklamierten Nonkonformismus, vor allem aber seine eigene Erfolgsgeschichte: der Aufstieg vom Türklinken putzenden Versicherungsverkäufer zum Spitzenmanager der amerikanischen Assekuranz. Er arbeitete sich beim Versicherer ITT Life zum Chef hoch, wurde dort aber gefeuert, als er die Lebensversicherungsbranche mit einer unkonventionellen Werbekampagne aus ihrem Dornröschenschlaf riss. Aus dem Nichts schuf er dann die Gesellschaft Life USA. 1999 verkaufte MacDonald das Unternehmen für 540 Millionen Dollar an die Allianz.

In seinem Buch führt er den eigenen Erfolg auf den Bruch von Konventionen zurück. Dem unkonventionellen Manager empfiehlt er, die Interessen der Mitarbeiter mit Hilfe von Beteiligungsmodellen mit den Zielen des Unternehmens in Einklang zu bringen. Statt in der Firma Angst und Schrecken zu verbreiten, soll der Chef die Kreativität und Risikobereitschaft seiner Mitarbeiter fördern. Je mehr Macht ein Manager abgibt, je mehr Engagement bekommt er von seinen Mitarbeitern zurück, lautet die These MacDonalds.

Seine Ratschläge sind keineswegs neu. Das Buch hebt sich jedoch dadurch von den zahllosen Management-Ratgebern ab, dass es durch die Lebensgeschichte MacDonalds authentisch und damit überzeugend wirkt. Darin ist der Autor durchaus mit der Management-Ikone Jack Welch vergleichbar. Dass es ihm zudem noch gelingt, das Innenleben der sonst so trocken daherkommenden Assekuranz auf humorvolle Weise zu beschreiben, ist ein weiteres Plus - auch wenn Spitzenmanager der Branche mit dem provokanten Titel nicht öffentlich gesehen werden wollen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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