Österreichische Malerei
Traumwelt mit Tiger

In Frankfurt macht eine Ausstellung mit österreichischer figurativer Kunst auf sich aufmerksam. Neun Jahrzehnte Malerei und Zeichnung deckt die Offerte der Galerie "Die Galerie" ab.
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FRANKFURT. Die Bleistiftzeichnung auf kleinem Blatt zeigt eine Dame, aufrecht sitzend, den Betrachter direkt und unverwandt anschauend. Der Zeichner hat offensichtlich rasch skizziert und sich auf das Nötigste beschränkt - Gesichtskonturen, Haar, Körperhaltung. Besonders akzentuiert sind überraschenderweise die Augenbrauen. Doch so wenige Striche der Zeichner gesetzt hat, so deutlich wird die stolze Persönlichkeit der Dargestellten. Der Wiener Künstler Gustav Klimt hat 1917 oder 1918 "Amalie Zuckerkandl sitzend von vorne" porträtiert. Und wer sich die Zeichnung anschaut, erkennt die Handschrift dieses Malers sofort wieder, dessen symbolistische Frauenporträts heute auf dem internationalen Auktionsmarkt Rekordpreise erzielen.

Diese und vier weitere Zeichnungen von Gustav Klimt zählen zu den Höhepunkten der "Ausstellung Figurative Kunst aus Österreich" in der Frankfurter Galerie "Die Galerie". Das Preisspektrum bewegt sich zwischen „Zwei Studien einer Schwurhand“ zu 38.000 Euro und dem Zuckerkandl-Porträt zu 86.000 Euro. Die Schau reiht sich in einen Zyklus mit Länderausstellungen ein, die Inhaber Peter Femfert zur figurativen Kunst des 20. Jahrhunderts veranstaltet. (bis 26.3.). Zu sehen sind 45 Werke von 15 Künstlern aus neun Jahrzehnten, unter ihnen Oskar Kokoschka, Alfred Kubin und Friedensreich Hundertwasser.Außerhalb Österreichs noch nicht so bekannt sind die zeitgenössischen Künstler Eva Wagner, Sasa Makarova und Martin C. Herbst.

Blick auf den Leichnam eines Jünglings

Ein bis zwei Jahre haben die Vorbereitungen für diese Ausstellung gedauert. "Unsere Galerie hat bereits seit 30 Jahren eine Verbindung zu österreichischen Künstlern wie Hundertwasser und Rudolf Hausner", erklärt Galerie-Mitarbeiterin Elke Mohr. "Aber jetzt wollten wir dieses Land endlich in den Mittelpunkt einer eigenen Ausstellung stellen."

Zu den ausgestellten Künstlern aus der ersten Jahrhunderthälfte zählt auch Herbert Boeckl. Der in Klagenfurt geborene Maler zählt zu den wichtigsten Künstlern der österreichischen Moderne. Er war über fünf Jahrzehnte künstlerisch aktiv. Seinen "Leichnam eines Jünglings" (1931) legte er in einem starkem Querformat an, das sich ganz auf den fast nackten, ausgemergelten und schrundigen Körper des Verstorbenen konzentriert. Ausgeführt ist nur die sehr plastische Darstellung des Körpers und seine unmittelbare Umgebung; große Flächen der Leinwand blieben unbemalt. Das steigert noch die Wirkung dieses erschütternden Bildes, das aus dem Nachlass des Künstlers stammt (ohne Preisangabe).

Überfall eines Tigers

Von Oskar Kokoschka sind vier Zeichnungen und Aquarelle aus drei Jahrzehnten im Angebot, darunter zwei sehr schöne Blumenaquarelle aus der Zeit um 1960 zu 63.000 und 85.000 Euro. Alfred Kubin ist mit der Tuschezeichnung "Tiger und Weib (ausgebrochener Tiger)" (1932) präsent (13.000 Euro). Damit ist eine Entwicklungslinie angedeutet, die die österreichische Kunst des 20. Jahrhundert stark geprägt hat: eine Faszination für Traumwelten, Phantastisches, Überwirkliches. Die detailliert ausgeführte Skizze zeigt den Überfall eines Tigers auf eine spärlich bekleidete junge Frau, ein erotisch aufgeladenes, symbolhaftes Motiv. In den 1950er-Jahren schloss die Wiener Schule des phantastischen Realismus an diese surreale Bildtradition an. Mit dem undatierten Triptychon "Zurück vom Mond" von Arik Brauer (110.000 Euro) und Rudolf Hausners Temperabild "Adams Alternative" (1969), das 180.000 Euro kosten soll, ist diese künstlerische Richtung prominent in der Ausstellung vertreten.

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