Ohne Depeche Mode
Musikerportrait: Dave Gahan lächelt und genießt

Dave Gahan, seit 22 Jahren Aushängeschild der Synthie-Pop-Band Depeche Mode, wirkte bei seinem ersten Deutschlandkonzert ohne seine berühmten Band-Kollegen wie befreit.

HB/dpa BERLIN. Er wirbelt quer über die Bühne, reißt sich die Weste vom Leib, tanzt hüftenschwingend um das Mikrofon, schreit „Huuu!“, „Yeahh!“, „Thank You!!!“ Dave Gahan, seit 22 Jahren Aushängeschild der Synthie-Pop-Band Depeche Mode, wirkte bei seinem ersten Deutschlandkonzert ohne seine berühmten Band-Kollegen wie befreit. 3 500 eingefleischte Depeche Mode Fans gerieten am Dienstag in der Berliner Columbiahalle ebenso in Verzückung wie ihr Idol. Doch während Gahan vor allem seine neuen Songs genoss, umjubelte das Publikum mehr die Depeche Mode-Klassiker.

Statt Andrew Fletcher und Martin L. Gore, den langjährigen Mitstreitern Gahans, stehen neben ihm nun Musiker, deren Gesichter die Fans nicht kennen. Sie heißen Knox Chandler (Gitarre), Victor Indrizzo (Drums), Vincent Jones (Keyboard) und Martyn Lenoble (Bass). Es sind gute Freunde des Frontmanns, mit denen er sichtlich viel Spaß hat. „Das ist ein schöner Job“, sagt Gahan selbst zur Arbeit mit seiner eigenen Band. Der 41-Jährige steht nun dreifach im Mittelpunkt der Show: Er ist der bekannteste Mann auf der Bühne, er spielt mit dem Publikum und er hat die Texte seiner Lieder geschrieben.

Seit Anfang Juni steht „Paper Monsters“ in den Plattenläden - das erste Solo-Album von Gahan. Und sein Debüt als Songwriter. Die zehn Stücke der Platte enthalten sehr persönliche Botschaften. Live klingen sie kräftiger, rockiger und melodischer als im CD-Player. Den Einstiegssong „Dirty Sticky Floors“ singen die Fans schon textsicher mit. In dem Lied arbeitet Gahan seine frühere Drogensucht auf. 1996 wäre das exzentrische Aushängeschild von Depeche Mode beinahe an einer Überdosis Heroin gestorben.

In den vergangenen Jahren kam der zweifache Vater wieder auf die Beine, füllte auf der „Exciter-Tour“ mit der Synthie-Pop-Band weltweit Stadien und große Musik-Arenen. „Mir hat die Tour wirklich Spass gemacht. Aber danach wollte ich weiter arbeiten, ich hatte eine Menge Ideen“, berichtet Gahan der dpa. Erst jetzt, nach seinem Solo- Debüt, sagt er: „Ich habe Freiheit und Frieden gefunden, das könnte kommerzieller Erfolg mir nicht bieten.“ Geduldig und ohne Star- Allüren beantwortet er die Fragen der Journalisten vor dem Konzert, zufrieden lächelt er während der Show in sich hinein.

Die Fans klatschen für die neuen Songs, aber richtig in Ekstase geraten sie bei „People are People“, „A Question of Lust“ und anderen Titeln, mit denen Depeche Mode in den 80er und 90er Jahren die Hitparaden stürmte. Die Synthie-Pop-Band wurde 1980 in dem englischen Städtchen Basildon gegründet. Wegen interner Streitereien und Gahans Drogensucht stand die Gruppe Mitte der 90er Jahre schon einmal vor dem Aus. Ob sie künftig wieder zusammen findet, ist ungewiß. „Es wäre lohnenswert, wieder eine Depeche Mode-Platte zu produzieren. Aber es ist derzeit nicht geplant“, berichtete Gahan der dpa. Außer ihm ist derzeit auch Band-Mitglied und Songschreiber Martin L. Gore solo unterwegs - ebenfalls mit seinem ersten eigenen Album.

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