Oldtimer
Spielzeug für Enthusiasten

Der Markt für klassische Autos ist ziemlich krisenfest. Jetzt versteigerte Bonhams ein Motorrad-Gespann, das zwei Mal den Weltmeistertitel holte. Das Sidecar hat eine besondere Geschichte. Es fuhr mit einem revolutionären Vierzylinder-Reihenmotor, den Rennsportlegende Helmut Fath selbst entwickelte.
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LONDON. Klassische Autos und Motorräder führen ein oft übersehenes, aber lukratives Dasein im Collectors Markt - als Investment und Spielzeug für Enthusiasten. So waren Eingeweihte nicht verwundert, als ein Stück deutsches Tüftlertum und Motorrad-Renngeschichte bei Bonhams Auktion importanter Motorräder am 17. Oktober in Staffordshire, England mit 102.700 Pfund weit über die Schätzung von 70/80.000 Pfund gesteigert wurde: das 500cc Motorrad-Gespann URS der deutschen Motorradsportlegende Helmut Fath

.

Tüftler in einer deutschen Privatwerkstatt

Fath (1929-1993) war fast 20 Jahre lang als Privatfahrer eine der führenden Persönlichkeiten im Motorrad-Rennsport. Er entwickelte die Maschine mit einem damals revolutionären Vierzylinder-Reihenmotor mit Einspritzpumpe zusammen mit dem Heidelberger Ingenieur Peter Kuhn und seinem Rennfahrer Kollegen Horst Owesle in seiner Privatwerkstatt in Ursenbach - deshalb der Typenname URS. Die vier Motoren, die für die Maschine gebaut wurden, hatten statt Nummern die Namen Emil, Friedrich, Heinrich und Gustav. 1969 gewann Fath mit der Maschine den Gespann-Weltmeistertitel - das erste Mal seit 1953, dass nicht eine Maschine mit BMW Motor gewann. Owesle wiederholte diesen Triumph 1971, nachdem Fath sich aus dem Sport zurückgezogen hatte. Bonhams teilte nicht mit, wer die Motorrad Legende erworben hat.

Auktionsrekorde mit alten Rennwagen

Der Markt für klassische Autos ist ziemlich rezessionsfest. Bei der Londoner "Masterpiece Messe" wurde inmitten der edelsten Kunst Oldtimer in der Preisklasse bis 3 Mio. Pfund angeboten, der Preis eines Bugatti Typ 51 aus dem Jahre 1932. Ein 1927 gebauter 4,5 Liter Bentley, der 1959 in der britischen Filmkomödie "Fast Lady" eine Hauptrolle spielte, wechselte für 550.000 Pfund oder 640.000 Euro den Besitzer. Im September verkaufte Bonhams in einer Auktion auf der früheren französischen Grand Prix Strecke Reims-Gueux einen Aston Martin DB 5 für einen Auktionsrekord von 414.500 Euro.

Liebhaber bewilligen zweistellige Millionensummen

Der Auktionsrekord für einen Oldtimer liegt nach wie vor bei 5,5 Mio. Pfund, die ein Bugatti Type 41 (Royale) 1987 bei einer Auktion von Robert Brooks, dem heutigen Bonhams Besitzer, in der Royal Albert Hall erzielte - damals fast 10 Mio. Dollar. Käufer war der schwedische Industrielle Hans Thulin. Er soll den Klassiker 1990 für 15,7 Mio. Dollar nach Japan verkauft haben soll, 2001 wurde er bei Bonhams privat in die Schweiz vermittelt. Nur 6 Exemplare des "Royale" wurden gebaut. Eines wurde von der Volkswagen AG, Besitzer der Bugatti Marke, gekauft, angeblich für 20 Mio. Dollar.

Ein Bugatti auf dem Spitzenplatz

Teuerstes Auto überhaupt soll der Bugatti 57 SC Atlantic sein. Er wurde im Mai am Rande einer Auktion in Pebble Beach, Kalifornien, für 30 Mio. Dollar an den kalifornischen Sammler Peter Mullin verkauft, meldete die Fachpresse.

www.bonhams.com

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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