Online-Versteigerer
Drastische Maßnahmen bei Auctionata

Das Berliner Portal für Internet-Auktionen, Auctionata, entlässt Mitarbeiter, um seine Organisation zu straffen. Auf die Preisstruktur seines Angebots sollen die Veränderungen jedoch keine Auswirkungen haben.
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BerlinDas Berliner Internet-Auktionshaus Auctionata AG entlässt massiv Mitarbeiter. Nachdem bereits Anfang des Monats 100 von 250 Mitarbeitern in der Berliner Zentrale gehen mussten, wie der US-amerikanische Blog Blouinartinfo meldet, werden demnach jetzt im New Yorker Büro die Hälfte der bisher 60 Stellen abgebaut. Erst im letzten Oktober wurde in den USA die erste Auktion des Online-Dienstleisters abgehalten. In Deutschland war das Unternehmen im Dezember 2012 an den Start gegangen.

Eine Pressesprecherin des Unternehmens erklärt auf Nachfrage des Handelsblatts: „Unsere Strategie des effizienten Wachstums bedeutet, dass wir unsere Aktivitäten strategisch um einige Kernbereiche herum konzentrieren werden. Wir haben in der Vergangenheit zahlreiche Maßnahmen getestet und sind davon überzeugt, dass nun der richtige Zeitpunkt ist, um uns stärker zu fokussieren und unsere Organisationsstruktur effizienter und schlagkräftiger aufzustellen. Dies hat zur Folge, dass wir Aktivitäten und Projekte, die nicht im Fokus stehen, nicht weiterverfolgen und dass wir uns von Mitarbeitern trennen mussten, die in diesen Bereichen tätig waren.“ Das bedeute jedoch nicht, dass Auctionata sich auf Lose im höheren Preisbereich konzentrieren wolle, heißt es aus dem Unternehmen. Eine Pressemitteilung zu den Entlassungen werde es nicht geben. Die Sprecherin versichert: „Auf unsere Kunden werden diese Veränderungen keine Auswirkungen haben. Zu den von der Presse genannten und von Ihnen aufgegriffenen Mitarbeiterzahlen äußern wir uns nicht.“

Ansammlung von Risikokapital

Der drastische Schritt kommt überraschend. Erst Ende März hatte das Berliner Unternehmen eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen und dabei fast doppelt soviel Risikokapital eingesammelt wie der US-Konkurrent Artsy eine Woche zuvor: Satte 45 Millionen US-Dollar kamen laut einer Pressemitteilung von den bestehenden Investoren sowie von MCI Management (Warschau), Hearst Ventures (New York), Kreos Capital (London) und Yuan Capital (Hongkong) zusammen. Laut der Webseite Crunchbase hat Auctionata damit bisher in vier Runden insgesamt 95,7 Mio. Dollar Spielgeld zusammengebracht. Einer der ersten Investoren war die HV Holtzbrinck Ventures GmbH, die aus der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hervorgegangen ist. Das Handelsblatt erscheint in der DvH Medien.

Die nicht börsennotierte Auctionata AG wurde 2012 von Alexander Zacke mitgegründet. Der Name Zacke ist in Wiener Kunsthandelskreisen ein Begriff. Alexander Zackes Eltern hatten eine auf Asiatika spezialisierte Galerie, während der Sohn bis 1994 in der Asiatika-Abteilung des Auktionshauses Dorotheum tätig war. 1997 monierten die Eltern öffentlich, dass genau diese Abteilung falsch zugeschriebene Werke verkaufte. Die Sparte wurde eingestellt. Später stellte sich heraus, dass zumindest eines der beanstandeten Objekte bereits zuvor von der Galerie Zacke selbst eingeliefert worden war. Nachdem Alexander mit seiner Frau Susanne – die ebenfalls im Vorstand von Auctionata ist -  bis 1998 Erfahrungen sammelte mit einem Kunstversandhaus, wandte er sich Ebay zu und brachte es dort im Jahr 2006 immerhin zum „Power Seller des Jahres“.

Klargestellt: Sofern in einer früheren Fassung dieses Artikels behauptet wurde, dass Herr Alexander Zacke mit seinem Kunstversandhaus 1998 pleite gegangen war, so ist dies falsch. Wir bedauern dieses Versehen.

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