Kultur + Kunstmarkt
Oscar-Spätvorstellung

Ganz Hollywood putzt sich am 25.2. heraus. Und bei uns? Manche Cineasten sitzen zur 79. Oscarverleihung auf dem heimischen Sofa, die Füße in eine Wolldecke geschlagen, den Körper in einen legeren Jumper gehüllt, während Super-Mega-Hyper-Stars den roten Teppich in eine Sponsorenveranstaltung für Designermode umkrempeln.

Jumper und Plaid sind vorzugsweise geeignet, sanft in Morpheus’ Arme zu sinken. Aber nicht, um Ellen DeGeneres bei ihrer Arbeit zuzusehen. Bevor es so weit ist, dass die Sit-Com-Queen (ganz in Gold, wie passend) als erste lesbische Moderatorin (und das unter Bush!) das Mikro schwingt, plappern sich (oder uns) deutsche Moderatoren ins Wachkoma. Dieses Jahr schickt Pro 7 ein Talent namens Annemarie Warnkross ins Rennen. Dem kann man nur mit überlegenem Stil kontern.

Also – rein in den Smoking, rein in die Robe, den roten Teppich vor dem eigenen Domizil ausgerollt und standfeste Freunde zum „Promiwatching“ eingeladen. Zuvor hilft eine Laufrunde durch den Park, um mit viel Sauerstoff im Blut die lange Nacht zu überstehen. Immerhin kann es leicht vier Uhr werden, bis der deutsche Anwärter „Das Leben der Anderen“ endlich ausgezeichnet wird. Wie könnte er nicht!

Aber bleiben Sie nicht bis um eins, bis es losgeht mit dem Warm-up, beziehungsweise bis zur Liveschaltung ab zwei Uhr an der Espressomaschine stehen. Oscar-Partylöwen greifen zur DVD und bringen die Gäste mit den cineastischen Perlen der Vergangenheit in Stimmung. Konventionell mit „Ben Hur“ als Rekordhalter unter den Oscar-Gewinnern (bleibt diesmal ungefährdet). Oder musikalisch mit „Amadeus“, „My Fair Lady“ oder „West Side Story“.

Die diesjährigen Nominierten – von „Babel“ über „The Departed“ bis zu „Letters from Iwo Jima“ sind a) nur gut für eine kollektive Depression und b) erst im Laufe des Jahres als DVD erhältlich. Dann lieber den Soundtrack zu „Dreamgirls“ als Muntermacher einlegen, von dem allein drei Stücke bester Song werden können. Und der auch tanzresistente Beine zum Swingen bringt.

Schmerzfreie Cineasten wählen zur Vorbereitung übrigens die hysterische Variante: Synchrontrinken mit „Jenseits von Afrika“ (elf Nominierungen, sieben Oscars, Laufzeit gute zweieinhalb Stunden). Jedes Mal, wenn im Streifen die Gläser erhoben werden, hält man mit. So wird auch aus Frau Warnkross zu vorgerückter Stunde ein Feger und kann möglicherweise selbst Oscar (Wilde) widerlegen, der sagte nämlich: „Die Welt ist eine Bühne, doch das Stück ist schlecht besetzt.“

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