OSCAR-VERLEIHUNG
Der Bauch von Hollywood

Das Oscar-Wochenende ist für Starkoch Wolfgang Puck wie eine fünfte Jahreszeit. Die Verleihung des weltweit begehrtesten Filmpreises bringt den 59-jährigen Kärntner in eine Art permanenten Ausnahmezustand. Denn Puck ist der Hoflieferant der Schönen und Wichtigen in Hollywood. Oscar und Puck – das ist ein unzertrennliches Tandem.

LOS ANGELES. Wenn am kommenden Sonntag die goldenen Trophäen im Kodak-Theatre vergeben sind, wird Puck wieder zur Hochform auflaufen. Der Routinier wird im Hollywood-Center unter dem Titel „It's East meets West“ mit einem opulenten Meeresfrüchtebüfett aus Sushis und Hummer für das leibliche Wohl auf der begehrten Oscar-Party namens „Governor’s Ball“ sorgen. Bange ist dem Unternehmer vor seiner Aufgabe nicht. Schließlich hat er viel Übung. Bereits vor 24 Jahren richtete er seine erste Oscar-Party für den legendären Hollywood-Agenten Swifty Lazar aus.

„Kochen ist wie Malerei. Man muss zu seinem eigenen Stil finden“, sagt der berühmteste Koch der Traumfabrik. Und den hat der Unternehmer aus einfachsten Verhältnissen in harter Arbeit gefunden. Sein Gastronomie-Imperium ist heute der Bauch von Hollywood. Er baute ein Reich von Nobel-Restaurants, Bistros und Fast-Food-Läden auf, das nach eigenen Angaben rund 470 Mio. Dollar Umsatz pro Jahr macht. Davon stammen, so berichtet Puck, allein 200 Mio. Dollar aus dem Bereich Fine Dining und 120 Mio. Dollar aus dem Catering. Der Verkauf von Kochtöpfen und elektrischen Kleingeräten spült zusätzliche 60 Mio. Dollar in die Kasse.

Puck besitzt edle Restaurants von Los Angeles über Las Vegas bis Washington. An Flughäfen ist er mit seiner Schnellrestaurantkette präsent. Mittlerweile beschäftigt er nach eigenen Angaben 5 500 Mitarbeiter. „Der erfolgreichste Austro-Export nach Arnold Schwarzenegger“, schwärmt die österreichische Zeitschrift News. Schwarzenegger, früher Hollywood-Schauspieler und jetziger Gouverneur Kaliforniens, ist ein alter Freund des Gourmet-Kochs.

An diesem Morgen ist Wolfgang Puck abgekämpft. In Sommerhemd und Baumwollhose schlendert er durch sein Restaurant „Spago“ in Beverly Hills, nur ein paar Schritte vom Rodeo Drive, der teuersten Einkaufsstraße der Westküste. Die Müdigkeit steht Puck noch ins Gesicht geschrieben. Kein Wunder, denn Puck ist ein Arbeitstier. „Ich arbeite von morgens um 10 Uhr bis nachts um 1 Uhr“, sagt er.

Das „Spago“ in Beverly Hills ist Pucks zweites Zuhause. Hier verbringt er abgesehen von seiner Villa, die nur fünf Minuten vom Sterne-Restaurant entfernt ist, die meiste Zeit. „Das ,Spago’ ist wie eine Mutter, die mich zur Welt gebracht hat“, sagt die Koch-Legende. Hierher zieht es die Reichen und Schönen. Zu den Stammgästen gehören Schauspieler wie Brad Pitt oder George Clooney. Der frühere Disney-Chef Michael Eisner machte von hier aus Talksendungen. Auch deutsche und österreichische Fernsehmanager wie RTL-Vorstandschef Gerhard Zeiler oder ORF-Generalintendant Alexander Wrabetz speisen in dem 180 Plätze großen Lokal mit seinem mediterranen Ambiente.

Doch nicht immer sind alle mit der Küchenleistung glücklich. So waren Gäste aus Salzburg mit seinem unüblichen Kaiserschmarren als Nachspeise unzufrieden. „Wir haben unseren eigenen Stil“, sagt Puck dazu. „Das ,Spago’ ist wie Haute Couture“ - und damit nicht jedermanns Geschmack. Die Küche ist ein Cross-over aus französischer und mediterraner Küche mit österreichischen und kalifornischen Einflüssen.

Der unternehmerische Erfolg war Puck keineswegs in den Schoß gelegt. Der Sohn einer Köchin am Wörthersee in Kärnten begann mit 14 Jahren in seiner Heimat eine Lehre. Die hohe Kunst des Kochens lernte er aber erst in legendären Sterne-Restaurants wie dem Hotel de Paris in Monaco, Maxim’s in Paris und Oustau de Baumaniére im provenzalischen Le Baux. Mit 24 ging er dann in die USA. Seit nunmehr 34 Jahren lebt er an der Westküste.

Puck hat Amerikas Esskultur verändert. Längst ist er selbst ein Medienstar. Eine Vielzahl von Kochbüchern und Fernsehshows haben den lebensfrohen Gastro-Unternehmer zu einem Prominenten Hollywoods gemacht. Die Schauspieler-Legende Sidney Poitier ist Pate seiner Kinder aus dritter Ehe. Die meisten Leinwand-Stars kennt Puck seit Jahren. Sie auch im Kino zu sehen, dafür bleibt dem Unternehmer kaum Zeit. „An 200 Tagen im Jahr bin ich unterwegs“, erzählt der Vielreisende.

Puck ist selbst zum Produkt geworden. Sein Name bürgt für Qualität. Deshalb erwarb auch der Suppenkonzern Campbell von der Wolfgang Puck Worldwide Inc. eine Lizenz. Sein neuestes Projekt ist eine vom Medienkonzern Disney produzierte Zeichentrickserie namens „Wolfgang’s Kitchen“, die im Herbst starten wird. Sein Imperium wächst unterdessen weiter: Vergangene Woche eröffnete er sein Nobelrestaurant „Five Sixty“ mit einer tollen Aussicht über die texanische Metropole Dallas.

In Hollywood sitzt mittlerweile das Geld nicht mehr locker. Große Studios wie Disney oder Warner Bros. bauen massiv Arbeitsplätze ab. Der Autorenstreik im vergangenen Jahr und die Rezession in den USA setzen der Branche schwer zu. „Die Leute passen bei Partys auf, nicht mehr so viel Geld auszugeben“, sagt Puck. Daher wird die diesjährige Oscar-Verleihung zu Hollywoods ökonomischem Lackmus-Test.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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