Oscar-Verleihung
Erbarmen, die Baader-Meinhofs kommen!

Am Abend vor der Oscar-Verleihung übte German-Films in Los Angeles schon mal das Siegen in der Villa "Aurora". Mit "Der Baader-Meinhof-Komplex" gehen die Deutschen ins Rennen um den begehrten Oscar als bester ausländischer Film. Am heutigen Sonntagabend werden die Oscars im Kodak-Theatre in Hollywood verliehen. Gold für Terror?

LOS ANGELES. "Sind Sie ein Film-Star?" Der Empfang am Hügel war gar nicht so ohne. In Los Angeles sogleich mit der Elle des Filmstars gemessen zu werden, hat schon was. Kein Wunder auch: Der Befragte hat die volle Uniform parat: Schwarzer Anzug, schwarze Sonnenbrille, schwarze, mächtig gegelte Haare, ein starkes Kinn und ein Gesichtsausdruck, als gelte es, die nächste Bank auszurauben. Klarer Fall: Ein Künstler. "Nein, sorry, ich bin hier auch nur ein Angestellter."

Too bad, aber auch! Hier, das ist nämlich die feine Villa "Aurora", in der zur Nazizeit Martha und Lion Feuchtwanger ihr zugleich finsteres, aber auch nobles Exil verbrachten. Thomas Mann, ein wenig eifersüchtig, nannte das luxuriöse Anwesen mit unverstelltem Blick auf den Pazifik "Schloss am Meer."

Die Schloss-Gäste heute: Filmschaffende aus Germany und aus LA, die ganze Crew jenes deutschen Films, der als bester ausländischer Film nominiert wurde: "Der Baader-Meinhof-Komplex". German Films und Capture Film International haben zur sonnigen Fete hoch über dem Smog von LA und Santa Monica eingeladen.

Sonne: In Hollywood gilt das Wetter selten als Omen, denn stets brennt die Sonne auf den Pazifik, auf Malibu und auf ganz Hollywood eben. Eine Verlässlichkeit, die kaum auszuhalten ist. Doch ausgerechnet heute färbt sich der Himmel über der Glitterstadt trübe grau ein, droht er mit ersten kalten Tropfen. Und das alles, obwohl der deutsche Generalkonsul in LA, Christian Stock, tagelang "meine Daumen für gutes Wetter gedrückt hat". Die hochoffizielle diplomatische Intervention klappte nur halbwegs, gut genug indes, um rund 700 Gäste anzuziehen.

Darunter auch Germany's "Federal Commissioner for Culture and Media", der Mann, der die Steuergelder unter anderem eben auch in die "Villa Aurora" lenkt, unser Staatsminister Bernd Neumann. Um kein fahles Gefühl falscher Bevorteilung aufkommen zu lassen, sagt er oben auf dem wunderbaren Balkon der "Aurora" prophylaktisch erst mal in trauter Runde: "Wir finanzieren ja auch die Villa Massimo in Rom und die Villa Romana bei Florenz."

Die deutsche Filmbranche in der Heimat wie im Exil jedenfalls liebt den so weit gereisten, aber etwas bieder wirkenden Mann, der er ja nicht ist. "Er macht Geld für uns locker, sehr geschickt", zollt ihm eine der Nominierten volle Hochachtung.

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