Pädagogin gibt Entwarnung für Eltern
Die Faszination einer Teenie-Band

Sie weinen, kreischen oder schreien, wenn sie die No Angels sehen, und die Wände ihrer Kinderzimmer sind mit Postern ihrer Idole geschmückt. Mädchen zwischen 8 und 13 Jahren lieben ihre Teenie-Bands - und stellen die Eltern mit ihrer Begeisterung oft vor ein Rätsel.

HB/dpa BERLIN. Verwunderte und zweifelnde Erwachsene kann die Berliner Erziehungswissenschaftlerin Bettina Fritzsche nun beruhigen. Die Verehrung von Girlgroups oder Boybands, schreibt die Berlinerin in ihrer Doktorarbeit, ist weder lächerlich noch peinlich, sondern ein Schritt zum Erwachsenwerden.

Als die Pädagogin nach ihrem Studium eine Mädchengruppe betreute, wunderte sie sich zunächst einmal selbst. „Meine Schützlinge waren gerade mal acht Jahre alt, lasen die „Bravo“ und gingen zu Konzerten“, berichtet sie. Als die Mädchen begannen, die Bühnentänze der Spice Girls oder später der No Angels nachzuahmen, hatte Fritzsche ihr Dissertations-Thema gefunden. Sie fragte rund 30 Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren, was sie an Mädchenbands oder Boygroups fasziniert - oder fasziniert hat.

„Ich war überrascht, wie genau die Mädchen über ihre Schwärmerei nachdenken“, berichtet Fritzsche. „Sie haben sich kaum die Illusion gemacht, ihrem Idol einmal nahe zu sein“. Die Helden und Heldinnen der Bands dienten ihnen vielmehr als Symbole. „Die Mädchenbands stehen vor allem für starke Frauentypen“, erläutert die Wissenschaftlerin.

Mädchen bis zu 13 Jahren setzten sich in ihren Cliquen mit diesen Rollenbildern auseinander und suchten sich einen Typ zum Nachspielen aus. Auch schüchterne Teenies könnten bei diesem Spiel zum Vamp werden. „Das Ganze dient auch dazu, sich von den Jungs abzugrenzen“, ergänzt die Pädagogin. Insgesamt sei das Ganze ein harmloses Hobby. Von Rebellion gegen die Altvorderen - wie früher bei den Fans der Beatles oder Rolling Stones - sei bei den befragten Mädchen nichts zu spüren gewesen.

Selbst die vermeintlich heiße Liebe zu Boygroups sei bei den jungen Mädchen eher platonisch als ernst gemeint. „Die Angebeteten stehen für perfekte Liebhaber, die es später irgendwann einmal geben könnte“, analysiert Fritzsche. 10-jährige Mädchen aber hätten den Wunsch, bei Jungs kein Risiko einzugehen und nicht enttäuscht zu werden - sie schwärmen lieber aus der Ferne. Nur bei Konzerten wollten die Mädchen ihrem Star ganz nah sein und alles geben - aber auch lieber im Schutz ihrer Clique oder der Eltern als allein.

Mit 15 Jahren beginnen viele Mädchen laut Fritzsche, ihre Stars „megapeinlich“ zu finden. „Vielleicht haben sie dann selbst Erfolg mit selbstbewusstem Auftreten und brauchen diese Vorbilder nicht mehr“, vermutet sie. Auch Liedtexte würden kritisch unter die Lupe genommen, das Kommerzielle der Bands nach und nach entlarvt. Auch der Musikgeschmack - und die Poster in den Zimmern - ändern sich dann schlagartig. „Meine Mädchen standen plötzlich alle auf HipHop“, sagt Fritzsche.

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