Paradies für Künstler: In der Ruhe liegt die Kreativität

Paradies für Künstler
In der Ruhe liegt die Kreativität

Eine private Stiftung vereint Künstler aus aller Welt in Umbrien. Im Schloss „Civitella Ranieri“ sollen sie Kreativität tanken. Und e inmal ohne Geld- und Alltagssorgen arbeiten . Zu Besuch in einem magischen Ort.

MailandWafaa Bilal sitzt am Fenster. Sein Blick schweift über Zypressen, grüne Hügel und historisches Gemäuer. Bilals Zimmer im Schlossturm von „Civitella Ranieri“ ist weiß getüncht, auf dem Holztisch stapeln sich Bücher. Die grüne Leselampe färbt den Raum in warmes Licht. Stille umgibt den Mann in Jackett und Lesebrille an diesem trüben Regentag.

Stille, die der aus der irakischen Stadt Najaf stammende Künstler in seiner Wohnung in Manhattan nicht hat und die er aus seinem Leben so nicht kennt. 1992 aus dem Irak geflohen, hat Bilal zwei Jahre in einem Flüchtlingscamp in Saudi Arabien gewohnt und ist dann in die USA emigriert. Sein Bruder wurde 2008 im Irak von einer amerikanischen Drohne getötet worden. All das hat ihn zu ungewöhnlicher Kunst inspiriert.

Nach dem Tod seines Bruders etwa ließ sich der 49-jährige Konzept-Künstler per Mausklick im Internet 80 Millionen Mal aus 128 Ländern von einem Roboter mit Farbbomben beschießen; seine Performance hieß „Shoot an Iraqi“. Ein anderes Mal ließ er sich für ein Jahr lang als „drittes Auge“ eine Kamera in den Hinterkopf implantieren, die im Minutentakt Fotos schoss. Oder er ließ sich einen Monat lang in einer Kunstgalerie einschließen.

Doch hier in der italienischen Region Umbrien ist alles anders. „Plötzlich war da nur Stille“, beschreibt Bilal seine Ankunft im Schloss. Eine Umgebung, die ihn zu neuer, anderer Kunst inspirieren soll. Bilal ist einer der auserwählten Künstler, die die amerikanische Stiftung „Civitella Ranieri“ für sechs Wochen in das Schloss in Umbertide in Umbrien einlädt. Künstler, die schon für Aufmerksamkeit gesorgt haben, von der sich die Szene mehr verspricht, die den großen Durchbruch aber noch nicht geschafft haben. Künstler, die einmal ohne Geld- und Alltagssorgen arbeiten können sollen.

So residierten hier vor ihrem Durchbruch auch schon der in Leningrad geborene amerikanische Erfolgs-Autor Gary Shteyngart oder der spätere Nobelpreis-Kandidat Bei Dao, der südafrikanischen Künstler William Kentridge oder sein nigerianischer Kollege El Anatsui, der 2015 auf der Biennale in Venedig den goldenen Löwen für sein Lebenswerk erhalten hat.

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